Erneuerbare Energien

Unzeitgemäß

Der Bau einer Solaranlage in Celle scheitert an einem 50 Jahre alten Bebauungsplan. Das passt nicht mehr in die Zeit, findet Gunther Meinrenken.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Okt. 2022 | 15:24 Uhr
  • 07. Okt. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Okt. 2022 | 15:24 Uhr
  • 07. Okt. 2022
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Celle.

Vor 50 Jahren hat noch niemand vom Klimawandel gesprochen. Vor 50 Jahren wurden die meisten Wohnungen mit Öl beheizt oder sogar noch mit Kohle. Vor 50 Jahren gab es noch keine E-Autos und keine E-Bikes, keine Luft-Wärme-Pumpen, keine geothermischen Heizungsanlagen und keine Solaranlagen. Das hat sich grundlegend geändert. Viele Privatleute möchten in erneuerbare Energien investieren, um sich unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen und etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Alte Bebauungspläne passen nicht zu aktuellen Anforderungen

Dass dies mit Bebauungsplänen kollidiert, die aus den 70er Jahren stammen, zeigt das Beispiel von Tim Schmidt. Abgesehen davon, dass sein Vorhaben, zwei Solaranlagen zu bauen, wohl auch nicht mit Abstandsgrenzen und Maximallängen in Übereinstimmung zu bringen ist, darf er keine PV-Anlage nach seinen Vorstellungen installieren, weil die Konstruktion wie ein Carport aussieht und solche sind an dieser Stelle im Bebauungsplan nicht vorgesehen. Das klingt mehr als absurd und zeigt: Viele Bebauungspläne sind nicht auf die heutigen dringenden Bedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtet. Ausnahmegenehmigungen? Fehlanzeige.

Vereinfachungen dringend erforderlich

Die Stadt verweist in dem Wirrwarr der unterschiedlichen Bauverordnungen und rechtlichen Voraussetzungen, die für den Bürger kaum zu durchschauen sind, auf Bundes- und Landesrecht. In der Tat sollte die Politik dringend Vereinfachungen auf den Weg bringen, die es den Kommunen leichter machen, ihre Bebauungspläne den heutigen Erfordernissen anzupassen. Und zwar in schnellen Verfahren anzupassen. Denn die Stadt Celle, in der es 290 B-Pläne gibt, dürfte nicht die einzige Kommune sein, in der das Personal hoffnungslos überfordert wäre, diese große Anzahl von Verfahren zeitnah über die Bühne zu bekommen.

Vorschläge der Stadt zu teuer

Wenig hilfreich sind in dieser Situation allerdings Tipps aus dem Neuen Rathaus, wie Tim Schmidt auf anderen Wegen zu einer Solaranlage kommen könnte. Ein vollkommen intaktes Dach neu zu decken, damit dort eine PV-Anlage installiert werden kann, ist auch nicht gerade klimafreundlich und würde die Kosten für Schmidt, der eh schon 120.000 Euro investieren möchte, deutlich in die Höhe treiben. Der Verweis der Verwaltung, er könne sich ja bei der KfW-Bank einen Kredit aufnehmen, kann bei Menschen wie Tim Schmidt, die etwas gegen den Klimawandel unternehmen wollen, wohl nur Kopfschütteln hervorrufen.

Von von Gunther Meinrenken