Alphornkursus ausprobiert

Giftiges I und duftende Blüten

Bildreich und unterhaltsam gestaltete sich Franz Schüsseles Alphornkursus, den der Multi-Instrumentalist in der Celler Kreuzkirche gegeben hat.

  • Von Georg Wießner
  • 03. Okt. 2022 | 11:05 Uhr
  • 03. Okt. 2022
Informativ und unterhaltsam gestaltete Franz Schüssele seinen Alphornkursus.
  • Von Georg Wießner
  • 03. Okt. 2022 | 11:05 Uhr
  • 03. Okt. 2022
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Celle.

Manch einer mag das Alphorn als dekoratives Postkarten-Requisit ansehen. Um auch diejenigen davon zu überzeugen, dass es sich dabei auch um ein faszinierendes Musikinstrument handelt, ist der Schwarzwälder Musiker Franz Schüssele seit vielen Jahren in Deutschland unterwegs. Bei seinem Lehrgang in der Celler Kreuzkirche musste der Multi-Instrumentalist aber keine Werbung mehr für das Horn machen, denn alle Teilnehmer brachten schon viel Erfahrung mit anderen Blasinstrumenten mit. Schüssele behauptet, dass er auch absoluten Anfängern innerhalb kürzester Zeit beibringen könne, Töne auf dem Alphorn zu erzeugen. Der Autor machte die Probe aufs Exempel und war das ideale Versuchsobjekt, da er außer einer Plastiktröte aus der Schützenfest-Tombola noch keine Erfahrung mit Blasinstrumenten aufweisen konnte. Zunächst widmete sich der Meister aber den Damen und Herren, die schon auf eigene Auftritte in Posaunenchören verweisen konnten.

Zustand der Entspannung

„Wir beginnen mit den Sachen, die keinen Spaß machen, denn die sind die Grundlage des Erfolgs“. Der erfahrene Musikpädagoge weiß, dass Lernende am liebsten direkt zum Instrument greifen und spielen wollen. Spaß machen die vorbereitenden Übungen dennoch. Das „Gummimännchen“ lässt die Muskulatur locker werden und die anschließenden Stimm- und Atemübungen dienen dazu, die Resonanzräume des Körpers zu öffnen. Die Vorstellungskraft der Kursteilnehmer ist dabei gefordert. Mal hat man eine heiße Kartoffel im Mund oder es darf herzhaft gegähnt werden. Das Ziel ist, Geist und Körper in einen Zustand der Entspannung zu bringen.

"Alphornspiel ist geblasener Jodel“

Schüssele erzählt von seiner Gesangsausbildung, deren Übungen auch für sein Alphornspielen von großem Wert waren. Die richtige Atmung ist beim Gesang wie auch beim Alphornblasen von zentraler Bedeutung. „Das Alphornspiel ist geblasener Jodel“, bringt es der Kursleiter auf den Punkt.

„Wenn Ihr nicht auf den Dirigenten schaut, seid Ihr verloren!“

Gut vorbereitet darf es dann an die Instrumente gehen und es folgen zahlreiche Tipps und Tricks, die für die schon geübten Posaunisten von großem Wert sind. So kommt es auch auf die richtige Lage der Zunge im Rachenraum an, verdeutlicht mit der Formung des „runden U“ im Gegensatz zum „giftigen I“. Gerade die zarten Piano-Töne verlangen Konzentration und Hingabe. Der Vergleich, an einer duftenden Blume zu riechen, hilft, sich in die richtige Stimmung zu bringen. Manchmal braucht es auch einer Ermahnung: „Wenn Ihr nicht auf den Dirigenten schaut, seid Ihr verloren!“ Die Sorge mancher Teilnehmer, zu lange Pausen zwischen den Tönen entstehen zu lassen, zerstreute Schüssele mit einem Verweis auf Beethovens 5. Symphonie: „Ohne die berühmte Achtelpause zu Beginn des Stücks würden heute nicht so viele Menschen die Symphonie schon nach wenigen Tönen erkennen“. Teilnehmerin Christa Harms spielt im Posaunenchor Hohne und zeigte sich nach dem Kursus rundum zufrieden: „Ich kann sehr viel mitnehmen, gerade für mein eigenes Spiel im Blasorchester. Ich liebe Hornklänge und spiele selbst Waldhorn. Das Alphorn ist für mich die Königin unter den Hörnern.“

Hambührener stand mit Alphorn auf der Bühne

Siegried Baum vom Posaunenchor Hambühren hat schon zwei Kurse bei Franz Schüssele absolviert und stand mittlerweile mit vier Hambührener Kollegen bei einem Alphornkonzert im Schwarzwald schon selbst mit dem Instrument auf der Bühne.

Der Schwarzwälder Musiker Franz Schüssele ist seit vielen Jahren in Deutschland unterwegs, um Menschen zu überzeugen, dass es sich bei dem Alphorn um ein faszinierendes Musikinstrument handelt. 

Dann stand schließlich der große Moment an, sich selbst an das imposante Gerät zu wagen. Theoretisch bestens präpariert durch Franz Schüsseles Erörterungen, entspannt, den Fokus auf die Zwerchfellatmung gerichtet: Eins, zwei – sogar ein dritter Ton entwich dem großen Alphorn-Trichter und damit ein Ton mehr als bei absoluten Anfängern üblich! Der Autor verschenkte seinen Kugelschreiber und sah sich schon in seinen Träumen auf der großen Bühne, bejubelt von Tausenden begeisterter Alphorn-Fans. Die vom Kursleiter in Aussicht gestellten jahrelangen Übungsstunden, ließen den Traum aber schnell wieder zerplatzen und den Kugelschreiber zurückfordern …

Alphorn-Solist und Multi-Instrumentalist

Der Schwarzwälder Franz Schüssele ist als Alphorn-Solist und Multi-Instrumentalist durch viele Fernseh- und Rundfunk-Auftritte bekannt. Mit seiner Volksmusikgruppe „Gälfiäßler“ gelang ihm sogar 2001 der Eintrag ins „Guinness Buch der Rekorde“ als Gruppe mit den meisten Musikinstrumenten, mit der stattlichen Anzahl von 150. In seinem musikkabarettistischen Programm kommen so kuriose Instrumente wie zum Beispiel das Gurkenhorn oder die singende Säge zum Einsatz. Der Musiker spielte im Philharmonischen Orchester der Stadt Freiburg und unterrichtete an der Pädagogischen Hochschule für Posaune und Blechbläserkammermusik. Aber auch als Schriftsteller macht er immer wieder von sich reden. Sein Buch „Alphorn und Hirtenhorn in Europa“ gilt als wissenschaftliches Standardwerk dieses Genres. Sein neues Werk „Alphorn Praxis & Wissen“ bietet neben sachlichen Informationen auch unterhaltende Alphorngeschichten.

Hochprozentiges als Dankeschön

Zum Schluss überreichte ein Kursusteilnehmer als kleines Dankeschön eine Flasche „Heidegeist“, damit sich der Schwarzwälder davon überzeugen konnte, dass die Niedersachsen zwar im Alphornblasen noch ein wenig zurück sind, in puncto Hochprozentigem den Süddeutschen aber in nichts nachstehen.