Über 60-Jährige in Celle

Seniorenbeirat hat Interessen Älterer im Blick

Noch bis Ende Juli werden Mitglieder für die Wahlversammlung gesucht. Der Senioren-Beirat setzt sich seit 1982 für die Interessen der Älteren ein.
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 22. Juli 2022 | 10:00 Uhr
  • 22. Juli 2022
  • Von Lothar H. Bluhm
  • 22. Juli 2022 | 10:00 Uhr
  • 22. Juli 2022
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Celle.

„Die sehen ja heute alle nicht so aus.“ So hört man es aus dem Kreis der sieben Mitglieder des Seniorenbeirates Celle über die 60-Jährigen: Mit der Feststellung, sie seien nicht „die Alten“ von früher, sondern sie seien heute aktiv und allseits interessiert, macht das Gremium Komplimente an die 20.000 Celler jenseits der 60 Jahre. Das gelte jedenfalls für einen Großteil der Altersgruppe.

Alle 60-Jährigen sind wahlberechtigt für den Seniorenbeirat, der für Celle im November für die folgenden fünf Jahre neu gewählt wird. Wahltag ist der 3. November.

Seit 1982 gibt es das Gremium in Celle, das mit beratender Stimme in verschiedenen Fachausschüssen des Stadtrates sitzt und Einfluss auf politische Entscheidungen ausüben kann. „Wir gehen die Dinge an, die Celle bewegen“, beschreibt der Vorsitzende Hans-Gerhard Grote den Ansatz des Gremiums und hat gleich ein Beispiel parat: die Situation der öffentlichen Toiletten in der Stadt. „Man läuft oft gegen Mauern, wenn wir Anregungen geben. Zum Beispiel: Was machen Menschen mit Handicap, wenn sie müssen?“, so Grote. „Das ist nach wie vor eine Baustelle, das Problem muss gelöst werden.“

Öffentliche Toiletten sind ein Muss-Thema

Oder auch die Toilette am Schlösschen im Französischen Garten: „Wir bitten darum, die Toilettenanlage im Französischen Garten wieder zu öffnen“, formuliert der Vorsitzende seinen Vorschlag an die Mitglieder des Ausschusses für Klima, Umwelt, Verkehr und technische Dienste des Rates der Stadt Celle und nennt Gründe: Kinderspielplatz, Tourismus, Spaziergänger und ältere Menschen, Mitarbeiter des Grünflächenamtes, Flohmärkte und der Boule-Club könnten künftig die Toiletten benutzen. „Aufgrund vieler Anfragen an den Seniorenbeirat der Stadt Celle möchten wir einen solchen Vorschlag an den Ausschuss geben“, sagt Grote.

Er ist seit fünf Jahren Vorsitzender des Seniorenbeirates und damit der sechste Mann auf dem Posten: „In unseren regelmäßigen Sprechstunden bekommen wir hautnah mit, wo den Celler Seniorinnen und Senioren der Schuh drückt“, sagt Grote: So beschäftigen Vorsorge und Testamente die Älteren, aber auch die Frage nach Veranstaltungen wie PC-Kurse und Seniorenkino. „Der Junge muss an die frische Luft“ sei zum Beispiel ein Film gewesen, der im Seniorenkino mehrfach gezeigt und mit großem Interesse begleitet wurde. „Da bin ich sehr dankbar für die gute Kooperation mit dem Kino 8 ½ und Stefan Eichardt. Er macht uns immer die Vorschläge, von denen er annimmt, dass sie die Senioren dieser Stadt interessieren.“ Und zumeist behalte Eichardt Recht, wenn er lustige und musikalische Filme anbiete, weiß Grote.

Kino und Disko für Senioren

Natürlich: Während der Corona-Pandemie lief lange Zeit nichts, und nun müssen langsam die Aktivitäten wieder hochgefahren werden. „Wir sind sehr dankbar, dass es in der Alten Exerzierhalle möglich ist, die Nachmittage mit Kaffee und Kuchen und Filmangeboten zu realisieren“, so Grote. „Wir Seniorenbeiratsmitglieder sehen von den Filmen allerdings nichts – wir sind mit dem Service beschäftigt und arbeiten.“ Wenn im Durchschnitt 170 Zuschauer kommen, sei das ein schöner Erfolg, findet Grote. „Das Seniorenkino wird wirklich sehr oft nachgefragt. Es ist barrierefrei und rollstuhlgerecht.“ Und das alles für 6,50 Euro einschließlich eines Eierlikörs. Die nächste Vorstellung ist für den 2. September geplant.

Ein weiteres Beispiel für das Wirken des Seniorenbeirats: Vor drei Jahren hat man für Interessierte eine Dokumentenmappe angeboten, in der alle wichtigen Dokumente von 1 (persönliche Daten) bis 10 (weitere wichtige Dokumente) einsortiert werden können. Nach acht Wochen sei die erste Auflage vergriffen gewesen, schreibt Oberbürgermeister Jörg Nigge in seinem Grußwort zur Neuauflage: „Für viele Menschen sind die Themen Patientenverfügung, Tod und Bestattungsvorsorge weiterhin Tabuthemen oder noch nicht relevant. Dabei betrifft Vorsorge − sei es in gesundheitlicher Hinsicht oder aber mit Blick auf die Endlichkeit des Lebens − alle Altersklassen. Wir als Stadt Celle sowie der Seniorenbeirat möchten Sie gern bei der Auseinandersetzung unterstützen, und so freue ich mich, dass nunmehr die zweite Auflage der Dokumentenmappe vorliegt.“ Auch Grote freut das, denn: „In unseren Beratungen stellen wir immer wieder fest, dass Dokumente oft nicht beieinander sind.“ Dann komme es gut an, eine solche Dokumentenmappe anbieten zu können. „Die ist für jede und jeden geeignet – auch für die mit kleinem Budget: Sie kostet nämlich nichts“, unterstreicht er.

Eigener Stadtplan und SOS-Info-Box

Die Mitglieder des Celler Seniorenbeirates gehören auch dem Landesseniorenbeirat an, der in der Arbeitsgemeinschaft Lüneburg sehr viele Bereiche beleuchtet. Für Marie-Liese Weykopf ist das alles nicht neu: Sie gehört dem Gremium bereits seit 19 Jahren an und führt die Kasse. Allerdings kandidiert sie im November nicht erneut für einen Sitz im Seniorenbeirat. Ebenso wie Jutta Lorentzen, die sich nach vier Jahren zurückzieht: „Ich habe noch andere Ehrenämter, die mich herausfordern“, sagt sie.

„Besonders wichtig ist uns, dass wir niedrigschwellige Angebote auf Augenhöhe machen“, findet Hans-Gerhard Grote. „Wir gehen Dinge an, die die Cellerinnen und Celler bewegen.“ So sei auch Kritik an den Baumaßnahmen zum Brandplatz geäußert, eine Disko für Senioren oder eine Celler Seniorenwoche, bei der jeden Tag ein besonderes Programm nach dem Motto „Was Senioren bewegt“ geboten wird, angeregt worden. Besonderes Interesse fanden außerdem Gespräche mit der CeBus: „Wir sind Mitglied im Fahrgastbeirat“, so Grote.

Aktuell hat der Seniorenbeirat einen Stadtplan entwickelt, auf dem Sitzgelegenheiten in Parkanlagen, öffentliche Toiletten, Nahversorger, Haltestellen der Buslinien und Sehenswürdigkeiten eingezeichnet sind. Und auch die SOS-Info-Box liegt den Beiratsmitgliedern auch am Herzen, denn sie empfehlen, sich die Box zu besorgen und mit allen wichtigen Infos zu bestücken.

Katja Rautenberg arbeitet im Fachdienst Soziales, Jugend und Sport der Stadt Celle und ist seit 2005 für den Bereich Ü60 bei der Stadtverwaltung Celle zuständig.

Ja, ich denke schon. Die bevorstehende Wahl ist für die weitere Arbeit des Seniorenbeirates wichtig, denn die sieben Mitglieder werden neu gewählt. Soweit ich weiß, werden einige Mitglieder ihr Mandat aufgeben, andere bewerben sich erneut. Immerhin vertritt der Beirat die Interessen aller Einwohner der Stadt Celle, die 60 Jahre und älter sind. Der Beirat wird für fünf Jahre gewählt. In diesen Tagen ist die Wahlausschreibung veröffentlicht worden. Darin ist geregelt, dass die Wahl des Seniorenbeirats durch Delegierte erfolgt – also sind nicht alle 20.000 Menschen in der Stadt Celle wahlberechtigt?

Doch, alle können mitmachen, denn in der Ausschreibung steht, dass alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Celle, die am Tag der Wahl das 60. Lebensjahr vollendet haben, wahlberechtigt sind. Dazu müssen sie nur die notwendigen Unterlagen zur Teilnahme an der Wahlversammlung einreichen, denn nur Delegierte dürfen an der Wahlversammlung teilnehmen. Die ist am 3. November. Dazu gehört auch eine Unterstützungsliste, die von zehn Bürgern und Bürgerinnen über 60 Jahren mit Hauptwohnsitz in Celle unterschrieben sein muss. Erst mit dem Einreichen dieser Unterlagen ist man dann zur Wahlversammlung zugelassen und kann aus der Mitte der Delegierten den neuen Seniorenbeirat wählen.

Es ist also einiger Aufwand nötig …

Ja, das stimmt. Aber wer die ausgefüllten Unterlagen mit der Unterstützerliste bis 31. Juli bei mir einreicht, ist Delegierter und gleichzeitig Mitglied der Wahlversammlung. Er oder sie erhält anschließend die weiteren Informationen. Gewählt wird dann – wie gesagt – am 3. November.

Und wenn Menschen nur wählen wollen, selbst aber nicht antreten. Geht das?Selbstverständlich. Sie müssen sich nur als Delegierte erfassen lassen – mit den genannten Unterlagen. Wieviel Delegierte gibt es denn?

Das ist nicht festgelegt, theoretisch können sich alle 20.000 Einwohner als Delegierte anmelden. Das ist aber nackte Theorie. Nach den Erfahrungen der letzten Wahlen wirken nur rund 70 bis 100 Menschen aktiv mit. Aber auch der Status als Delegierter hat seine Vorzüge: Man erhält regelmäßig Post und Infos zu Veranstaltungen, politischen Neuigkeiten sowie informative Broschüren.

Wann beginnt denn dann die Arbeit des neu gewählten Beirates, und welche Aufgaben hat er?Der Seniorenbeirat wird durch den Stadtrat bestätigt und konstituiert sich, um dann seine Arbeit aufzunehmen. Die Arbeitsinhalte des Seniorenbeirates sind vielfältig. Er nimmt Belange gegenüber Rat, Verwaltung und Öffentlichkeit wahr. Er fördert alle Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Älterwerden. Weitere Schwerpunkte sind die Kontaktpflege zu Senioren- und Altenheimen sowie Freizeit- und Kulturangebote für die ältere Generation. Und ganz wichtig sind die regelmäßigen Sprechstunden.

Also?Unterlagen anfordern, ausfüllen, einreichen und Delegierte oder Delegierter werden.

Informationen

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