Begrüßungsrituale

Fausten Sie noch oder schütteln Sie (wieder)?

Handschlag oder doch lieber die "Ghetto-Faust"? Corona hat gewohnte Begrüßungsrituale durcheinandergebracht. Mit Folgen, wie Carsten Richter glossiert.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Juli 2022 | 08:00 Uhr
  • 29. Juli 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Juli 2022 | 08:00 Uhr
  • 29. Juli 2022
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Celle.

Fausten Sie noch oder schütteln Sie schon (wieder)? Corona hat ja die standardisierten Begrüßungsrituale ordentlich durcheinandergewürfelt. Jemandem die Hand zu reichen, hatte auf einmal nichts mehr mit Höflichkeit zu tun, sondern war ein Ausdruck purer Unvorsichtigkeit. Abstand ist Anstand: Das galt mit Beginn der Pandemie nicht mehr nur beim Autofahren. Tatsächlich empfand auch ich es lange Zeit als absolut unhygienisch, ja schon fast eklig, eine fremde Hand zu berühren. "Wo ist Desinfektionsmittel?", war stets mein Gedanke, wenn ich doch mal unachtsam war oder ich die ausgestreckte Hand meines Gegenübers nicht unergriffen lassen wollte. Dann lieber die "Ghetto-Faust", die plötzlich voll en vogue war.

Wenn man sich bei der Begrüßung nicht einig wird

Inzwischen kehren die meisten Leute, so meine Beobachtung, zum klassischen Handschlag zurück. Dumm nur, wenn man sich nicht einig wird. Wer kennt das nicht? Da wird dann der dargereichten Hand mit einem schwungvollen Faustschlag geantwortet. Auweia, das kann weh tun. Und zack, schon wird der auf Sicherheit bedachte Freizeit-Hygieniker der gefährlichen Körperverletzung bezichtigt.

Zu viele Varianten der Begrüßung erschweren das Leben

Wem der Ellbogencheck zu umständlich ist (Hilfe, da muss man ja sämtliche Armgelenke aktivieren) oder wer beim "Füßeln" Sorge hat, das Gleichgewicht zu verlieren, wählt die asiatische Begrüßung. Aber auch dabei kann es einen Fauxpas geben: Lieber nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn im Moment der Verbeugung das Gegenüber seine Faust mit voller Wucht gegen das verneigte Haupt schmettert.

Pannen erleben auch Politiker

Gut zu wissen, dass selbst bei Begrüßungen zwischen hochrangigen Politikern was schieflaufen kann. So sind Angela Merkel und Boris Johnson mal mit Faust (Merkel) und Unterarm (Johnson) aneinandergeraten. Nur ein klassisches Missverständnis? Psychologen hätten daran viel zu deuten ... Da lob' ich mir doch Markus Söder, als er im Februar 2021 einfach einen Bierkrug in die Hand nahm und in die Kamera prostete. Ja mei, so sans halt, die Bayern. Und, okay, es war gerade "politischer Aschermittwoch". Trotzdem imponiert mir die Geste. Also: Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte zur unverfänglichen Begrüßung immer ein Fläschchen dabei haben und bei Bedarf hochhalten. Man soll ja ohnehin viel trinken im Sommer. Es muss ja kein Bier sein.

Von Von Carsten Richter