Süße Namen

In aller Munde

Ein Besuch beim Bäcker kann zur kulturellen Reise werden, wenn die Gebäckstücke tolle Namen tragen. Eine Glosse von Maren Schulze.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 24. Sept. 2022 | 08:05 Uhr
  • 24. Sept. 2022
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  • 24. Sept. 2022 | 08:05 Uhr
  • 24. Sept. 2022
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Celle.

Als ich neulich beim Bäcker stand, da las ich die Schilder mit den Namen der Gebäckstücke und den Preisen und musste schmunzeln, denn in einer Vitrine war eine kuriose Truppe vertreten: Süß sind sie alle, aber während die Eisenbahnschienen mit ihren Streifen aus Marmelade gerade dank der Bahnstreckendiskussion eine gewisse Aktualität haben, lässt das Eisbein zunächst an ein fettes Stück Fleisch mit Sauerkraut und Erbspüree denken, ist aber doch auch eine süße Nascherei. Wie ein Riesen-Doppelkeks mit drei leuchtend-rot mit Gelee gefüllten Löchern blickte mich das das „Drei Auge“ an. Da musste ich schon an die Adventszeit denken, denn da backe ich gerne Engelsaugen. Und da sind wir auch schon bei himmlischen Genüssen, die in südlicheren Gefilden oft noch durchaus pikantere Namen tragen. Da sind die „Kapuziner“ ja noch norddeutsch-traditionell. Ähnlich wie die „Armen Ritter“. „Nonnenfürzle“, die gibt es hier nicht beispielsweise. Das Fettgebäck soll eine Nonne der Legende nach in nicht optimal temperiertes Fett gegeben haben, woraufhin verdächtige Geräusche entstanden sein sollen. Deftig wird es bei den „Herrgottsbescheißerle“, denn diese Maultaschen wurden trickreich während der Fastenzeit mit Fleisch gefüllt. Aus den Augen, aus dem Sinn? Ob das beim Allmächtigen fruchtet? Wer weiß. Ich freue mich jedenfalls immer über nicht ganz gewöhnliche Namen und Begriffe. Mögen Sie noch lange in aller Munde bleiben.

Von Von Maren Schulze