Frauenbilder

Spinn ich?!

Was haben die Reparatur der Wäschespinne und das Frauenbild gemeinsam? Maren Schulze entdeckt in ihrer Glosse, was im Leben wichtig ist.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 04. Nov. 2022 | 08:05 Uhr
  • 04. Nov. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 04. Nov. 2022 | 08:05 Uhr
  • 04. Nov. 2022
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Celle.

Ich gebe es zu: Ich mag keine Spinnen. Jedenfalls nicht unterm Bett oder in der Zimmerecke oder welche, die im Affenzahn auf ihren acht Beinen durchs Wohnzimmer schnüren, weil sie soeben dem Korb mit dem Brennholz entstiegen sind. Mit der Spinne, die an der Außenkellertür hinterm Türrahmen lebt, habe ich mich mittlerweile arrangiert, auch, wenn sie dauernd wieder versucht, die Tür zuzuweben.

Dass sich mein Unwille auch auf eine mechanische Errungenschaft namens Wäschespinne ausweiten würde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Die Gründe aber sind andere als bei den Krabbelkameraden. Unlängst wollte ich früh morgens mit der dafür vorgesehenen Schnur die Wäschespinne aufspannen. Schließlich will ich möglichst selten den Trockner anwerfen – Strom sparen und so. Doch bei dem Manöver neulich wäre ich fast auf dem Allerwertesten gelandet, weil die Schnur abgerissen ist, an der ich gerade noch mit Macht gezogen hatte. Was nun? Mehr schlecht als recht habe ich das Teil auch ohne Schnur ausgeklappt bekommen, eine Dauerlösung schien das aber nicht.

Neue Spinne kaufen? Ziemlich ärgerlich, dachte ich und fahndete daher online nach einer Anleitung, wie diese Schnur auszuwechseln ist. Gefunden habe ich die im Detail übrigens nicht, nur ein paar dürre Sätze zu dem Thema, was bei mir den Verdacht nährte, die Hersteller wünschen eben doch baldige Aufgabe und den Kauf eines neuen Modells.

Youtube-Videos gibt es ja zu beinahe allen Lebenslagen, aber auch hier wurde ich nicht fündig. Dafür aber blieb ich hängen bei einem Video, das eine Wäschespinne eines namhaften Herstellers bewirbt. Und das ging so: Eine Frau steht mit einer Wäschewanne auf der Terrasse, entnimmt dieser eine weiße Bluse und sagt in unbarmherzigem Tonfall: „Jeder weiß, Querstreifen machen dick!“ Ich fragte mich gerade noch, was diese angeblich allen Menschen bekannte Weisheit mit der ollen Wäschespinne zu tun haben soll, da setzte sie auch schon nach: „Vor allem bei Kleidungsstücken, auf die sie nicht gehören.“ Aha. Mir dämmerte: Wenn die Spinne die Leinen einzieht, werden die nicht schmutzig und die weiße Bluse bleibt frei von dickmachenden Querstreifen. Mit so Sachen wie „sich in seinem Körper wohlfühlen“ und so will ich jetzt gar nicht erst anfangen. Gebannt verfolgte ich nun, wie sie zur Wäschespinne schritt und alle Details anpries – vom Bügelhalter bis zum Sockenklemmbrett –, um dann zufrieden festzustellen: „So bleibt mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben.“ Nun bin ich wirklich nicht empfindlich, aber das dann folgende Schlussbild war in seiner Dämlichkeit einfach nicht zu überbieten. Denn endlich, weiß ich, was das ist, „wichtig im Leben“. Und was Frauen immer so machen den ganzen Tag, wenn sie nicht gerade die supertolle Wäschespinne bestücken. Na? Sie wissen das ja vermutlich längst. Nein? Echt nicht? Die sitzen dann nämlich auf der Terrasse, trinken Sekt und lesen eine Illustrierte. Ich glaub', ich hab' echt eine Spinnenphobie ...

Von Von Maren Schulze