Die wichtigsten Fragen und Antworten

Allergie: Wie funktioniert die Hyposensibilisierung?

Heuschnupfen bei Pollenflug: Nicht jeder freut sich über das schöne Frühlingswetter.

Hannover. Die Nase läuft, die Augen jucken: Von wegen Frühlingsgefühle ... Wenn es draußen wärmer wird, beginnt für viele Menschen eine nervige Zeit. Der Grund ist eine Allergie gegen die Pollen bestimmter Pflanzen.

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Eine Allergie ist eine chronisch verlaufende Erkrankung. Es handelt sich dabei um eine Fehlfunktion des körpereigenen Immunsystems, das überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe wie Blütenpollen reagiert – so, als würden diese eine ernsthafte Bedrohung des Körpers darstellen.

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„Typische Symptome sind das Kribbeln in der Nase, ein wässriger Fließschnupfen, plötzliche Niesanfälle und Husten, in schweren Fällen bis hin zu Atemnot“, erklärt Matthias Scheich, geschäftsführender Oberarzt der Universitäts-HNO Klinik Würzburg im Gesundheitsmagazin des Klinikums.

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Kurzfristig können Allergietabletten oder Nasensprays helfen, langfristig eine Hyposensibilisierung – und viel Geduld. Ziel dieser Therapie ist es, das Immunsystem an das Allergen zu gewöhnen, um die Beschwerden abzuschwächen. Das heißt: Der Körper wird darauf trainiert, nicht mehr auf harmlose Stoffe aus der Umwelt überempfindlich zu reagieren.

Wie funktioniert eine Hyposensibilisierung?

Patientinnen und Patienten bekommen dafür über einen längeren Zeitraum Allergenextrakte in geringen, meist ansteigenden Mengen. „Diese Therapie wird klassisch mit regelmäßigen Spritzen oder zunehmend auch durch die Einnahme von Tabletten oder Tropfen durchgeführt“, erklärt Scheich. Die Kosten trägt die gesetzliche Krankenkasse.

In der Medizinsprache spricht man dementsprechend von zwei Formen der Hyposensibilisierung: von der subkutanen Immuntherapie (= SCIT) und von der sublingualen Immuntherapie (= SLIT). Bei der SCIT werden über einen längeren Zeitraum Lösungen mit dem Allergen unter die Haut gespritzt – anfangs meist im wöchentlichen Rhythmus, später in zwei- bis sechswöchigen Abständen. Bei der SLIT werden die Allergene hingegen täglich als Tropfen oder Tabletten über die Mundschleimhaut verabreicht.

Therapie dauert drei Jahre

Vor allem für Spritzen und für Tabletten sei der Erfolg belegt, bestätigt auch die Stiftung Warentest, die 21 Präparate geprüft hat: Die Beschwerden hätten sich teils schon nach einigen Monaten verbessert, Betroffene würden weniger antiallergische Mittel benötigen.

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Für die volle Wirkung der getesteten Mittel müssten Allergiegeplagte etwa drei Jahre lang täglich Tabletten nehmen oder sich alle paar Wochen spritzen lassen. Laut Testbericht sei aber unklar, ob nach der Behandlung die Effekte mehr oder weniger nachlassen.

Wann hilft die Hyposensibilisierung?

Allergie ist nicht gleich Allergie – dementsprechend wirkt nicht jedes Mittel bei jedem Problem. Die Hyposensibilisierung wird vor allem bei allergischen Reaktionen durch Pollen, Schimmelpilze oder Hausstaubmilben sowie bei Insektengiftallergien eingesetzt. Sie zählen zu den sogenannten Soforttypen.

Fachleute raten zur Hyposensibilisierung, wenn sich der Allergieauslöser nicht komplett vermeiden lässt, wenn die Allergie durch Medikamente nur schwer kontrollierbar ist, und wenn die Betroffenen stark unter den Folgen der allergischen Reaktionen leiden.

Erst Auslöser ermitteln

Vor einer Therapie muss ein Allergologe oder eine Allergologin den wichtigsten Auslöser der Beschwerden ermitteln – zum Beispiel durch Haut- und Bluttest –, um ein individuell geeignetes Präparat wählen zu können. Das lässt sich mitunter nicht in einer Sitzung feststellen, denn viele Patientinnen und Patienten haben gleichzeitig mehrere Allergien, reagieren zum Beispiel allergisch auf Gräser und Bäume. Mitunter hilft es, wenn Betroffene eine Zeit lang ihre Beschwerden notieren.

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Laut der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin ist die Hyposensibilisierung bei allergischem Schnupfen, einer allergischen Bindehautentzündung und bei allergischem Asthma bronchiale bereits ab einem Alter von fünf bis sechs Jahren sinnvoll – bei einer Allergie gegen Insektengift sogar noch früher. Beginnen sollte die Hyposensibilisierung möglichst in der pollenfreien Zeit, idealerweise schon vier Monate vor Beginn der Pollenflugsaison.

Welche Risiken sind bekannt?

Laut Stiftung Warentest könnten alle getesteten Mittel schwere allergische Reaktionen bis hin zum Kreislaufschock auslösen. Das passiere allerdings in weniger als einem von 1000 Fällen, die dann aber lebensbedrohlich sind. Die Patientinnen und Patienten müssten deshalb nach jeder Spritze 30 Minuten in der Praxis bleiben, damit Arzt oder Ärztin zur Not eingreifen könnten. Bei Tabletten reiche es, die erste Einnahme zu überwachen. Leichte, häufigere Nebenwirkungen seien zum Beispiel Schwellungen und Juckreiz.

Wir haben diesen Text am 23. Februar 2025 zuletzt aktualisiert.

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