Armer Maronen-Mann

Mauerblümchen auf dem Weihnachtsmarkt

Der Maronen-Mann auf dem Weihnachtsmarkt in Hildesheim fristet ein einsames Dasein. Oder werden seine Früchte bald die neuen Schmalzkuchen? CZ-Redakteur Carsten Richter führt in seiner Glosse dafür Argumente an.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 20. Dez. 2022 | 08:00 Uhr
  • 20. Dez. 2022
Schlichte Bude: Maronenstand auf dem Weihnachtsmarkt. 
  • Von Cellesche Zeitung
  • 20. Dez. 2022 | 08:00 Uhr
  • 20. Dez. 2022
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Celle.

Der arme Kerl tut mir leid. Seit einer gefühlten Ewigkeit hat er seinen festen Platz auf dem Weihnachtsmarkt in Hildesheim. Nach zwei Jahren Corona-Pause herrscht nun auch rund ums Rathaus in meiner alten Heimatstadt wieder adventliches Treiben. Alles ist wie immer – und auch er ist wieder an altbekannter Stelle anzutreffen: der Maronen-Mann.

Esskastanien sind sehr gesund.

Maronen sind gesund – aber unbeliebt?

Nur: Bei ihm glitzert, blinkt und funkelt es nicht. In vergleichsweise schlichtem Ambiente preist der ältere Herr in seiner Bude die gesunden, frisch gerösteten und heißen Esskastanien an. Die große Nachfrage aber bleibt, so mein Eindruck, aus. Eine große Menschentraube habe ich dort noch nie erlebt. Nun ja, gegen Zuckerwatte, Glühwein und Pommes kommt das kalorienarme Angebot logischerweise nicht an. Dabei erklärt der gute Mann sogar auf einem Aushang, welche positiven Inhaltsstoffe in seinen Früchten stecken. Fettlösliche B-Vitamine helfen bei der Bildung von roten Blutkörperchen, fördern eine gesunde Haut und unterstützen das Gehirn. Außerdem sollen Maronen Herzerkrankungen und Krebs vorbeugen. Wenn das keine Argumente sind ...

Der Maronenstand auf dem Hildesheimer Weihnachtsmarkt. 

Werden Maronen die neuen Schmalzkuchen?

Nun ja, irgendwie muss sich das Angebot ja doch rentieren. Sonst wäre der Mann wohl längst nicht mehr da. Ich wünsche ihm jedenfalls noch viele schöne Jahre. Mit mehr Kunden. Bis dahin träume ich von der Vorstellung: Maronen sind die neuen Schmalzkuchen.

Von Carsten Richter