Auszeichnung in Oslo verkündet

Friedens­nobelpreis für Anti-Atom­waffen-Organisation Nihon Hidankyo: Lob aus aller Welt

Toshiyuki Mimaki ist der Vorsitzende der Anti-Atomwaffen-Organisation Nihon Hidankyo. Sie erhielt den Friedens­nobelpreis 2024.

Berlin. Die japanische Friedens­organisation Nihon Hidankyo wird in diesem Jahr mit dem Friedens­nobelpreis ausgezeichnet. Die Organisation wird damit für ihren Einsatz für eine Welt frei von Atom­waffen geehrt und auch dafür, dass sie durch Zeitzeugen­aussagen demonstriert hat, dass solche Waffen nie wieder eingesetzt werden sollten. Das gab das norwegische Nobel­komitee in Oslo bekannt. Man habe die Organisation noch nicht erreichen können, um ihr von ihrer Auszeichnung zu berichten, sagte der neue Vorsitzende des Komitees, Jørgen Watne Frydnes, bei der Preis­bekanntgabe.

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Die Würdigung in Oslo enthielt durchaus Mahnungen, die an die Jahrzehnte des Kalten Krieges erinnerten: „Die heutigen Atom­waffen können Millionen töten und hätten katastrophale Auswirkungen auf das Klima“, sagte Frydnes etwa. „Ein Atom­krieg könnte unsere Zivilisation zerstören.“

Friedens­nobelpreis 2024 geht an japanische Anti-Atomwaffen-Organisation
Das norwegische Nobel­komitee entscheidet sich für Nihon Hidankyo aus Japan.

Doch die Auszeichnung sollte keine reine historische Würdigung zum bevorstehenden 80. Jahrestag des Atombomben­abwurfs auf Hiroshima und Nagasaki sein. Vielmehr habe man bei der Auswahl des diesjährigen Friedens­nobelpreis­trägers auch die aktuellen, besorgnis­erregenden Entwicklungen im Blick gehabt: „Die Atom­mächte modernisieren und verbessern ihre Arsenale“, so Frydnes, „neue Länder scheinen sich auf den Erwerb von Atom­waffen vorzubereiten und es wird damit gedroht, Atom­waffen in laufenden Kriegen einzusetzen.“

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So verband sich die Ehrung der Lebens­leistung der Geehrten mit einer aktuellen Mahnung: Mit ihrem jahrzehnte­langen Einsatz für eine atomwaffen­freie Welt habe die japanische Friedens­organisation Nihon Hidankyo vor allem durch Zeitzeugen­aussagen demonstriert, dass diese Waffen nie wieder eingesetzt werden sollten, hieß es in der Begründung des Nobel­komitees.

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Gegründet wurde Nihon Hidankyo von Überlebenden der Atom­bomben­abwürfe von Hiroshima und Nagasaki. Sie setzten sich trotz körperlicher Leiden und schmerzlicher Erinnerungen dafür ein, Hoffnung und den Einsatz für Frieden zu fördern.

Die Entscheidung löste positive Reaktionen in aller Welt aus: „Die Augenzeugen­berichte belegen die katastrophalen humanitären Folgen eines Atomwaffen­einsatzes. Sie sind für alle, die sich für die Abschaffung dieser Waffen einsetzen, Grundlage und Motivation für die eigene Arbeit“, sagte Juliane Hauschulz, Vorstands­mitglied der deutschen Abteilung von ICAN, dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). ICAN – die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung – hatte 2017 selbst den Friedens­nobelpreis erhalten. Der Preis sende ein Signal „an all jene Staaten, die in der Lage sind, Atomwaffen einzusetzen“, so Hauschulz.

Bundes­kanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte, die „unermüdliche Erinnerungs­arbeit der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki mahnt uns, dass wir alles daransetzen müssen, die Bedingungen für eine Welt ohne Nuklear­waffen zu schaffen“.

Außen­ministerin Annalena Baerbock (Grüne) sprach von einem Zeichen auch in Richtung Russland: „Gerade in Zeiten, wo aggressive Mächte wieder mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen, ist es umso wichtiger, dass die Welt insgesamt deutlich macht: Frieden bedeutet, dass solche Waffen niemals zum Einsatz kommen.“

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UN-General­sekretär: „Rückgrat der Abrüstungs­bewegung“

UN-General­sekretär António Guterres lobte die Hibakusha, wie die Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki in Japan heißen, als selbstlose Zeugen der schrecklichen menschlichen Kosten des Einsatzes von Atomwaffen. Die unermüdliche Arbeit und das Durchhalte­vermögen der Überlebenden der US-Bomben­abwürfe von 1945 seien das Rückgrat der globalen nuklearen Abrüstungs­bewegung.

Für den Friedenspreis nominiert waren insgesamt 286 Kandidaten, unter ihnen 197 einzelne Persönlichkeiten sowie 89 Organisationen. Angesichts des Nahost­konflikts, des Ukraine-Kriegs und Dutzender weiterer Konflikte in der Welt hatte sich in diesem Jahr vorab kein klarer Favorit heraus­kristallisiert. Es war sogar befürchtet worden, dass das Komitee mit Blick auf die momentan angespannte Weltlage auch auf die Vergabe des diesjährigen Preises verzichten könnte. Das gab es in der Geschichte des Friedens­nobelpreises bereits 19-mal, zuletzt allerdings vor mehr als 50 Jahren.

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Im vergangenen Jahr war die Auszeichnung an die Frauenrechts­aktivistin Mohammadi gegangen, die in ihrer iranischen Heimat seit Längerem im Gefängnis sitzt. Sie wurde damit „für ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und ihren Kampf für die Förderung der Menschen­rechte und der Freiheit für alle“ geehrt.

30 Jahre nach Nobelpreis für führende Palästinenser und Israelis

Seit der ersten Preisvergabe 1901 sind bislang 111 Einzel­personen und 27 unterschiedliche Organisationen mit dem Friedens­nobelpreis geehrt worden, das UN-Flüchtlings­hilfswerk UNHCR dabei gleich zweimal und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sogar dreimal.

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Im Regelfall bekommt den Friedenspreis eine Persönlichkeit oder eine Organisation allein zugesprochen – manchmal teilen ihn sich aber auch zwei Preisträger. Erst dreimal wurde die Auszeichnung unter drei Auserwählten aufgeteilt, unter anderem bei der Ehrung des damaligen Palästinenser­führers Jassir Arafat sowie der damaligen israelischen Spitzen­politiker Schimon Peres und Izchak Rabin vor 30 Jahren für ihre Bemühungen um eine Lösung des – derzeit wieder eskalierten – Nahost­konflikts.

In dieser Woche sind bereits die diesjährigen Nobelpreis­träger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur verkündet worden. Überreicht werden sie traditionell in Stockholm am 10. Dezember, dem Todestag des Dynamit­erfinders und Preisstifters Alfred Nobel (1833–1896). Dotiert sind sie mit einem Preisgeld von knapp 970.000 Euro pro Kategorie.

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