Meinung

Blödes Spiel

Vom fiskalischen Online-Game namens "Grundsteuererklärung" hält CZ-Redakteur Michael Ende nicht allzu viel. Eigentlich gar nichts.
  • Von Michael Ende
  • 14. Juli 2022 | 08:00 Uhr
  • 14. Juli 2022
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  • 14. Juli 2022 | 08:00 Uhr
  • 14. Juli 2022
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Celle.

Wir haben ja sonst nichts um die Ohren. Und um uns vom eitlen Nichtstun abzulenken, hat uns der Staat zu einem lustigen Online-Spiel eingeladen: Wir müssen unseren Grundbesitz gaanz genau angeben, damit der Staat dafür Steuern kassieren kann. Das tut er zwar schon längst und immer, aber er will das jetzt anders regeln, und deshalb braucht er gaanz, gaanz viele Angaben zu unserem Besitz und uns selbst noch einmal. Damit es ein bisschen kniffliger wird und mehr Spaß macht: Alles ausführlichst in Schriftform in für Laien schwerstverständlichen Formularen – und nur über das Internet.

Ätschibätschi: Wer kein Internet hat, ist schon mal raus

Das Schöne daran ist, dass man ja eigentlich alle Daten, die das Finanzamt haben will, parat haben sollte, weil das Finanzamt einem diese Daten ja per Bescheid zugeschickt hat. Flurstück, Grundstücks- und Hausgröße, die Namen der Besitzer (ja, die wollen wissen, wie man heißt) und, und, und – die kennt der Staat natürlich, weil er alles seit Urzeiten taxiert. Aber es wäre kein Spiel, wenn man nicht noch einmal alles, was das Amt längst hat, zusammenklauben und dem Staat melden müsste, damit er es dann kontrollieren kann. Das kriegt nicht jeder hin: Hihihi! Ätschi! Mensch ärgere Dich! Ganz außen vor sind da natürlich alle alten Menschen, die nicht im Internet unterwegs sind. Ooooch: Rausgeschmissen. Aber da können ja die Kinder helfen. Oder irgendwer. Dem Staat ist das voll egal. Und da jetzt alle zähneknirschend millionenfach bei diesem Spiel mitmachen müssen, bricht natürlich sofort das Steuer-Online-Game "Elster" zusammen. Aber hey: Das gehört dazu und macht alles noch spannender – besonders für jene, die sonst nichts zu tun haben.

Wer denkt sich sowas aus?

Wie geradezu bescheuert simpel wäre es gewesen, wenn der Staat von sich aus einfach so Steuerbescheide an alle Grundbesitzer verschickte und sie einmal darauf draufgucken ließe: "Lieber Bürger, ist das so okay? Wenn Ihnen etwas unstimmig erscheint, melden Sie sich bitte. Dann klären wir das. Anruf genügt." Aber nee: Das wäre den fiskalischen Spiele-Entwicklern wohl zu schlicht gewesen. Deswegen stecken wir jetzt drin in dieser Nummer. Könnten wir Bürger uns da nicht auch gleich die Steuern selber berechnen und an uns selbst überweisen? Dann könnten die im Amt mal abschalten. Ich fürchte nur, in dieser kreativen Pause würde denen sofort ein neues Game einfallen.