Im Ruhestand nach Celle

Liebe zum Schreiben war immer da

Karl-Heinz Föste arbeitete als Jurist in Hamburg. Im Ruhestand kehrte er nach Celle zurück und widmet sich nun seiner Liebe zum Schreiben.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 04. Nov. 2022 | 11:05 Uhr
  • 05. Nov. 2022
Das Buchcover für den Celle-Krimi „Mord sei Dank“ wurde am Celler Allerwehr aufgenommen. Ein Ort, den Karl-Heinz Föste nach seiner Rückkehr aus Hamburg fest ins Herz geschlossen hat.
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 04. Nov. 2022 | 11:05 Uhr
  • 05. Nov. 2022
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Boye.

Als Karl-Heinz Föste 37 Jahre alt war, erinnerte sich seine Mutter eines Tages wie aus dem Nichts daran, dass ihr Sohn zu Grundschulzeiten mal ein Märchen verfasst hatte. Es hatte ihr damals schon gut gefallen, deswegen bat sie Föste, das alte Heft noch einmal hervorzukramen. Gesagt, getan. „Ich nahm mein altes Heft zur Hand, das Märchen war auf neun Seiten geschrieben. Es hieß ‚Die Prinzen und das Nordlicht‘“, erinnert sich der heute 64-Jährige. „Ich habe es dann mit meiner Schreibmaschine abgetippt und irgendwie bin ich dabei abgeschweift, so dass daraus am Ende ein 300 Seiten starker Wikinger-Roman mit dem Titel ‚Gegen die Götter‘ wurde.“

Karl-Heinz Föste als Kind.

Karl-Heinz Föste wuchs im Celler Ortsteil Boye auf. Nachdem er sein Abitur am Hölty-Gymnasium absolviert hatte, war er zwei Jahre lang bei der Bundesmarine. Dann wollte er eigentlich Biologie studieren. „Dafür war mein NC aber zu schlecht“, erzählt er. Als er dann noch etwas ratlos in einer Jura-Vorlesung reinschnupperte, machte es klick. „Der Professor hatte die Gabe, auch vermeintlich trockenen Stoff mitreißend zu verkaufen. Das hat mir gefallen, also entschied ich mich dazu, Jura zu studieren.“

„Wir haben lange überlegt, aber dann beschlossen, wieder nach Celle zurückzukehren.“

Er zog also mit seiner heutigen Frau gen Norden, nach Hamburg. Die Stadt wuchs den beiden Cellern sehr ans Herz, so blieben sie auch nach dem Studium dort. Erst als die beiden Kinder geboren wurden, verlagerten sie ihren Lebensmittelpunkt weiter an den Stadtrand. Die Jahre vergingen also, Föste arbeitete zunächst als Anwalt und dann viele Jahre lang als Schadenjurist einer Rechtsschutzversicherung. Sohn und Tochter wurden erwachsen. Mit Eintritt in den Ruhestand war es dann wieder einmal Zeit für einen Ortswechsel. „In Celle stand das Haus meiner Schwiegermutter inzwischen lange Jahre leer. Wir waren öfter dort, haben uns darum gekümmert. Doch zwei Wohnsitze wurden uns irgendwann zu viel“, sagt er. „Wir haben lange überlegt, aber dann beschlossen, wieder nach Celle zurückzukehren.“

Ausgleich zur "trockenen Juristerei"

In den all den Jahren seines Juristen-Daseins suchte Föste stets nach kreativer Abwechslung. Anwalt aus purer Leidenschaft war er nie, ein Ausgleich zur „trockenen Juristerei“ willkommen. „Als ich damals mein Märchen aus Kindertagen in einen Wikingeroman verwandelte, merkte ich, wieviel Freude mir das Schreiben und das Abschweifen in eine andere Welt macht“, erzählt er. Doch auf Begeisterung folgte zunächst Frust. „Ich habe den Roman dann an 14 Verlage geschickt, aber dabei kam nicht wirklich etwas raus. So habe ich mir dann irgendwann überlegt, mein Buch selbst zu veröffentlichen.“

Seine ersten Geschichten und Romane schrieb er noch an der Schreibmaschine. Sein erster richtiger Laptop war dann ein wahrer „Game-Changer“. Er hat ihn bis heute aufbewahrt.

Als Föste nicht einmal 50 Jahre alt war, veränderte ein Schicksalsschlag auf einmal sein Leben. Job und Schreiberei – mit einem Mal nur noch Nebensache. „Ich hatte einen Herzinfarkt. Zuvor habe ich sämtliche Risikofaktoren wie falsche Ernährung, Übergewicht und Dauerstress ignoriert“, berichtet er. „Das war ein gewaltiger Einschnitt, es folgten Fehldiagnosen, mehrere Stents, eine Bypass-Operation, Reha und der Kampf zurück in den Alltag. Es war eine harte Zeit für mich und so dachte ich irgendwann darüber nach, meine Erlebnisse und Gedanken aufzuschreiben. Ich schrieb ja gerne und vielleicht könnte ich anderen Betroffenen damit helfen.“

„Das war rückblickend für mich eine wertvolle Therapie. Ich habe mit dem Buch viel verarbeitet.“

Also setzte der Familienvater sich zeitnah an seinen Computer und tippte nieder, was er erlebt hatte. Ein Kardiologe sowie Psychologe unterstützten ihn bei der Arbeit. Es entstand ein Buch mit dem Titel „Wenn das Herz nicht mehr Schritt hält: Herzinfarkt: Der Sturz aus dem Leben und mein Weg zurück“, welches in diesem Fall sogar über einen Verlag veröffentlich wurde. „Das war rückblickend für mich eine wertvolle Therapie. Ich habe mit dem Buch viel verarbeitet“, sagt er.

Schreiben Ausgleich zum Juristen-Job

Je älter Föste wird, desto größer wird auch die Rolle, die das Schreiben für ihn spielt. Gedichte, Kurzgeschichten, ein Umweltkrimi – an irgendeinem literarischen Werk arbeitet er eigentlich immer. Schon bevor die Rückkehr nach Celle beschlossene Sache war, entschied er sich, einen Krimi zu verfassen, der in der „doch eigentlich recht beschaulichen Residenzstadt“ spielt.

Seine ersten Geschichten und Romane schrieb Karl-Heinz Föste noch an der Schreibmaschine. Sein erster richtiger Laptop war dann ein wahrer „Game-Changer“. Er hat ihn bis heute aufbewahrt.

Kurz nach Eintritt in den Ruhestand, mit Beginn der Corona-Pandemie, begann er also intensiv mit dem Schreiben. Die Idee für den Roman hatte er schon viele Jahre zuvor. „Ich hatte eine Kurzgeschichte geschrieben, die schließlich zum Gerüst meines Romans wurde“, erzählt er. „Mord sei Dank“ lautet der Titel des Endergebnisses, welches es seit einigen Tagen auch in Celle bei Sternkopf und Hübel sowie Thalia zu kaufen gibt.

„Ich bin wirklich auf Feedback gespannt, denn da ich nicht mit einem Verlag zusammenarbeite und auch sonst noch niemand vorab die Geschichte gelesen hat, weiß ich noch überhaupt nicht, wie sie ankommt.“

„Im Krimi geht es um einen narzisstischer Killer und die Suche nach dem Anstifter. Die Mordkommission Celle ermittelt in einem Tötungsdelikt. Der eigentliche Mörder gibt jedoch an, dass er lediglich im Auftrag einer anderen Person gehandelt habe. Eine Polizeipsychologin wird zu Rate gezogen, denn das Motiv bleibt unklar. Es gibt weitere Tote und schnell wird klar, dass der Mordauftrag noch lange nicht erledigt ist“, fasst der Autor den Inhalt seines Werks grob zusammen. „Ich bin wirklich auf Feedback gespannt, denn da ich nicht mit einem Verlag zusammenarbeite und auch sonst noch niemand vorab die Geschichte gelesen hat, weiß ich noch überhaupt nicht, wie sie ankommt.“

Celle-Krimi gibt es ab sofort zu kaufen

Eine kleine Nebenrolle spielt gewissermaßen im Übrigen auch die Cellesche Zeitung. „Als ich noch ein Junge war, hab‘ ich, um mir ein bisschen Geld zu verdienen, in Boye die CZ ausgetragen. Dabei hatte ich immer mit dem gleichen Reporter zu tun“, erinnert sich der 64-Jährige. „Der ist mir so präsent im Kopf geblieben, dass ich ihn als Journalist der Celler Zeitung in meinen Krimi adaptiert habe. Er geht den Ermittlern zunächst ein bisschen auf den Senkel, kann aber am Ende mit einem entscheidenden Tipp punkten“.

„Ich war gerne Anwalt und habe gerne Menschen geholfen. Aber mein Juristen-Leben ist vorbei. Auch am Gartenzaun.“

Wenn Föste gerade mal nicht in die Welt der Literatur abtaucht, ist er am liebsten draußen in der Natur. „Für mich als Atheist ist die Natur ein Ort, der so etwas wie religiöse Gefühle in mir weckt“, sagt er. Nur mit seinem einstigen Job als Jurist, will er inzwischen eigentlich nicht mehr allzu viel zu tun haben. „Ich war gerne Anwalt und habe gerne Menschen geholfen. Am Anfang meines Ruhestandes haben mich auch öfter noch Nachbarn oder Bekannte angesprochen, ob ich mir denn nicht mal ihr Problem ansehen könnte. Das war okay, inzwischen merke ich aber immer mehr, dass ich mit diesem Kapitel abschließen möchte. Mein Juristen-Leben ist vorbei. Auch am Gartenzaun.“

Lebenslauf

14. September 1958

Geburt in Celle

1979 

Abitur am Hölty-Gymnasium

1979 bis 1981

Arbeit als Funker bei Bundesmarine

1987

Jura-Abschluss in Hamburg

1989

Hochzeit

2014

Veröffentlichung des Buches "Wenn das Herz nicht mehr Schritt hält"

2020

Eintritt in den Ruhestand

Oktober 2022

Veröffentlichung von Celle-Krimi "Mord sei Dank"