Celler Experten erklären

So wird Ihr Garten fit für Herbst und Winter

Im Kleingartenverein Hospitalwiesen in Celle stehen die ersten Gartenarbeiten für die kalte Jahreszeit an. Edeltraut Behr ist schon eifrig dabei.

  • Von Stefanie Franke
  • 08. Okt. 2022 | 14:05 Uhr
  • 08. Okt. 2022
Edeltraut Behr hat viele Früchte in ihrem Garten. Auch Naschen muss sein.
  • Von Stefanie Franke
  • 08. Okt. 2022 | 14:05 Uhr
  • 08. Okt. 2022
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Celle.

Edeltraut Behr steht in ihren Schrebergarten und pflückt eine reife Himbeere von einem Strauch. „Das ist jeden Morgen das Erste, was ich mache, wenn ich herkomme – Himbeeren naschen,“ erzählt sie und schiebt sich schmunzelnd die tiefrote Frucht in den Mund. Behr hat einen Garten im Kleingartenverein Hospitalwiesen. Nun steht der Herbst vor der Tür und sie bereitet die Parzelle liebevoll auf die kalte Jahreszeit vor.

„Die Äpfel geben bestimmte Gase ab, die den Tomaten beim Reifen helfen."

„Die Tomaten hier müssen noch nachreifen, daher kommen sie zu den Äpfeln,“ erklärt Behr mit Blick auf ihren reich bestückten Gartentisch. Darauf stapeln sich die unterschiedlichsten Früchte, Samen und Kräuter. Reife Birnen, knallgelbe Quitten und rotbäckige Äpfel teilen sich den Platz mit verblühten Zierlauchstängeln und einem Teller voller Ringelblumensamen. Doch was hat es mit den Tomaten auf sich? „Die Äpfel geben bestimmte Gase ab, die den Tomaten beim Reifen helfen. Daher wickele ich beide zusammen in Zeitungspapier ein, bis die Tomaten den gewünschten Reifegrad erreicht haben,“ verrät Behr.

Winterquartiere für Insekten, Igel und Co.

Auch die abgeblühten Strauchstängel auf dem Tisch haben ihre Daseinsberechtigung. „Man kann jetzt schon Saatgut für das Frühjahr sammeln,“ so Behr und trennt die Samen der verblühten Pflanzen vorsichtig ab, um sie dann bis zum Frühling aufzubewahren. Wenn es an der Zeit ist, bringt sie das Saatgut auf den Beeten aus. So können daraus im nächsten Jahr wieder bunte Blumen entstehen.

Edeltraut Behr hat viele Früchte in ihrem Garten. 

„Mein Garten ist eine halbe Wildnis,“ meint Behr. „Ich lasse ganz viel für Bienen, andere Insekten und Vögel stehen. Abgeblühte Stauden dienen als Nahrungsquelle. Gräser bleiben auch stehen, die sind immer schön im Winter, wenn dann vielleicht sogar Schnee daran hängen bleibt.“ Kleine Lebewesen kommen in Edeltraut Behrs Garten auf ihre Kosten: Neben einer Vogeltränke und einer Wasserstelle für Wespen und Libellen gibt es Futterhäuser für Vögel, die nun zum Herbst wieder regelmäßig aufgefüllt werden. Auch die Nistkästen sind schon gereinigt. Zusätzlich zu einem Igelhaus häuft Behr Reisig und Holz zu einem Stapel auf, um weiteren Igeln ein Winterquartier anzubieten. „Dafür habe ich mir extra eine ruhige Stelle ausgesucht, um ihn dann im Frühjahr mit den ersten Gartenarbeiten nicht gleich aufzuwecken.“ Manche Hölzer haben sogar eine Doppelfunktion: Einige Insekten haben die Gelegenheit bereits erkannt und sich in einem dicken Baumstamm eingenistet.

Aus Wildobst werden Leckereien

Die meisten Früchte in Behrs Garten können zum Herbst weiterverarbeitet werden. „Jetzt ist eine gute Zeit, um aus Wildobst wie Holunder und Quitte Likör, Gelee oder Saft zu machen. Bei manchen Sorten, so wie Schlehen und auch Sanddorn ist es am besten, wenn der erste Frost darüber gegangen ist, damit sie süßer sind.“ Theoretisch könne man die Früchte aber auch jetzt schon ernten und dann einfrieren, um den gleichen Effekt zu erzielen.

„Viele aus der älteren Generation haben es sehr verinnerlicht, dass nicht ein Kräutchen im Garten wachsen darf, das dort nicht hingehört."

„Wichtig ist es, frostempfindliche Pflanzen vor Kälte zu schützen,“ weiß Edeltraut Behr. Dazu könne man entweder Reisig oder Laub nutzen. „Da, wo es nicht durch die Gegend oder zum Nachbarn wehen kann, bleibt bei mir das Laub als Winterschutz und für die Igel liegen – zum Beispiel unter Stauden und Hecken.“ Und wie steht Behr zum Thema Unkraut? „Unkraut ist kein Unkraut, sondern ein Wildkraut,“ sagt sie schmunzelnd. „Viele aus der älteren Generation haben es sehr verinnerlicht, dass nicht ein Kräutchen im Garten wachsen darf, das dort nicht hingehört. Dabei kann es unter anderem als Nahrung für Insekten sehr nützlich sein.“

Herbstzeit ist Erntezeit

Herbstzeit ist in erster Linie auch Erntezeit. Obst, Birnen, unreife Tomaten, Quitten, Zwetschgen und vieles mehr gilt es jetzt abzusammeln. „Ich steige nicht mehr auf die Leiter,“ stellt Behr klar und pflückt eine Birne mit der Hand. „Dafür gibt es mittlerweile genug Hilfsmittel, zum Beispiel einen Apfelpflücker.“ Äpfel, die schon am Boden liegen, müssen verarbeitet werden – etwa zu Apfelmus, Bratäpfeln oder Kuchen.

Unreife Tomaten können neben den Äpfeln gut nachreifen. 

Auch Rückschnitte können zum Herbst oder im Frühjahr stattfinden. Bei Rosen rät Behr dazu, zum Herbst erst einmal das Gröbste wegzuschneiden. „Wenn die Forsythien blühen, kann man dann noch den Rest in Form bringen und Froststellen beseitigen.“

„Wenn die Blätter gelb werden, kann man die Knollen ernten. Sie schmecken etwas kräftiger als Kartoffeln.“

Ein verkannter Star des Herbstgartens ist der Topinambur. Er gehört zu den Sonnenblumen und sorgt mit seinen zahlreichen kleinen Blüten in strahlendem Gelb für einen echten Hingucker im Blumenbeet. Doch das ist noch nicht alles: Ist der Topinambur verblüht, können dessen dicke Knollen geerntet werden. „Das ist ähnlich wie mit Kartoffeln,“ beschreibt Edeltraut Behr. „Wenn die Blätter gelb werden, kann man die Knollen ernten. Sie schmecken etwas kräftiger als Kartoffeln.“ Topinambur könne roh gegessen werden, schmeckt aber auch gebraten als leckere Beilage.

 Für Igel richtet Edeltraut Behr extra einen Reisighaufen als Winterquartier ein. 

„Meist gehe ich zum Herbstanfang einmal durch den Garten und gucke, was anliegt. Dann entscheide ich auch, was ich zum nächsten Jahr vielleicht verändern möchte.“ Einige Stauden, die sich zum Winter von selbst in die Erde zurückziehen, kennzeichnet Behr außerdem mit kleinen Bambusschildchen. „Wenn man andere Blumen pflanzen möchte, übersieht man die anderen schnell oder weiß nicht mehr, wo sie standen,“ erklärt sie.

Gewappnet für den Herbst

Auch auf die Grippesaison ist Edeltraut Behr vorbereitet. Sie schneidet Kräuter aus ihrem Garten, um sie zu trocknen. „Thymian hilft bei Erkältungen.“ Salbei ist ein echter Allrounder: Er macht sich gut in Kräutersäckchen, sein Duft kann entspannend wirken. Bei Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen hilft er ebenfalls.

„Man kann hier und da irgendwas rumschnippeln oder festbinden, da etwas setzen, hier etwas ziehen.“

Behrs Garten ist für den Herbst gewappnet. Doch wer einen Garten hat, der weiß: Es gibt immer etwas zu tun. „Man kann hier und da irgendwas rumschnippeln oder festbinden, da etwas setzen, hier etwas ziehen,“ meint Behr und räumt ihre Gartengeräte zusammen. Wenn die Tage wieder kürzer werden, wird es nichtsdestotrotz ruhiger. „Dann hört man hier nur noch die Igel umherrascheln.“