Pony-Quadrille trainiert

Disziplin zwischen Kleeblatt und Mühle

Die Pony-Quadrille trainiert in Adelheidsforf: Taffe Mädels und geübte Ponys fiebern „heiligem Rasen“ entgegen.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 25. Juni 2022 | 15:00 Uhr
  • 25. Juni 2022
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  • 25. Juni 2022 | 15:00 Uhr
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Adelheidsdorf.

Der Boden vibriert. Ponys, wohin das Auge schweift. Vereinzelt. Paarweise. In Abteilungen. Man denkt an Bonanza, die Glorreichen Sieben, so kommen drei oder vier Reiter dicht nebeneinander auf einen zu. Im Gleichtakt, wie in der Kavallerie. Mit einem Unterschied: Es sind alles Mädels, die auf dem Springplatz der Hengstprüfungsanstalt (HPA) in Adelheidsdorf trainieren. Es ist Endspurt. Am Dienstag steht das große Ereignis, das CHIO in Aachen, an. Dafür traf man sich nun wöchentlich.

Adäquater Trainingsort

Wolfhard Witte, Hauptsattelmeister und Leiter der Hengstprüfungsanstalt (HPA), hatte ihnen die Tore zu einem adäquaten Trainingsort geöffnet. Er unterstütze gern die Jugend. „Es sind superschöne Schaubilder, die hier geritten werden.“ Auch Tochter Amrei Witte (21) ist mit ihrem Pony „Don’t forget me“ seit 2016 dabei. Was macht für sie die Pony-Quadrille aus? „Reiten ist oft so ein Einzelkämpfersport. Hier sind wir ein Team. Es kommt auf das Gesamtbild an.“

Jungs springen lieber

„Momentan gehören 24 Mädchen dazu“, sagt Trainerin Annette Prieß. Sie stammen aus dem Pferdesportverband Hannover. „Es gab auch mal zwei Jungs, aber da wurden die Beine zu lang. Leider. Und Jungs springen lieber.“ Einige Mädchen sind dabei, deren Mütter schon in der Quadrille ritten.

Präsentation von Pflichtlektionen

„Jetzt wenden wir ab, denkt daran“, ruft sie den Reiterinnen zu. An diesem Trainingstag machen nur 15 Mädchen mit. Es wird auch bei Ausfällen geritten. Idealerweise lässt sich die Anzahl der Teilnehmer durch vier teilen, was mit der Quadrille zusammenhängt. Einst militärischen Ursprungs, ist das Formationsreiten eine abgestimmte Präsentation von Pflichtlektionen in den drei Grundgangarten, harmonisch eingebettet in ein musikalisch und choreografisch stimmiges Gesamtbild. Auch zu festlichen Anlässen, Militärparaden oder als künstlerische Darbietung an Höfen spiegelt es reiterliches Können sowie Eleganz und Rittigkeit der Pferde. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es die Berliner „Große Schulquadrille“ oder das „Cadre Noir“ aus Saumur. Auch das Celler Landgestüt hat eine Quadrille mit 24 Hengsten.

Es geht ums Team

„Früher war es ein Zusammenschluss von Pony-Hengst-Haltern, um bei Vorführungen die Hengste zu präsentieren“, erklärt Melanie Thurau aus Langlingen, deren Tochter Lilli (17) nicht nur – wie die meisten Mädchen – im Turniersport sehr erfolgreich ist, sondern schon seit neun Jahren der Quadrille angehört. „Es macht Spaß, in der Gruppe zu reiten. Hier geht es ums Team. Man reitet nicht wie im Turnier gegeneinander, zumal wir untereinander befreundet sind.“ Erfahrungen im Schaureiten hat sie einige gemacht. „Ich war drei Mal bei der Celler Hengstparade, zwei Mal in Aachen und, ausgenommen in der Corona-Zeit, sechs Mal bei der ‚Pferd & Jagd‘.“

Ponys müssen zusammenpassen

Zwischen 11 und 30 Jahre alt sind die Mädchen und Damen aktuell, kommend „vom Harz bis zur Heide“; 5- bis 22-jährig ihre Pferde, alles Deutsche Reitponys mit einem Stockmaß bis maximal 1,48 Meter und einem Ausbildungsstand zwischen A und M. Das macht die Niedersächsische Reitpony-Quadrille aus. „Wichtig ist, dass sie vom Bewegungsablauf zusammenpassen“, erklärt Prieß. Auch sollten die Ponys sich mögen. Es geht um eine optimale Reihenfolge. Immer ein erfahrener Reiter begleitet einen neuen. „Die jungen Reiter werden unter die Fittiche genommen. Sie lernen beim Tun.“ Gleichzeitig wird so das Sozialverhalten geschult.

Anreise aus Nienburg

Anna-Olyvia Nitsch (11) ist seit Juli 2021 dabei und kommt mit ihrem Pony „Dear Diary“ jedes Mal aus Nienburg angereist. „Es ist toll, mit so vielen Pferden zusammen zu reiten.“ Diesmal war ihre Mama mit. Klar müsse man für Trainingstage und Auftritte mobil sein.

Nachwuchs möchte dazugehören

Der jüngste Nachwuchs schaut zu. Greta (7), Lillis kleine Schwester, reitet selbst bereits Turniere, auf Penny, die sie Antonia Lupprian (16) für den Auftritt ausgeliehen hat. Sie ist sogar schon kurz auf der Messe und bei den „Heide-Hengsten“ in der Quadrille mitgetrabt. Auf Bruno. Stockmaß 87 Zentimeter. Zur Quadrille dazugehören möchte sie schon gern.

Trainerin setzt auf Deutsche Reitponys

„Langsam spricht es sich rum“, freut sich Prieß. „Als Jugendliche habe ich in Hänigsen eine Quadrille geleitet mit gemischten Ponys samt Meisterschaften. Dann kam eine lange Pause. Vor etwa 15 Jahren trat der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Pony- und Kleinpferdezüchter Hannover, Joachim Völksen, an mich heran.“ Von den anfänglichen Hengsten ist keiner mehr da. Die Arbeit mit ihnen sei schwieriger, gerade für jüngere Reiter. Sie setzt auf das Deutsche Reitpony, „da es am ehesten zum Pferd hinführt, am rittigsten ist und Charakter hat.“ Inzwischen haben sich sogar Sponsoren gefunden wie der Pony- und der Pferdesportverband. Geld gibt es für Auftritte nicht, doch ist die einzige Niedersächsische Reitpony-Quadrille deutschlandweit bekannt. Auftritte bei der „Pferd & Jagd“, der Celler Hengstparade und dem Galaabend in Verden gehören für das Team dazu.

Schöne Abwechslung

Auch Tochter Anna Prieß (20) kam 2009 mit ihrem Pony „Beauty“ in die Quadrille, dann mit „Whoopi T“. „Für mich ist sie ganz besonders, weil es für mein Pony eine schöne Abwechslung zu unserem Training ist und ich eine tolle Freundin finden konnte, die schon viele Jahre mit mir zusammen in der Quadrille reitet.“

Abstände müssen möglichst gering sein

„Durch die Länge der Bahn zu viert. Bei X teilen.“ Was sich wie eine Matheaufgabe anhört, sind die Ansagen zur nächsten Bahnfigur. „Jetzt geht es erst einmal darum, die Abstände zu justieren, ein gemeinsames Tempo zu finden“, kommentiert Melanie Thurau das Vorgehen der Trainerin. Die Abstände müssen möglichst gering, aber gleichmäßig sein. Das A und O sind Teamgeist und Präzision. Reiter und Pferde müssen aufeinander abgestimmt werden. Jeder muss seine Position kennen und sein Pony gut an den Hilfen haben. „Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Ponys in allen drei Gangarten sicher am Zügel gehen“, sagt Prieß.

Herausgebrachtsein ist wichtig

Beim Üben tragen Pferde wie Reiter ihre Trainingsausrüstung. Bei den Auftritten erscheint man einheitlich. „Wir sind die mit den gelben T-Shirts“, verrät Lilli Thurau, die mit ihrem Pony „Gomez“ meist an der Spitze (Tête) reitet, gemeinsam mit Amrei Witte oder Anna Prieß. In Aachen wird ein Turnieroutfit gewünscht. Das Herausgebrachtsein von Ponys und Reitern ist wichtig.

Das Schwierigste am Schluss

Es folgt das Kleeblatt. „Aus der Ecke kehrt und einen großen Bogen, dann den gleichen Weg zurück“, lautet das Kommando. Am Schluss das Schwierigste: die Mühle. „Es kommt darauf an, dass die Flügel parallel sind“, so Lilli. Im Mittelzirkel müssen die Pferde auf Pfiff galoppieren. Mittlerweile ist die Mühle gut zu erkennen. Drei Gangarten gehen die Ponys im Flügel, entsprechend dem Radius ihrer Position. Die Trainerin ist zufrieden. Nach einer Stunde dürfen Mädels und Ponys verschnaufen.

"Aachen ist einfach Aachen"

Nun fiebern sie Aachen entgegen, „dem größten internationalen Turnier in Deutschland“, sagt Prieß. Zwar gebe es noch das Hamburger Derby und das Löwen Classics Braunschweig. Da würde man auch gern hin. Aber Aachen habe angefragt. Es ist „das Turnier“ mit einer Riesen-Arena und wird im Fernsehen übertragen. „Es ist einfach das, was man als Show-Act erreichen kann“, sagt Wolfhard Witte. „Jeder möchte einmal an der Säule vorbei. Aachen ist einfach Aachen.“

Auftritte nah und fern

Kommende Auftritte: 28. Juni, CHIO Aachen; 2. und 3. Juli, Hoffest Spargelhof Heuer in Fuhrberg sowie 26. bis 28. August, „Hengste und Handwerk“, HPA Adelheidsdorf.Interessenten mit Deutschem Reitpony dürfen sich bei Annette Priess melden online unter www.ponyhannover.de.
Von Aneka Schult