Irgendwas ist immer

Und schuld sind immer die anderen

Verbaselte Schulbücher, verlorene Jacken, versäumte Anmeldetermine, Unachtsamkeiten am Steuer des Autos - wenn den lieben Familienangehörigen Missgeschicke des Alltags passieren, sind immer die anderen schuld. Eine Glosse von Heiko Hartung.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 10. Dez. 2022 | 08:00 Uhr
  • 10. Dez. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 10. Dez. 2022 | 08:00 Uhr
  • 10. Dez. 2022
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Celle.

Irgendwas ist immer. Und Schuld sind immer die anderen.

Deutschbuch in Schule verbaselt

Zum Beispiel daran, dass unser Jüngster seit der Einschulung im Sommer nach zwei Paar Handschuhen, drei Radiergummis und der Brotdose nun auch sein Deutschbuch in den Untiefen seiner Grundschule verbaselt hat (Schuld sind natürlich die fiesen Mitschüler, die einen immer so ablenken, dass man vergisst, die Sachen wieder in den Ranzen zu packen – und nicht etwa die eigene Verträumtheit).

Jacke im Schulbus vergessen

Oder daran, dass das Mittelkind zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Jacke im Schulbus liegengelassen hat (Schuld ist natürlich der doofe Fahrer, der den Bus so dolle aufheizt und die Kinder an der Haltestelle hektisch zum Aussteigen nötigt – und nicht etwa die eigene Trotteligkeit).

E-Mail nicht rechtzeitig abgeschickt

Oder daran, dass die Älteste die Bewerbung für ihr Auslandsjahr zwar geschrieben, aber nicht fristgerecht losgeschickt hat (Schuld ist natürlich das blöde E-Mail-Programm – und nicht etwa man selbst, weil man als Digital Native im Teenageralter zwar sieben Instagram-Storys in drei Minuten posten kann, aber zu verstrahlt ist, um den Senden-Button zu klicken).

Unfall mit Neuwagen gebaut

Oder daran, dass meine liebe Frau es schafft, mit dem vier Monate alten Neuwagen – wie zuvor auch schon mit sämtlichen anderen Autos, die wir je besaßen – einen Unfall zu fabrizieren (Schuld ist natürlich der Bullifahrer vor einem – und nicht etwa man selbst, weil man grundsätzlich zwar losfahren darf, wenn die Ampel auf Grün springt, aber doch warten sollte, bis auch der Vordermann angefahren ist).

Wer bügelt die Missgeschicke aus?

Und wer hat kostbare Stunden seines Lebens damit verbracht, im Bus-Fundbüro, in der Grundschule, bei der Austausch-Organisation, der Autoversicherung sowie der Werkstatt anzurufen? Richtig geraten: Ich!

Gute und schlechte Nachricht

Die gute Nachricht: Jacke und Deutschbuch sind wieder aufgetaucht, das Auslandsjahr kann doch noch starten und der kleine Flitzer fährt wieder.
Die schlechte Nachricht: Als ich gestern Abend ohne Sportschuhe in die Tennishalle gefahren bin, musste ich die Sache selbst ausbaden – und in Socken spielen. Als ich zu Hause von dem Malheur erzählte (das natürlich nur der Hektik des Alltags geschuldet war – und nicht etwa meiner eigenen Schusseligkeit), blickte man mich kopfschüttelnd an. Die Älteste ergriff das Wort: „Klar, Papa: Irgendwas ist immer. Aber da hast du echt selbst Schuld.“

Von Heiko Hartung