Celler Badeland

Saunameister Jeffery Müller hat Traumberuf

Jeffery Müller ist Saunameister im Celler Badeland. Er liebt seinen Beruf auch in harten Zeiten wie Pandemie und Energieknappheit.
  • Von Peter Bierschwale
  • 30. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 30. Juli 2022
  • Von Peter Bierschwale
  • 30. Juli 2022 | 15:00 Uhr
  • 30. Juli 2022
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Celle.

Das ist doch recht erfreulich, wenn sich jemand in seinem beruflichen Umfeld pudelwohl fühlt und dementsprechend gute Laune versprühen kann. Jeffery Müller ist „Teamleiter Sauna“ im Celler Badeland und möchte das gerne „bis zur Rente“ fortsetzen.

Müller kommt 1970 in Hannover zur Welt, doch als er ein Jahr alt ist, zieht seine Mutter mit Jeffery zu ihrem neuen Lebenspartner nach Göttingen. Dort wächst er auf, wird eingeschult und erhält 1988 den Realschulabschluss. In seiner Freizeit ist er aktiver Schwimmer, tritt dem Schwimmverein „Waspo 08 Göttingen bei“ und erwirbt einige Rettungsscheine.

Nach dem Schulabschluss liegen ihm mehrere Angebote für einen Ausbildungsplatz vor. Er tendiert zunächst dazu, Bierbrauer zu werden. Doch dann folgt er dem Rat seines Schwimmtrainers und entschließt er sich, „beruflich seinem Hobby zu frönen“: Er beginnt 1988 im Hallenbad Göttingen eine Ausbildung zum „Schwimmmeistergehilfen“, oder umgangssprachlich: „Bademeister“. Neben dem Beruf habe ihn unter anderem gereizt, in den öffentlichen Dienst zu kommen: „Da kannst du wenigstens sicher sein, dass dein Gehalt regelmäßig gezahlt wird!“

Funke springt in Eschede über

Nach der Ausbildung gibt es für ihn in Göttingen keine Arbeit, und so tingelt er durch verschiedene Freibäder im Raum Göttingen und in Nordhessen. Nachdem er 1994 als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr eingezogen worden ist, verpflichtet er sich aus finanziellen Gründen als Zeitsoldat für vier Jahre und wird in Frankenberg (Eder) südwestlich von Kassel stationiert. Bei der Bundeswehr geht es ihm gut, denn die braucht für ihre Bäder eine Schwimmaufsicht, und so kann Müller seine beruflichen Erfahrungen vertiefen.

1995 bittet ihn ein befreundeter Bademeister, bei einer Veranstaltung im Freibad Eschede bei der Schwimmaufsicht mitzuhelfen. Und er lernt da eine Frau aus Celle kennen. Es funkt zwischen ihnen und er zieht mit ihr „ausgesprochen schnell zusammen“, wie er sich erinnert. Jeffery Müller zieht es nun in den Raum Celle. 1997 heiraten sie und bekommen drei Kinder.

Die Gemeinde Höfer bietet ihm eine Wohnung an, und die Familie zieht nach Höfer. Die Gemeinde hatte dabei wohl auch ihre Hintergedanken, denn es stellte sich ihr die Frage, wie es mit dem leerstehenden „Heideschwimmbad Höfer“ weitergehen würde. Nach der Wiedereröffnung 1998 mit Hilfe eines Fördervereins bekommt Müller dort eine Stelle als Bademeister. „In Höfer kennt jeder jeden“, erinnert sich Müller, „ich kannte die meisten Kinder mit Namen, und die Zusammenarbeit mit den Eltern war klasse, denn man konnte gut mit denen Absprachen treffen. So war es kein Problem, Eltern darüber zu informieren, dass ihr Kind später nach Hause kommen werde: Es müsse wegen des von ihm veranstalteten Blödsinns noch Müll einsammeln!“

Im Winter auch schon Rüben gefahren

Auf die Frage, was ihm denn bei der Arbeit Spaß mache, erklärt er: „Neben der normalen Tätigkeit ist man ja auch ‚Seelentröster‘, wenn man ein weinendes Kind vor sich hat, das von einer Biene gestochen wurde oder seine Mutter aus den Augen verloren hat. Und ich habe einigen hundert Kindern das Schwimmen beigebracht!“

Nicht so schön ist, dass ihn die kleine Gemeinde Höfer – wie andere in dieser Größe auch – ihren Bademeister nur „saisonal“ bezahlen kann, er ist also regelmäßig in der dunklen Jahreszeit arbeitslos: „Ich habe da auch schon Rüben gefahren.“

Anfang 2001 bewirbt er sich deshalb auf eine Stellenausschreibung im Celler Badeland und erhält endlich einen unbefristeten Vertrag. Die Familie zieht nach Groß Hehlen, 2012 kann die Familie ein Haus in Altencelle kaufen.

Als die Stadtwerke 2005 die Erweiterung des Saunabereichs planen, wird er gefragt, ob er sich zum Saunameister ausbilden lassen wolle. Müller stimmt zu, absolviert den Lehrgang und wird „Saunameister“.

Lehrgang für Baby- und Kleinkindsauna

Der gesamte Saunabereich wird renoviert und großzügig erweitert. Im Hauptgebäude verbleiben die traditionellen Saunen und die Dampfsaunen. „Die bisherigen Saunahöfe hatten den Charme eines alten Gefängnishofes, das wurde alles sehr viel moderner gestaltet“, erklärt Müller. In den Außenanlagen wird unter anderem die sogenannte „Heide-Sauna“ errichtet, ein fachwerkähnlicher Neubau mit einem großem Saunaraum, sowie eine „Erdsauna“, die ins Erdreich eingelassen ist und über eine besondere Atmosphäre verfügen soll. Im Jahr 2015 nimmt Müller noch an einem Lehrgang teil, um eine „Baby- und Kleinkindersauna“ anbieten zu können.

Seit 2017 ist er nun „Teamleiter Sauna“ und damit für zehn Kollegen, davon vier Vollzeitkräfte, verantwortlich, schreibt Dienstpläne und hat andere organisatorische Aufgaben übernommen: „Ich habe ein klasse Team und fühle mich hier sauwohl!“, erzählt er ziemlich begeistert.

Gelitten hatte das Angebot allerdings durch den Lockdown in den Jahren 2020/21: Da mussten der Saunabereich und das Badeland insgesamt über sieben Monate geschlossen und die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden.

Aber inzwischen kann sich Müller wieder als Saunameister in der Gästebetreuung engagieren, wenngleich die Gäste nach der Aufhebung des Lockdowns wohl nur „schleppend“ zurückkehrten.

Idee im Kopf für Fernsehwette

Er kümmert sich um den reibungslosen Ablauf, die richtigen Temperaturen und lässt dann die Gäste hinein. Zum reibungslosen Ablauf gehört es unter anderem auch, darauf zu achten, dass es unerfahrene Gäste nicht „übertreiben“, also länger in der Sauna bleiben, als es ihnen guttut.

Ein wenig „Entertainment“, wie er es nennt, gehört auch dazu: Müller und seine Kollegen „zelebrieren“ allerlei Aufgüsse mit exotisch klingenden Namen, wie Klangschalen-, Musik- oder Eis-Aufgüsse. Das scheint bei den Celler Saunafreunden gut anzukommen, denn, so berichtet er, im Winter kämen 400 bis 600 Gäste in der Woche, darunter viele Stammgäste. Er verfüge über ein gutes Gedächtnis und kenne die Namen der meisten Stammgäste. Deshalb hätten sie ihm auch vorgeschlagen, sich bei der TV-Show „Wetten, dass ...?“ zu bewerben mit der Behauptung: „Ich erkenne alle meine Saunagäste an ihren Badelatschen!“ Aber, sagt er augenzwinkernd, das sei natürlich nur ein lustiges Gedankenspiel gewesen.

lebenslauf

1970

in Hannover geboren, in Göttingen aufgewachsen und eingeschult

1988

Realschulabschluss

August 1988

Beginn der Ausbildung zum Schwimmmeistergehilfen bei der Stadt Göttingen

1994 bis 1997

Verpflichtung bei der Bundeswehr, stationiert in der Nähe von Kassel

1997

Heirat, drei Kinder

Ab Anfang 2001

Tätigkeit als Schwimmmeistergehilfe im Badeland

Ab 2006

Teilnahme am Saunameisterlehrgang, seit 2017 „Teamleiter Sauna“