Comics aus Entenhausen

Sprechblasen-Kult

Comics - es gibt sie trotz Videospielen immer noch. Jetzt ist der 560. Band mit den Helden aus Entenhausen herausgekommen. Erinnerungen von Oliver Gatz.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Juli 2022 | 08:00 Uhr
  • 07. Juli 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Juli 2022 | 08:00 Uhr
  • 07. Juli 2022
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Celle.

Ich konnte mich nicht beherrschen. Die Gier war einfach zu groß. Ich musste zugreifen. Wie damals. Im Supermarkt hielt ich jetzt das neueste „Lustige Taschenbuch“ in den Händen – Kultlektüre für Walt-Disney-Fans. Mittlerweile ist der 560. Band erschienen. Ich blätterte durch das Comic-Buch mit dem Titel „Ab an den Strand!“ und war erstaunt, was es heutzutage kostet: 7,99 Euro. Als Kind zahlte ich in den Siebzigern 4,50 D-Mark für den Sprechblasen-Spaß mit Donald Duck, der Hexe Gundel Gaukeley, Micky Maus, den Panzerknackern und wie sie alle heißen. Naja, es ist eben schon ein paar Donnerstage her.

Pechvogel Donald Duck wird zum Superhelden Phantomias

Angefixt wurde ich damals von Band 41 „Donald mal ganz anders“ – eine spannende Abenteuergeschichte, in der sich der Pechvogel Donald Duck in den Superhelden Phantomias verwandelt und mit Gadgets à la James Bond, die Tüftler Daniel Düsentrieb für ihn entwickelt hat, zum Rächer der Unterdrückten wird. Da war es um mich geschehen. Ich verschlang die Comic-Bücher, die damals genauso verpönt waren wie heute Videospiele. Na klar, auch Enid Blytons „Das Geheimnis der Klippenburg“ und die „Jungen von Burg Schreckenstein“ von Oliver Hassencamp standen im Regal. Übliche Abenteuer-Prosa für Kinder. Bekam man von der Mama oder Oma geschenkt. Mit viel Text. Ganz nett.

Disneys Lustige Taschenbücher – ich wollte sie alle haben

Aber bei den Disney-Comics war meine Begeisterung einfach noch größer: Alle paar Wochen rannte ich zum Kiosk und holte den neuesten Band. Manchmal verballerte ich mein ganzes Taschengeld, um gleich fünf oder sechs Bücher auf einmal zu besorgen, wenn der Kiosk meines Vertrauens mal wieder Nachschub bekam. Ich wollte sie alle haben, bestellte sogar beim Ehapa-Verlag in Stuttgart noch fehlende Bände nach.

Aus Comics Hörspiele mit Helden aus Entenhausen gemacht

Aus den spannendsten Bildergeschichten machten meine Freunde und ich Hörspiele – mit diversen Kassettenrekordern, Sounds von Geräusche-Platten und der Titelmelodie vom „Alten“, bei der dramatischerweise ein Schuss fiel. Bis Band 130 war meine Sammlung komplett. Dann ließ die Euphorie nach. Ich sagte Donald, Dagobert und Micky Maus Tschüß! Es kam die „Bravo“- und „Pop Rocky“-Zeit. Doch die Helden aus Entenhausen habe ich nie vergessen. Sie haben mir als Kind wunderbare Stunden beschert – auch wenn jetzt Band 560 wieder im Supermarktregal landete.

Von Von Oliver Gatz