Hochseilgarten

In luftiger Höhe auf wackeligen Seilen

Der Besuch eines Hochseilgartens ist eine sportliche und spannende Angelegenheit - besonders, wenn man Höhenangst hat. Eine Glosse von Oliver Gatz

  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Aug. 2022 | 08:00 Uhr
  • 30. Aug. 2022
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  • 30. Aug. 2022 | 08:00 Uhr
  • 30. Aug. 2022
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Celle.

Bekanntermaßen werden Phobien dadurch bekämpft, dass man sich ihnen stellt. In meinem Fall ist es die Akrophobie – besser bekannt unter dem Namen Höhenangst. Eine besondere Herausforderung war deshalb der Besuch eines Hochseilgartens gemeinsam mit meinem Sohn. Ihm hatte ich versprochen, dass ich nicht kneife und mich in den Parcours wage.

 

In drei Metern Höhe von Station zu Station

Nach der Einweisung durch das Aufsichtspersonal ging‘s los. Gesichert an Gurten, hangelte ich mich in drei Metern Höhe von Station zu Station. Ich balancierte auf Stahlseilen und fühlte mich auf der wackeligen Hängebrücke in luftiger Höhe wie ein unbeholfener Indiana Jones. Erleichtert erreichten wir beide das Ziel. Doch das war nur der Anfang.

 

Klettern im Hochseilgarten auf sechs Metern Höhe

Es kam Phase zwei. Die Stationen befanden sich nun auf sechs Metern Höhe. Mir stand der Angstschweiß auf der Stirn, als ich die schmale Ausgangsplattform erreichte. Ich fühlte mich wie ein ängstlicher Artist im Zirkuszelt. Der Anfang ging noch einigermaßen, doch die Anforderungen an Kraft, Gleichgewicht und Balancierfähigkeit wurden immer größer. Ich vermied den Blick in die Tiefe, konzentrierte mich auf die Aufgaben. Nach kraft- und zeitraubendem Kampf mit wackeligen Balken war ich fix und fertig. Ich wollte aufgeben, suchte nach einem Mitarbeiter, der mich da herunterholen sollte. Doch niemand war in der Nähe – zu blöd.

 

Kapitulation im Netz

In weiter Entfernung sah ich meine Frau und meinen Sohn lachend einen Snack verputzen. Denen ging es sichtlich gut – mir nicht. Denn was folgte, war der absolute Horror: Es galt, über zwei hängende, schmale Wippen ohne Hilfsmittel zu balancieren. Mit Ach und Krach bekam ich das überraschenderweise hin. Bei der letzten Aufgabe – dem Entlanghangeln an einem Netz – verließen mich hingegen meine Kräfte. Ich kapitulierte, ließ mich in den Gurt fallen und rutschte am Stahlseil langsam zur nächsten Station. Dann noch die Seilbahn hinunter – geschafft!

 

Weiche Knie auf der Leiter

Die Quälerei dauerte gefühlt anderthalb Stunden. Gleichwohl möchte ich die Erfahrung im Hochseilgarten nicht missen. Ob die Höhenangst jetzt verflogen ist? Keineswegs. Im Anschluss musste ich zwecks Hausreparatur erneut auf die Leiter – und bekam gleich wieder weiche Knie. Geholfen hat‘s also nichts. Doch es war ein irres Erlebnis!

Von Oliver Gatz