Eine Nation hält inne

Wie Norwegen am Mittwoch seinen beliebten König Harald zu Grabe trägt

Eine Nation trauert um ihren „Großvater“: Vor dem Schloss in der Hauptstadt wächst seit dem Tod Haralds ein Meer aus Blumen, Bildern und Briefen.

Dumpf wird an diesem Mittwoch um 12 Uhr der Klang von Kanonen durch Oslo hallen. 21 Schüsse werden gezündet, unterbrochen jeweils von einer 30-sekündigen Pause. Sie markieren, dass sich zu diesem Zeitpunkt am Schloss einer der größten Trauerzüge in Bewegung setzt, den die norwegische Hauptstadt jemals erlebt hat: Zehntausende Menschen werden am Straßenrand stehen und dabei zuschauen, wie der Sarg von König Harald V. in einer großen Prozession zur Domkirche gebracht wird.

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Hier soll eine Stunde später die Trauerfeier für den im Volk schwer beliebten Monarchen beginnen, der Ende August nach dreieinhalb Jahrzehnten auf dem Thron im Alter von 89 Jahren gestorben war. Royals und hochrangige Regierungsvertreter aus aller Welt finden sich dazu in dem Gotteshaus ein, und entsprechend gut abgesichert ist das Staatsbegräbnis: Rund 2000 Soldaten werden entlang der Route, die der Trauerzug nimmt, Spalier stehen. 3000 Polizistinnen und Polizisten werden das Großereignis schützen – aus dem ganzen Königreich wurden Beamte zur Unterstützung in die Hauptstadt beordert. Und auch Polizeikräfte aus Dänemark und Schweden sind dabei.

Regenschirme und Fahrräder sind in der City verboten

In der Stadt, in der alljährlich der Friedensnobelpreis verliehen wird, ist man hohe Sicherheitsstands gewohnt. Doch die Absicherung der Beerdigung von Harald stellt die Sicherheitsbehörden noch einmal vor ganz andere Herausforderungen, wie Norwegens oberster Polizeichef, Håkon Skulstad, vorab sagte: „Aber wird sind darauf gut vorbereitet.“ Gleichwohl will er Details zu den genauen Sicherheitsvorkehrungen nicht nennen.

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Wir empfehlen allen, die den Trauerzug durch die Stadt sehen wollen, sich früh auf den Weg zu machen

Håkon Skulstad,

Norwegens Polizeichef

Bekannt ist, dass Norwegen schon vor einigen Tagen vorübergehende Grenzkontrollen eingeführt hat, und auch die sichtbaren Maßnahmen in der Stadt an diesem Mittwoch werden massiv sein: Weite Teile der Innenstadt sind zwischen 6 und 21 Uhr für den Autoverkehr gesperrt, das Fahren mit dem Fahrrad oder E-Roller ist verboten. Straßenbahnlinien werden umgeleitet. Wer in diesen Bereich hinein will, muss sich auf längere Taschenkontrollen einstellen. Regenschirme mitzubringen, ist beispielsweise verboten.

Mehr als 200.000 Menschen standen am Dienstag vergangener Woche am Straßenrand, als König Haakon zum Ablegen seines Eids auf die Verfassung ins Parlament fuhr.

Die Stadtverwaltung rechnet mit Zehntausenden Zuschauern. Als König Haakon VIII. (53), Norwegens neues Staatsoberhaupt, am Dienstag vergangener Woche im Parlament einen Eid auf die Verfassung ablegte, säumten bereits mehr als 200.000 Menschen den Weg seines Cabrios über die große Prachtstraße Karl Johan. Über die führt nun auch das letzte Geleit für seinen gestorbenen Vater, und es dürften noch einmal mehr Schaulustige werden.

Eine ganze Nation steht eine Minute lang still

„Wir empfehlen allen, die den Trauerzug durch die Stadt sehen wollen, sich früh auf den Weg zu machen“, sagt Skulstad. Die Bürgersteige dürften so voll sein, dass man nur langsam von A nach B kommt. An mehreren Orten in der Stadt wurden zudem Großbildschirme aufgebaut, auf denen man die Fernsehbilder der Trauerfeierlichkeiten live mitverfolgen kann. Arbeitsfrei ist der Tag offiziell nicht, aber viele Betriebe im ganzen Land gewähren es ihren Mitarbeitern, die Übertragung aus Oslo zu verfolgen.

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So dürfte die ganze Nation um Punkt 13 Uhr dann auch für eine Minute stillstehen: Landesweit werden alle Busse und Bahnen anhalten, das Fahrpersonal wird die Fahrgäste über die Lautsprecher dazu auffordern, in Gedenken an den gestorbenen König kurz innezuhalten. Züge, die sich laut Fahrplan um 13 Uhr in einem Tunnel befinden werden, sollen laut Bahngesellschaft Vy in ihrer vorigen Station warten.

Das Land trauert: Vom Schlossbalkon hängt die rote Königsflagge auf halbmast.

Die Schweigeminute steht am Beginn der Trauerfeier in der Domkirche, die der Liturgie der lutherischen Kirche folgen soll, deren weltliches Oberhaupt Harald bis zur Abschaffung des Staatskirchentums im Jahr 2012 war. Nach Ende des Gottesdienstes wird der Sarg in einer zweiten Prozession in die Schlosskirche der Festung Akershus gebracht, wo es dann noch eine weitere Zeremonie geben soll.

Danach wird Harald dann am Spätnachmittag in der königlichen Grablege bestattet. Sobald dieser Schritt erfolgt ist, werden noch einmal Kanonenschläge durch die Stadt hallen. Landesweit sollen die Kirchenglocken eine Stunde lang ununterbrochen läuten – für Norwegens neuen König Haakon, der sich am frühen Abend dann auf dem Schlossbalkon der Menge zeigen wird.

Mette-Marit und Sonja nehmen am Trauerzug im Auto teil

Von besonderem Interesse dürfte für viele sein, ob sich dann neben ihm seine gesundheitlich schwer angeschlagene Frau, Königin Mette-Marit (53), zeigt – oder ob ihre Kräfte das nicht zulassen. Am Trauerzug am Mittag sowie an der Trauerfeier soll sie nach Angaben des Schlosses jedenfalls zusammen mit ihrer Schwiegermutter, Königin Sonja (89), teilnehmen. Die beiden werden die Strecke zur Kirche jedoch nicht zu Fuß bewältigen, wie das unter anderem der König und die Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22) tun werden. Die beiden Königinnen werden sich dem Trauerzug vielmehr im Auto anschließen, hieß es.

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Für Schlagzeilen dürfte zudem sorgen, wo sich Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby (29) einreihen darf und welchen Sitzplatz der „Bonusprinz“ in der Kirche bekommt. Im Juni war er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden und steht derzeit mit einer Fußfessel unter Hausarrest auf Gut Skaugum. Schon an einer Prozession mit dem Sarg Haralds innerhalb des Schlosses hatte Høiby in der vergangenen Woche teilnehmen dürfen, und die Behörden erlaubten ihm auch, persönlich bei den weiteren Trauerfeierlichkeiten für seinen Stief-Opa dabei zu sein.

Erregte international Aufmerksamkeit: Marius Borg Høiby (hinten rechts) durfte bei einer Zeremonie im Schloss direkt am Sarg des gestorbenen Königs gehen.

Erhaschen wollen viele Menschen an diesem Mittwoch zudem einen Blick auf die Royals, die aus anderen Ländern anreisen: Aus London hat sich der britische Thronfolger Prinz William angekündigt, gegebenenfalls soll auch Prinzessin Anne mitkommen. Schweden wird nicht nur durch das Königspaar Carl XVI. Gustaf und Silvia vertreten sein – es kommt auch Kronprinzessin Victoria mit Mann und ihren beiden Geschwistern Carl Philip und Madeleine. Auch die Königspaare aus Dänemark, Spanien, den Niederlanden und Belgien kommen zum Begräbnis. Japan schickt sein Kronprinzenpaar, aus Jordanien reist König Abdullah II. an.

Zeit der Staatstrauer endet mit der Beisetzung

Mit der Beisetzung Haralds endet offiziell die Staatstrauer. Am besten erkennbar ist das an der roten Königsflagge, die mit einem Trauerflor versehen seit dem 28. August vom Schlossbalkon hängt. Nachdem der Sarg im Mausoleum das Ziel seiner letzten Reise erreicht hat, wird sie durch die rot-weiß-blaue Nationalflagge Norwegens ersetzt – und dann gemeinsam mit allen anderen Flaggen, die in ganz Norwegen derzeit noch auf halbmast wehen, wieder gänzlich gehisst.

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Haakon und die anderen Royals werden jedoch noch einen weiteren Monat lang kaum öffentliche Auftritte wahrnehmen: Alle offiziellen Termine „mit Ausnahme von verfassungsrechtlichen Aufgaben wie dem Staatsrat, der feierlichen Eröffnung des Parlaments und ausgewählten Audienzen“ wurden laut Königshaus abgesagt. Mitglieder der königlichen Familie sowie Mitarbeiter des Hofes müssen bis zum 9. Oktober weiterhin dunkle Kleidung oder Uniformen mit Trauerflor tragen.