Hilfe im Ämter-Dschungel

Wietze hat zwei neue Integrationsbeauftragte

In Wietze kümmern sich seit einigen Wochen Seham Abed und Natalia Fedorenko um die Integration von Migranten. Das haben die beiden künftig vor.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Juni 2022 | 17:42 Uhr
  • 30. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Juni 2022 | 17:42 Uhr
  • 30. Juni 2022
Anzeige
Wietze.

Sie kümmern sich um Geflüchtete aus der Ukraine, um Schlachthof-Mitarbeiter aus Osteuropa und um Menschen aus dem Irak, Syrien, Sudan und Afghanistan: Natalia Fedorenko (35) und Seham Abed (37) sind die neuen Integrationsbeauftragten in Wietze. „Wir versuchen bei allen Problemen zu helfen“, sagt Fedorenko, die ihren Job Anfang Mai angetreten hat. Ein paar Wochen später stieß ihre Kollegin Seham Abed dazu.

Natalia Fedorenko ist gebürtige Kasachin, hat als Kind in Russland gelebt und kam 1998 nach Deutschland. Heute lebt sie in der Wietzer Nachbargemeinde Winsen. Seham Abed stammt aus Syrien, sie lebt seit 2015 in Deutschland, genauer gesagt in Ovelgönne. Gemeinsam decken die beiden mehrere Sprachen ab: Arabisch, Kurdisch, Russisch, Englisch und natürlich Deutsch. "Den Rest machen wir mit Google-Übersetzer. Damit geht alles", sagt Fedorenko.

Es geht nicht nur um die Ukraine

Arbeit dürften die beiden in den kommenden Monaten und Jahren jede Menge haben – nicht nur wegen des Ukraine-Krieges. Zuletzt lag die Integrationsarbeit in der Westkreis-Gemeinde weitgehend brach. In Wietze leben Menschen aus zahlreichen Nationen. Viele kommen aus Polen, Rumänien und Bulgarien, die im Schlachthof Arbeit gefunden haben. Sie zu integrieren, wird ein Schwerpunkt von Fedorenko und Abed sein. "Wir unterstützen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Wir erklären, welche Behörde zuständig ist. Wir zeigen, wie Schulanmeldungen und Krankenversicherungen funktionieren", erläutert die 35-jährige Fedorenko. Manchmal wollen die Migranten auch ganz praktische Sachen wissen. "Auf welcher Straßenseite geht man oder darf man auf der Straße rauchen?"

Seham Abed kommt aus Syrien

Seham Abed hat einen ganz persönlichen Zugang zu ihrem neuen Job. Die gelernte Agrar-Ingenieurin hatte anfangs selbst Schwierigkeiten mit der Sprache und dem undurchsichtigen Behörden-Dschungel. Deshalb möchte sie Menschen, die sich in ähnlicher Situation befinden, nun helfen, den Start zu erleichtern. „Der Weg für mich war sehr schwierig“, sagt sie, "und deshalb möchte ich Menschen mit Migrationshintergrund helfen, damit sie sich leichter zurechtfinden".

Integrations- und Frauencafé geplant

Beide haben einige Gedanken, was sie in Zukunft in Wietze umsetzen wollen. Einen Treff für Geflüchtete gibt es bereits, sie planen zudem ein Integrations- und ein Frauencafé. "Ideen haben wir reichlich. Unser Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich zu integrieren", sagt Fedorenko. Eine zentrale Aufgabe wird sein, die Menschen zu erreichen, die nicht von sich aus ins Rathaus oder ins Bürgerhaus kommen. "Wir wollen zum Beispiel Unterkünfte besuchen, in denen viele Migrantinnen und Migranten leben und das Gespräch mit Arbeitgebern suchen", kündigen sie an.

Viele Kriegsflüchtlinge sind traumatisiert

Derzeit leben rund 55 Ukrainerinnen und Ukrainer in Wietze, viele sind traumatisiert. "Wir vermitteln auch medizinische oder psychologische Hilfe. Wir arbeiten mit den Menschen zusammen, damit wir ihnen die Angst nehmen", sagt Fedorenko. Sie betont: „Wir sind für alle da.“

Von Mishka Ernst