Kurioser Polizei-Einsatz

Schwiegermutter schlägt über Stränge

Ein nächtlicher Polizei-Einsatz in den Hamburger Walddörfern sorgt für Unterhaltung in Nachbarschaftsgruppen. Eine Glosse von Dagny Siebke.
  • Von Dagny Siebke
  • 02. Juli 2022 | 08:00 Uhr
  • 02. Juli 2022
  • Von Dagny Siebke
  • 02. Juli 2022 | 08:00 Uhr
  • 02. Juli 2022
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Celle.

Meine Schwiegermutter trinkt keinen Tropfen Alkohol, hört keine laute Musik und hat noch nicht mal ein Auto, mit dem sie zu schnell durch den Ort brettern könnte. Dennoch muss sie neulich mit ihrem auffälligen Verhalten in den Hamburger Walddörfern über die Stränge geschlagen haben. Spät am Abend standen bei ihr plötzlich drei Polizeibeamte vor der Tür und stellten sie zur Rede. Die Nachbarn seien in großer Sorge, weil sie eine Gestalt mit Taschenlampe bewaffnet im Garten gesehen hätten.

Hangry nach Gartenarbeit

Wer das wohl gewesen sein könnte? Na meine Schwiegermutter höchstpersönlich. Schließlich war sie mal wieder auf Jagd und rückte den nachtaktiven Kapuzinerschnecken und Rüsselkäfern zu Leibe, bevor sie sich wieder über Gemüse und Funkien hermachen konnten.

"Finden Sie das nicht ein bisschen seltsam?", fragte ein Polizeibeamter und traf damit einen Nerv. Denn meine Schwiegermutter war nach ihrer stundenlangen Gartenarbeit "hangry". Das ist die sympathische Wortschöpfung aus dem englischen Wort "hungry", das für hungrig steht und "angry", für verärgert. So begann die Steuerbeamtin mit der Polizei darüber zu diskutieren, um was für eine Verschwendung von Steuermitteln es sich bei diesem Einsatz handele. Die Nachbarn hätten einfach über den Zaun rufen können "Was machen Sie da?" Sie sei doch regelmäßig mit der Taschenlampe auf Schneckenjagd. Das müsste in all den Jahren doch aufgefallen sein. Bei den verwöhnten Nachbarskindern ist sie schon als "Kräuterhexe" bekannt. Vielleicht sollte sie die Familien einfach mal auf eine nächtliche Jagd mitnehmen.