Sportmoderatorin feiert Comeback bei RTL

Monica Lierhaus und der lange Weg zurück vor die Kamera

Moderatorin Monica Lierhaus wird im Juni für RTL auch von der deutschen Nationalmannschaft berichten.

Hannover. Es ist der erste und lang ersehnte Auftritt von Monica Lierhaus bei ihrem neuen Arbeitgeber RTL – und der besteht vor allem aus Programmankündigungen. „Willkommen in der RTL-Familie“, begrüßt Sportmoderatorin Laura Papendick ihre neue Kollegin – ehe diese für ihre anstehenden On-Air-Projekte werben darf.

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Die Berichterstattung zu den Special Olympics gehöre etwa dazu – Lierhaus will in einer Themenreihe Menschen mit geistiger Behinderung porträtieren. Auch eine Themenwoche mit dem Namen „Vielfalt verbindet“ wird Lierhaus präsentieren, wie sie erzählt. Und dann soll im Sommer das große Highlight folgen: die Sportberichterstattung von einem DFB-Länderspiel. Weitere Einsätze sind geplant, wie RTL bereits angekündigt hat.

Alldem scheint die Sportmoderatorin mit viel Vorfreude entgegenzufiebern: „Ehrlich gesagt kann ich das kaum beschreiben, ich freu mich da so irrsinnig drauf“, so Lierhaus in dem kurzen Interview am Donnerstagabend kurz vor dem Europa-League-Spiel Leverkusen gegen Union Saint-Gilloise. Auch freue sie sich, endlich wieder in einem Stadion zu stehen. Laura Papendick schwärmt, sie habe als kleines Kind immer die Sportberichterstattung ihrer heutigen Kollegin verfolgt.

Worauf sich Lierhaus denn am meisten freue, will Papendick zum Schluss noch wissen. Lierhaus gibt sich etwas wortkarg: „Eigentlich auf nichts Besonderes, ich freue mich nur, wieder da zu sein.“

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Überraschendes Comeback

Dass Lierhaus künftig die Sportberichterstattung beim Privatsender RTL mitgestalten wird, galt zuletzt als die große Überraschung in der Sport- und Medienwelt. Im Januar 2009 war die frühere „Sportschau“-Moderatorin Monica Lierhaus von einem Tag auf den anderen aus dem Leben und damit auch aus ihrem Job gerissen worden. Wegen einer missglückten Hirn-OP war die damals 38-Jährige mehrere Wochen ins Koma versetzt worden, musste später vieles neu lernen.

Ihren Job als „Sportschau“-Moderatorin gab Lierhaus mit ihrem Comeback in der Öffentlichkeit auf. Bis heute hat die Moderatorin mit Einschränkungen und auch mit Schmerzen zu kämpfen, wie sie zuletzt in Interviews erzählte. Auch ein Grund, warum Lierhaus nie zu ihrem früheren Arbeitgeber zurückkehrte.

Zuletzt war Lierhaus vor allem als Botschafterin für gemeinnützige Zwecke und für Sendungen des Bezahlsenders Sky öffentlich in Erscheinung getreten. Das Comeback bei RTL ist nun der Weg zurück ins Mainstream-Fernsehen.

Vom Radio zu „Ran“

Rund 20 Jahr zuvor wäre ein Engagement wie dieses noch keine große Überraschung gewesen – da galt Monica Lierhaus als aufstrebendes Talent in der Welt des Sportfernsehens.

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Die Medienkarriere der damals 22-Jährigen beginnt zunächst 1992 in ihrer Heimatstadt Hamburg. Bei Radio Hamburg ist Lierhaus freiberuflich als Moderatorin tätig, ehe es sie nach einem abgebrochenen Studium zum Fernsehen zieht. Ab 1992 absolviert die heute 52-Jährige ein Volontariat bei Sat.1, noch während der Ausbildung darf sie bereits die Moderation der Hamburger Regionalnachrichten übernehmen. Als Reporterin berichtet Lierhaus später für die Sat.1-Nachrichten aus Belfast, London und Brüssel.

Lierhaus bleibt dem Sender Sat.1 über viele Jahre treu, doch das Genre ihrer Moderationstätigkeiten wechselt häufig. Ab 1997 übernimmt Lierhaus das Boulevardformat „Blitz“, ab 1999 ist sie erstmals als Sportmoderatorin tätig, damals für das Sat.1-Format „Ran“.

Erste Frau in der „Sportschau“

Blickt man in den offiziellen Lebenslauf auf der Website der Moderatorin, so ist dort eine Formulierung immer wieder zu lesen: „erste Frau“. Nicht nur bei „Ran“ ist Lierhaus die erste weibliche Journalistin, die durch die Sendung führen darf, auch in ihrer weiteren Karriere beim Bezahlsender Premiere oder beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen wird Lierhaus diesbezüglich immer wieder Geschichte schreiben.

Ihre heutige Kollegin Laura Papendick sagte ihrem Sender im Vorfeld des Lierhaus-Interviews: „Sie hat gezeigt, dass Frauen den Job genauso gut wie Männer können, weil sie immer perfekt vorbereitet und nie überfordert wirkte. Weshalb ich auch davon überzeugt bin, dass sie uns als Vorreiterin den Weg geebnet hat.“

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Bei Premiere moderiert Lierhaus ab 1999 – ebenfalls als erste Frau – die Fußball-Bundesliga. Ab 2002 ist sie als Moderatorin der „Großen Knoff-Hoff-Show“ im ZDF auch erstmals für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig. Zusammen mit Bodo Hauser bekommt Lierhaus hier noch eine weitere eigene Show: „Die Krimi-Show – Ein mörderisches Spiel“.

Ab 2004 ist die Karriere der damals 34-Jährigen auf dem Höhepunkt: In der ARD-„Sportschau“ präsentiert Lierhaus – wieder als erste Frau – die Bundesliga, zusammen mit Showmaster Frank Elstner auch die Show „Einfach Millionär“ der Deutschen Fernsehlotterie. Auch bei der Tour de France, beim Skispringen und den Olympischen Spielen ist Lierhaus über Jahre hinweg im Einsatz. Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland berichtet Lierhaus von den Pressekonferenzen.

Dramatischer Fund bei Routine­untersuchung

Und dann kommt der Tag, der alles verändern sollte. Wegen eines geplanten Augenlaserns lässt sich Lierhaus routinemäßig untersuchen. Ein befreundeter Arzt habe dazu geraten, wie die Moderatorin viele Jahre später in einem Interview mit „T‑Online“ erzählt. „Monica, bevor du dich für so eine OP entscheidest, lass dir bitte vorher einmal in den Kopf gucken, ob alles in Ordnung ist“, soll dieser gesagt haben. Daraufhin habe sie im Krankenhaus ein MRT machen lassen. Und die Ärzte werden fündig.

Lierhaus habe schon im Krankenhaus „durch die Scheibe“ gesehen, dass „alle aufgeregt hin und her liefen. Da war ein wahnsinniges Gewusel. Ich habe sofort gemerkt, irgendetwas stimmt nicht“, so die Moderatorin. „Die Ärzte erzählten mir, es sei etwas in meinem Kopf, das noch mal genauer untersucht werden müsste. Da kam dann heraus, dass ich ein Aneurysma habe. Es muss wohl schon von Geburt an da gewesen sein. Ich hatte oft starke Kopfschmerzen. Nach der Diagnose wusste ich auch, warum. Es lag am Aneurysma, das pochte.“

Bei einem Hirnaneurysma handelt es sich um eine Ausbuchtung einer Schlagader im oder nahe am Gehirn. Häufig bilden sie sich an Verzweigungsstellen der Arterien, die das Gehirn mit Blut versorgen. Aneurysmen im Allgemeinen können auch an anderen Stellen im Körper entstehen, etwa an der großen Schlagader im Bauch.

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Rund 2 Prozent aller Menschen sind von einem solchen Aneurysma betroffen – die meisten von ihnen merken nichts davon. Und doch ist die Erkrankung eine tickende Zeitbombe: Platzt ein Aneurysma, kann es zu Hirnblutungen kommen – im Zweifel endet der Vorfall tödlich. Nicht wenige der Patientinnen und Patienten entscheiden sich daher zu einer Operation. Sie soll möglichen Schlaganfällen vorbeugen. Auch Lierhaus tut das.

Ausmaß der Erkrankung zunächst unklar

Doch bei genau dieser Operation kommt es zu Komplikationen. Mitte Januar 2009 berichten erste Medien über den Krankenhausaufenthalt der Moderatorin. In der „Hamburger Morgenpost“ heißt es, bei einer Risiko-OP sei wohl etwas schiefgelaufen – die Moderatorin liege derzeit im Koma.

Kolleginnen und Kollegen der Moderatorin zeigen sich betroffen. Sportkommentator Marcel Reif etwa wünscht eine „rasche und vollständige Genesung“. Welche Auswirkungen die Behandlung haben würde, scheint zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht absehbar. Die ARD teilt knapp mit: „Die Zuschauer ihrer Sendungen müssen nun eine Zeit lang ohne Monica Lierhaus auskommen.“ Die Moderation übernehmen zunächst Reinhold Beckmann und Gerhard Delling.

Noch im Februar 2009 zeigt sich Lierhaus’ Arbeitgeber, der NDR, optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass Frau Lierhaus zurückkehrt“, so NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann. Man plane sogar, die Moderatorin für die neue „Sportclub“-Ausgabe im NDR-Fernsehen einzusetzen, die vom Sommer an ausgestrahlt werden soll. Dazu sollte es jedoch nie kommen.

Comeback bei „Goldener Kamera“

Lierhaus selbst erzählt in dem Interview mit „T‑Online“, sie sei möglicherweise zu „blauäugig“ an die Sache herangegangen. „Ich war schon immer ein angstfreier Mensch. Und so hatte ich auch keine Angst vor der OP. Auch nicht davor, dass irgendetwas schiefgehen könnte.“ Lierhaus liegt nach der OP mehrere Wochen im Koma. Danach beginnt ein langer Weg der Rehabilitation.

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Das Comeback der Moderatorin findet 2011, rund zwei Jahre später, statt. Günter Netzer überreicht der Moderatorin bei ihrem ersten großen Auftritt nach der OP auf großer Bühne eine „Goldene Kamera“. Zu sehen ist Lierhaus, wie sie – noch sichtlich unsicher auf den Beinen und begleitet von ihrem Lebensgefährten – ans Rednerpult geht und ihre ersten Worte spricht.

Das Publikum im Saal spendet tosenden Applaus. Lierhaus, die das Sprechen ganz neu erlernen musste, dankt ihren Eltern, ihrer Schwester Eva und schließlich ihrem Lebensgefährten Rolf Hellgardt, dem sie zum Ende der Rede einen Heiratsantrag macht. Zur Hochzeit kommt es allerdings nie. Das Paar ist inzwischen getrennt.

Botschafterin für gute Zwecke

Auch zur ARD-„Sportschau“ kehrt Lierhaus, anders als geplant, nicht mehr zurück. „Ich bin stolz und dankbar, dass zwei Jahre lang der Platz bei der ‚Sportschau‘ für mich offen gehalten wurde“, erklärt die Moderatorin damals. „Nach heutigem Stand muss ich aber leider sagen, dass ich auf absehbare Zeit die ‚Sportschau‘ nicht werde moderieren können.“

ARD-Programmdirektor Volker Herres zeigt sich enttäuscht: „Wir finden es alle sehr schade, dass wir in der ‚Sportschau‘ weiterhin auf Monica Lierhaus werden verzichten müssen. Doch wann immer es so weit ist, dass sie in den Sport zurückkehren kann, wird auf jeden Fall ihr Platz im Team des ARD-Sports und insbesondere in der ‚Sportschau‘ für sie frei sein.“

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Monica Lierhaus im Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw.

Beruflich tritt die Moderatorin fortan stattdessen häufiger als Botschafterin für gute Zwecke in Erscheinung. Zunächst wird die damals 40-Jährige Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie und tritt damit die Nachfolge von Frank Elstner an. Lierhaus ist auch Botschafterin der Deutschen Schlaganfallhilfe, engagiert sich bei Unicef, für das Hamburger Spendenparlament und für eine Nichtraucherinitiative. Ab 2012 wagt Lierhaus wieder erste kleine Schritte im Sportjournalismus.

Für die „Sport Bild“ darf Lierhaus etwa Bundestrainer Joachim Löw interviewen, für den Pay-TV-Sender Sky ist sie 2014 in Hintergrundinterviews zu sehen. Große Karrierechancen rechnet sich die Moderatorin allerdings nicht mehr aus. „Mit 50 ist Schluss vor der Kamera“, sagt sie 2019 der „Bild am Sonntag“. „Da werde ich mir etwas überlegen müssen.“ Frauen ab 50 hätten als Moderatorinnen im deutschen Fernsehen keine Chancen mehr – ihre Kolleginnen Birgit Schrowange und Carmen Nebel seien da absolute Ausnahmen.

Mit 50 ist nicht Schluss

Es sollte – einmal mehr – anders kommen. Die Pläne für Monica Lierhaus bei ihrem neuen Arbeitgeber RTL sind ziemlich konkret: Neben den angekündigten Einsätzen bei Special Olympics und Livespielen wird die Moderatorin künftig auch bei „RTL aktuell“ regelmäßig zu sehen sein. Bei „Punkt 12“ bekommt sie eine eigene Rubrik, bei der sie Heldinnen und Helden des Alltags begleiten wird.

Für Lierhaus dürfte das jede Menge Arbeit bedeuten – doch darauf scheint die Moderatorin vorbeireitet zu sein. Mit Logopädinnen und Logopäden habe sie in den vergangenen Jahren intensiv das Sprechen und die Betonung trainiert und tue dies weiterhin im Vorfeld von Fernsehauftritten, hatte sie zuletzt in Interviews erklärt. Die Fortschritte sind auch im RTL-Interview am Donnerstagabend deutlich bemerkbar.

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Der erste echte TV-Einsatz für die neue RTL-Moderatorin wird am 20. Juni zusammen mit ihrem Kollegen Florian König sein. Dann ist Lierhaus als Reporterin beim DFB-Länderspiel im Einsatz. Neben ihren Auftritten vor der Kamera soll sie sich künftig auch als Inklusionsberaterin für das Unternehmen engagieren.

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