Typenporträt

Der Herr der Tennisbälle

Sport und der Umgang mit Kindern und Jugendlichen haben Valto Nuggis jung gehalten. Beim TC Boye ist er "Der Herr der Tennisbälle".
  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Juli 2022 | 18:00 Uhr
  • 02. Juli 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Juli 2022 | 18:00 Uhr
  • 02. Juli 2022
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Boye.

Es habe ihn nie ins Rampenlicht gedrängt, sagt der 72-jährige Valto Nuggis. Dennoch: Valto Nuggis ist in Celle mehr als nur ein Mitbürger unter vielen. Zwangsläufig, denn dem ehemaligen Förderschullehrer, dem Fußballer beim Regionalligisten TuS Celle (1971 bis 1973) und dem – bis heute – höchst engagierten Tennistrainer des Tennisclubs (TC) Boye sind im Laufe der Jahre mehrere Generationen dieser Stadt begegnet.

Spaß am Sport in die Wiege gelegt

Die Äußerung einer Cellerin gegenüber Nuggis bringt das auf den Punkt: „Sie haben schon mir das Tennisspielen beigebracht, heute trainieren Sie meine Enkel.“ Nun scheint dem pensionierten Pädagogen, der freiwillig drei Jahre länger im Schuldienst war als altersmäßig vorgesehen („Ich wurde als Sport- und Musiklehrer dringend gebraucht“), der Spaß am Sport in die Wiege gelegt worden zu sein. „Mein Vater, ein Großhandelskaufmann, war in Estland Basketball-Nationalspieler“, erzählt der Celler mit dem äußerst seltenen Vornamen. Letzterer ist estnischen Ursprungs, und „zurzeit gibt es ihn nur einmal“, meint Valto Nuggis zu wissen.

Sport ist wesentlicher Bestandteil von Nuggis Leben

Zurück zum Sportgedanken. „Mein Vater hat mir als Kind mal in mein Poesie-Album geschrieben, damals gab’s die ja noch, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnt“, erinnert sich Nuggis. Und weil Sport bekanntlich die Gesundheit fördere, habe er den zu einem der wesentlichen Bestandteile seines beruflichen und privaten Lebens gemacht, erklärt der Senior. Der sich längst nicht als solcher fühlt.

Beruf nicht nur ein Job, sondern Passion

Was ihn „jung“ gehalten hat? Da muss Valto Nuggis nicht lange überlegen. „Natürlich, dass ich immer Sport getrieben habe, und außerdem der Umgang mit den Kindern und Jugendlichen.“ Womit er unter anderem auf seinen Beruf als Förderschullehrer abhebt, der für ihn nicht bloßer Job, sondern Passion war. Sein Leitspruch war und ist: „Du musst Kinder ernst nehmen und ihnen auf Augenhöhe begegnen.“ Das meint Valto Nuggis nicht nur im übertragenen Sinne. „Wenn ich beim Tennistraining beispielsweise mit einem Fünfjährigen etwas bespreche, dann gehe ich in die Knie und er kann mir und ich kann ihm direkt in die Augen sehen. Das ist wichtig.“

Beruf des Großhandelskaufmann bringt ihm keine Erfüllung

Die pädagogische Ausrichtung mag bei dem 1950 geborenen Nuggis möglicherweise bereits in der Grundschule in Munster gelegt worden sein. „Damals saßen wir mit allen Jahrgängen in einem Raum. Und wenn die Jüngeren etwas nicht wussten, hat der Lehrer die Älteren gebeten, ihnen das zu erklären. Dass war eine sehr gute Gemeinschaft.“ Die weiteren Bildungsstationen führten bei Valto Nuggis über die Munsteraner Realschule in die Höhere Handelsschule nach Soltau. Anschließend lernte der junge Mann, der schulische Grundstein war ja gelegt, dem Wunsch seines Vaters entsprechend, den Beruf des Großhandelskaufmann. Aber auf Dauer sollte er darin nicht seine Erfüllung finden.

Celle ist soziale und sportliche Heimat

Auch nicht bei der Bundeswehr, zu der er nach der Ausbildung, aufgrund der damaligen Wehrpflicht, einrücken musste. Er hätte sich als Zeitsoldat länger verpflichten können, „aber ich fühlte mich nicht zum Soldaten berufen“, sagt Valdo Nuggis rückblickend. Und so begann er, nach seiner Entlassung vom Bund, ein Studium mit dem Hauptfach Sport an der Pädagogischen Hochschule Hannover. Von dort kam er 1975 an die Pestalozzi-Förderschule nach Celle. Und blieb bis heute in der Stadt, die ihm soziale und sportliche Heimat ist.

Nuggis ist Vater zweier Söhne

Der Fußballtrainer mit B-Lizenz und lizenzierte Tenniscoach Nuggis ist Vater zweier erwachsener Söhne. Der Ältere, Malte, ist Jurist, Sohn Leif arbeitet als Web-Designer.

Als Mittelstürmer von Uelzen nach Celle

Den Blick nochmals zurück in die frühen 1970er Jahre gewandt: Fußballer Valto, ein Mittelstürmer, wechselte damals von Teutonia Uelzen nach Celle, wo er für den TuS in der damals zweithöchsten deutschen Liga kickte. „Hannover 96, St. Pauli, der VfL Wolfsburg, der Heider SV, der VfB Lübeck, das waren damals unsere Gegner“, zählt der Sportenthusiast auf. Ob es der Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn als Aktiver war, das lässt Valto Nuggis offen. Denn anschließend kamen noch seine Stationen als erfolgreicher Spieler-Trainer. Es begann in Wietze, der Weg ging weiter nach Eschede. Dort führte Nuggis das Team dreimal hintereinander in die nächsthöhere Spielklasse. Ein Aufstiegskunststück, das dem Motivator dann, Anfang der 1980er Jahre, auch bei Eintracht Celle gelang. Warum er stets als Spielertrainer agierte? „Weil ich gern auf dem Feld stand, und so hatte ich die Möglichkeit, mich selber aufzustellen“, sagt Nuggis und lacht.

„VALTO ist Feste Säule des Vereins“

Was Motivation angeht, diese Fähigkeit ist ihm erhalten geblieben. Zwei seiner erwachsenen Tennisschüler beim TC Boye, Christian Sonnenberg (45) und sein Tennispartner Dennis (42), sagen über ihn: „Er verfügt über Humor und Ernsthaftigkeit, kann gut erklären, lobt viel und motiviert uns damit immer wieder aufs Neue.“ Diese Eigenschaften sind sicherlich ein Grund dafür, dass TC-Boye-Vorsitzender Stefan Caro und die Pressewartin Maja Beste „ihren Valto“ als „feste Säule unseres Vereins, der ein familiäres Klima pflegt“, kennzeichnen.

Tennisspieler hat Band gegründet

Sport und Musik, das sind, nach wie vor, die Leidenschaften des 72-Jährigen. Vor ein paar Jahren hat der Tennisspieler eine Band gegründet. Sie heißt bezeichnenderweise „The Netrollers“. Zu den „Netzrollern“ kann aber nur gehören, wer Mitglied im TC Boye ist. „Wir spielen Gecovertes, nicht auf höchstem Niveau, aber für Auftritte bei unterhaltsamen Veranstaltungen reicht das“, äußert sich Nuggis. Was der agile Pensionär, der von sich sagt, dass er überhaupt nicht eitel sei, sonst noch zu seinen Hobbys zählt, ist die Literatur. „Ich bin zwar kein ausgesprochener Bücherwurm, aber in meiner jetzt größer werdenden Freizeit lese ich sehr gern. Vor allem Milieuschilderungen und Bücher zum Thema Skandinavien.“

Momente und Situationen genießen

Außerdem liebt Nuggis die Fahrten auf seiner Vespa. Und wenn er auf vier Rädern unterwegs ist, dann schwört Valto seit Jahren auf einen „Smart“. Das Motto, das ihn lebenslang begleitetet (hat), fasst Valto Nuggis in dem Satz zusammen: „Genieße die Momente und die Situation, in der du bist.“

Lebenslauf

10. April 1950Geboren in Wunstorf, aufgewachsen in Munster1969Lehre als Großhandelskaufmann1970Wehrdienst1971 bis 1973Spieler beim Fußball-Regional-ligisten TuS Celle1972Studium an der Pädagogischen Hochschule Hannover1975Anstellung als Förderschullehrer an der Pestalozzischule in Celle1975, 1979Geburt der Söhne Malte und Leif1977/78(Spieler-)Trainer in Wietze1985Erwerb der Tennistrainer-Lizenz2016Gründer der TC-Boye-Tennisclub-Band „The Netrollers“2019Pensionierung aus dem Schuldienst
Von Andreas Stolz