Robot Food Tech

Wietzer Firma will Digitalisierungssprung machen

Das Unternehmen Robot Food Tech setzt mit öffentlicher Unterstützung verstärkt auf Augmented Reality. Die Technologie bietet eine Menge Vorteile.
  • Von Simon Ziegler
  • 29. Juni 2022 | 10:56 Uhr
  • 29. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 29. Juni 2022 | 10:56 Uhr
  • 29. Juni 2022
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Wietze.

Harald Grüne setzt voll auf das Thema Digitalisierung. „Es ist unser Anspruch, dass wir uns immer weiterentwickeln, sonst wird man vom Markt überholt“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens Robot Food Technologies (RFT) in Wietze. Derzeit interessiert er sich stark für das Technologiefeld Augmented Reality, erweiterte Realität. Das bedeutet konkret: Es geht um den Einsatz von speziellen Brillen, die als eine Art virtueller Schulterblick gedacht sind. Sie sollen den Kundenservice optimieren. Heißt zum Beispiel in der Praxis: Der Techniker muss nicht mehr zum Kunden kommen. Man repariert oder wartet ein Gerät selbst, mit technischer Anleitung über die AR-Brille.

Landkreis und Transferzentrum unterstützen kostenlos

Alleine hat der 46-Jährige das nicht gestemmt. Grüne suchte die Unterstützung der Wirtschaftsförderung des Landkreises Celle, die wiederum mit dem Transferzentrum Elbe-Weser (TZEW) in Stade zusammenarbeitet. „Wir sind der technologische Arm der kommunalen Wirtschaftsförderung. Wir wissen, wo Wissen ist“, sagt Projektleiter Sven Samplatzki. Das TZEW stellt bei Bedarf Kontakt zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen her. Im Fall von Robot Food Tech wurde das Potenzial analysiert und anschließend diskutiert, wie Anwendungsszenarien im Bereich Augmented Reality aussehen könnten. Für das Unternehmen selbst ist der Technologie-Support kostenlos, das Investment übernimmt der Landkreis Celle im Rahmen seiner Wirtschaftsförderung.

80 Mitarbeiter in Wietze

Grüne hat sein Unternehmen in Wietze im Jahr 2005 gegründet. Seitdem ist er auf Wachstumskurs. Heute beschäftigt er knapp 80 Mitarbeiter. Robot Food Tech ist nach dem Schlachthof und einem Seniorenheim einer der größten Arbeitgeber der Gemeinde. Das Wietzer Unternehmen stellt Füll- und Verpackungsmaschinen für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie her. Die Großen der Branche sind Grünes Kunden: zum Beispiel Beiersdorf, Nestlé, Wernsing Feinkost oder Bonduelle.

In der Corona-Pandemie merkte Harald Grüne, dass er umdenken muss. Es gab keine Messen mehr, „ich konnte auch nicht mehr zum Kunden fahren“. Klassische Vertriebswege waren nicht mehr vorhanden. Was jahrelang funktioniert hat, musste neu gedacht werden. Seine Kunden sitzen in den USA, Südafrika, Australien und in ganz Europa. Hier kommt der Einsatz der AR-Brillen ins Spiel – kleine Computer mit Kamera und Online-Zugang. Irgendwo auf der Welt setzt sie ein Mensch auf und verbindet sich mit den Technikern von Robot Food Tech, die in Wietze oder irgendeinem Homeoffice sitzen. Diese steuern den Kunden mit Sprachkommandos und Zeichen punktgenau. Können auf diesem Weg zum Beispiel zeigen, an welchem Rad gedreht werden muss, wenn eine Verpackungsmaschine repariert werden muss. Zuletzt hat Grüne 16 Maschinen mit einem Wert von 2,5 Millionen Euro an einen Kunden in Australien verkauft. „Jetzt wird das Ganze installiert. Wir haben Leute vor Ort, der technische Support wird aber von hier gesteuert“, sagt er. Die AR-Technik selbst ist nicht neu. Aber ihr Einsatz könnte in den kommenden Jahren für viele Unternehmen interessant werden.

Spezialbrille kostet 4000 Euro

„Natürlich hat die Technik auch Grenzen“, sagt Grüne. Zudem muss, wie immer, erst investiert werden, bevor der Nutzen steht. Die Brille kostet im Einkauf 4000 Euro, dazu kommt noch die Serviceleistung. Auf der anderen Seite spart man sich Flugkosten und teuren Stundenlohn, meint der Geschäftsführer.

Viele Betriebe digital überfordert

Für das TZEW und den Landkreis ist die Zusammenarbeit mit Robot Food Tech ein gelungenes Beispiel für die Verzahnung von öffentlicher Wirtschaftsförderung und privaten innovativen Projekten. Nils Temmen von der Wirtschaftsförderung des Landkreises betont, dass viele Betriebe „angesichts der sich rasant entwickelnden Technologien vor immer neuen Fragestellungen stehen“ – das Know-how bekäme man unbürokratisch und kostenfrei, wie das Wietzer Beispiel zeige.