Weiter Ärger ums Ärgernis

Baugebiet in Wolthausen sorgt für Zündstoff

Die CDU spricht von einer "Sauerei" und einer "Farce". Es geht um ein kleines Baugebiet, die Nichtbeteiligung des Ortsrates und die Frage, warum nicht eigentlich ein ganz anderes Baugebiet entwickelt wird.

  • Von Simon Ziegler
  • 19. Jan. 2023 | 17:55 Uhr
  • 19. Jan. 2023
Das Gebiet an der Alten Dorfstraße, gegenüber der Einmündung Krähenberg, soll nach dem Willen der Gemeinde neues Bauland werden. Die Pläne sind in Wolthausen extrem umstritten.
  • Von Simon Ziegler
  • 19. Jan. 2023 | 17:55 Uhr
  • 19. Jan. 2023
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Hier sollen die zehn Bauplätze entstehen.
Wolthausen.

Das geplante neue Baugebiet in Wolthausen schlägt weiter hohe Wellen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Christian Peters (CDU), der seit 22 Jahren Ortsbürgermeister ist. Sein Parteifreund Burkhard Hoppenstedt spricht gar von einer „Sauerei“. Der Fraktionschef der Christdemokraten im Gemeinderat, selbst Wolthäuser, sagt: „Ich glaube, dass dem Investor ein Gefallen getan werden soll. Man kann den Eindruck bekommen, dass da gemauschelt wurde. Das ganze Verfahren ist eine einzige Farce“, meint Hoppenstedt. Beim Investor soll es sich um ein großes Winser Unternehmen handeln.

Winser Rat votiert für Alte Dorfstraße

Der Vorwurf birgt eine Menge Zündstoff. Vor gut einem Jahr hatte der Winser Verwaltungsausschuss entschieden, dass in Wolthausen nicht das Baugebiet Faßweg-West entwickelt werden soll, wie es eigentlich geplant war, sondern ein Gebiet an der Kreisstraße Richtung Winsen. Bürgermeister Dirk Oelmann hatte das damit begründet, dass sich die beiden Eigentümer am Faßweg untereinander und auch nicht mit der Celler Immobilienfirma "Heidt & Peters" einigen konnten. Schließlich habe er eine Frist gesetzt. Als diese verstrichen war, habe er das Baugebiet gecancelt. Geschäftsführer Andreas Peters hatte Oelmann öffentlich widersprochen. Die Frist sei der Immobilienfirma gar nicht bekannt gewesen. Ortsbürgermeister Peters hält die Gründe von Oelmann noch heute für vorgeschoben.

Das Flurgebiet heißt Ärgernis

Stattdessen fasste der Gemeinderat damals den Beschluss, das Gebiet an der Alten Dorfstraße zu entwickeln, das nach dem alten Flurnamen auch als "Ärgernis" bekannt ist. In der kommenden Woche werden sich mehrere Winser Gremien mit dem Thema befassen. Am Montag der Ortsrat (19 Uhr, Dorfgemeinschaftshaus), am Dienstag der Bauausschuss, schließlich am Donnerstag der Verwaltungsausschuss. Was Ortsbürgermeister Peters auf die Palme bringt: Es sei im gesamten Verfahren entgegen der Gepflogenheiten das allererste Mal, dass der Ortsrat überhaupt beteiligt werde. Anders als sonst dürfe das Gremium aber nicht abstimmen und wenigstens eine Empfehlung aussprechen, sondern lediglich die Erweiterungspläne zur Kenntnis nehmen. Das gewählte Gremium in Wolthausen habe bis heute weder über das Ende bei den Faßweg-Plänen abgestimmt, noch darüber, ob man eine Bebauung an der Kreisstraße wünsche. Peters: "Der Ortsrat bleibt bei der Ortsgestaltung außen vor."

Bürgermeister: "Normales Verfahren"

Bürgermeister Oelmann kann die Aufregung nicht verstehen. „Das ist ein völlig normales und unspektakuläres Verfahren“, meint er. Derzeit befasse man sich damit, den Geltungsbereich des Plangebietes zu erweitern. Denn ein Nachbar wolle sein Grundstück mit überplanen lassen. Es lägen jetzt konkrete Zeichnungen vor, der städtebauliche und auch der Folgekosten-Vertrag seien mit dem Antragsteller geschlossen worden. Insgesamt soll es dem Vernehmen nach um rund zehn Bauplätze gehen.

Wird Ortsrat übergangen?

Die Vorwürfe, dass der Ortsrat übergangen werde, weist Oelmann zurück. Nach dem Kommunalgesetz sei das Gremium einmal im laufenden Verfahren zu beteiligen. „Das passiert gerade. Und wir stehen noch relativ am Anfang. Es ist also eine sehr zeitige Beteiligung, die auch in anderen Ortsteilen nicht früher erfolgt“, argumentiert der Verwaltungschef. Wenn alles wie geplant ablaufe, könne Mitte des Jahres der Satzungsbeschluss erfolgen. Nach der Entscheidung, das Baugebiet am Faßweg abzusagen, sei es nicht zu rechtlichen Auseinandersetzungen gekommen, sagt er auf Nachfrage. "Da ist von keiner Seite – Eigentümer oder Kommunalaufsicht – irgendetwas gekommen. Somit dürfte wohl überall unsere Auffassung geteilt werden, dass das vorherige Verfahren hundertprozentig einwandfrei abgelaufen ist", so der Bürgermeister.

Schwager des Ortsbürgermeisters

Das ganze Thema hat noch eine andere Facette. Einer der Eigentümer am Faßweg ist der Schwager des Ortsbürgermeisters. Dass er deshalb für das Baugebiet im Nordwesten des Dorfes plädiert habe, weist Christian Peters als "vollkommenen Unfug" zurück. Man habe in Wolthausen ursprünglich zwei andere Baugebiete ins Auge gefasst, sagt Peters, nämlich an der Kanaltrift und am Winser Kirchweg, die sich nicht realisieren ließen. In beiden Fällen hätten die Eigentümer teilweise nicht verkaufen wollen, erst deshalb habe man das Gebiet Faßweg-West ins Auge gefasst.

Und noch etwas sagt Peters: Die Frist, die Oelmann seinerzeit gesetzt haben will, habe jedenfalls nicht dazu geführt, dass es in Sachen Bauland schneller geht. "Die Baustraße am Faßweg wäre schon längst fertig. Davon sind wir an der Alten Dorfstraße meilenweit entfernt", sagt der Ortsbürgermeister.