Der Urlaubseffekt: Warum Reisen gut für unser Sexleben sind
Sonne auf der Haut, ausschlafen und keine To-do-Listen: Im Urlaub fahren wir runter, sind entspannt und haben mehr Zeit für uns. Dabei meldet sich nicht selten auch etwas anderes zurück, das im Alltag oft zu kurz kommt: die Lust auf Sex.
„Dieses Phänomen gibt es tatsächlich“, bestätigt Sexualtherapeutin Julia Henchen. „Aus der Forschung wissen wir ziemlich gut, dass durch Stress entstehende hohe Cortisolwerte die sexuelle Lust hemmen“, erklärt sie. Vor allem der sogenannte Mental Load spiele dabei eine große Rolle. Im Alltag tragen meist Frauen einen Großteil der organisatorischen und emotionalen Verantwortung. Im Urlaub hingegen kann sich ein Gefühl von Entspannung und Sicherheit einstellen – zwei wichtige Voraussetzungen für sexuelle Lust.
Hinzu kommt der Reiz des Neuen. Eine fremde Stadt, andere Gerüche und ein Hotelzimmer, in dem die Bettwäsche täglich gewechselt wird: All das verändert die Wahrnehmung des Gegenübers. „Man erlebt den Partner plötzlich in einer anderen Umgebung und sieht, wie er auf neue Dinge reagiert“, sagt Henchen. Das könne anziehend wirken.
Richtige Reiseplanung kann zu mehr Intimität verhelfen
Auch die gemeinsame Zeit spielt eine Rolle. „Der alte Mythos, man müsse sich erst voneinander entfernen, damit die Lust zurückkehre, hält sich zwar hartnäckig, stimmt aber so nicht“, macht Henchen klar. „Für Lust braucht es Verbindung. Es braucht Sicherheit.“ Wenn Paare im Urlaub die Zeit haben, gemeinsam essen zu gehen, lange Gespräche zu führen oder einfach nebeneinander zu liegen, kann das die emotionale Nähe und Intimität stärken.
Deshalb, bekräftigt die Therapeutin, beginne eine lustvolle Reise schon bei der Planung. Wie soll unsere Unterkunft aussehen? Brauchen wir einen eigenen Bereich, wenn die Kinder mitkommen? Wie viele Sehenswürdigkeiten wollen wir besuchen? Denn Urlaub hin oder her: Ein durchgetakteter Städtetrip mit 20.000 Schritten am Tag kann der Lust durchaus im Weg stehen.
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Wichtig sei zudem, seine Erwartungen auch auszusprechen. In ihrer Beratung erlebe sie häufig Paare, bei denen der eine Partner im Urlaub auf Sex hoffe, während der andere davon gar nichts wisse. „Offene Kommunikation ist super wichtig“, sagt Henchen. „Welche Wünsche gibt es? Kann sich die andere Person Sex im Urlaub vorstellen – und unter welchen Voraussetzungen?“
Die Beziehung auch im Alltag priorisieren
Der Tapetenwechsel allein löst laut der Therapeutin selten die langjährigen Probleme im Schlafzimmer. Was sich allerdings aus dem Urlaubsgefühl in den Alltag retten lässt, ist eine andere Haltung: mehr Leichtigkeit und weniger Druck. „Wenn wir als Paar sagen können: Es geht nicht darum, einmal pro Woche Sex haben zu müssen, sondern darum, dass wir uns verbunden fühlen“, erklärt Henchen, „dann entsteht automatisch mehr Raum für Lust.“
Auch kleine Auszeiten im Alltag können helfen, dieses Gefühl zu bewahren. Ein Wellness-Wochenende, ein spontaner Tagesausflug oder feste Date-Abende schaffen Raum für Nähe und können die Verbindung stärken.
Wichtig sei, dass Paare ihre Beziehung bewusst priorisieren: „Wenn ich möchte, dass eine Beziehung lebt, muss ich sie auch mit Leben füllen“, sagt Henchen. Dabei gehe es nicht darum, ein Sex-Date in den Kalender einzutragen. Sondern gemeinsame Zeit zu schaffen, in der wieder echte Nähe entstehen kann.
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