Abkürzungssalat

Von SuS bis BuB

Die Gleichberechtigung in der Sprache ist ein hehres Ziel. Nur bisweilen treibt das Gendern seltsame Blüten - was nicht gerade zur Verständlichkeit beiträgt. Eine Glosse von Oliver Gatz.

  • Von Oliver Gatz
  • 04. Jan. 2023 | 08:00 Uhr
  • 04. Jan. 2023
  • Von Oliver Gatz
  • 04. Jan. 2023 | 08:00 Uhr
  • 04. Jan. 2023
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Celle.

Mit dem Gendern ist das so eine Sache – gerade für Journalisten. Will man‘s allen recht machen und niemanden ausschließen, wird‘s im alltäglichen Umgang mit der Schriftsprache kompliziert. Dann klingen manche Aussagen ziemlich sperrig. Denn längere Formulierungen wie „Bürgerinnen und Bürger“ sprengen nicht nur den vorhandenen Platz für Überschriften, sie nehmen einer Aussage auch ihre Prägnanz und Klarheit. Doch auch hier deutet sich eine Revolution an, wie ich es neulich in einer offiziellen E-Mail einer Schule entdeckte. Da war plötzlich von SuS die Rede. Häh? Dann fiel der Groschen: Der Autor meinte „Schülerinnen und Schüler“. Genial! Kurz, knapp und passend für jede Überschrift. Warum bin ich da nicht schon längst drauf gekommen?

Generisches Maskulinum in der Schriftsprache vermeiden

Die Methodik, das generische Maskulinum zu vermeiden und zumindest die weibliche Form mit zu berücksichtigen, wird schon länger praktiziert. Insbesondere Politiker und Verwaltungsmitarbeiter haben in der Vergangenheit immer wieder von „Bürgerinnen und Bürgern“ oder „Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern“ gesprochen. Da waren Gender-Sternchen und andere sprachliche Inklusions-Merkmale noch ganz weit weg.

Achtung – es droht Verwechslungsgefahr!

Das „SuS“ ist einfach perfekt – und ließe sich beliebig auf andere Bereiche übertragen. Der um breite Akzeptanz buhlende Politiker spricht dann eben von BuB und von WuW, wenn er Bürger oder Wähler (sorry, generisches Maskulinum) meint. Bei Angelegenheiten des Finanzamtes könnte es indes schwierig werden: Da wären SuS eben nicht die Schülerinnen und Schüler, sondern wohl eher die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen. Es bestünde Verwechslungsgefahr – gar nicht gut für juristisch wasserdichte Verordnungen. Also müsste es konkretisiert werden, etwa durch „StuSt“. Erfordert allerdings etwas Geschicklichkeit bei der Aussprache.

Gleichberechtigung in der Sprache einen großen Schritt näher

Wichtig für uns Journalisten: Die inklusive Abkürzung müsste vorher im Text erklärt werden, also einmal komplett ausschreiben und dann in Klammern dahinter die Kurzform. Ich denke, liebe Leserinnen und Leser (LuL), damit käme man der Gleichberechtigung in der Sprache einen großen Schritt näher!