AfD-Veranstaltung

Alice Weidel: Rundumschlag im Bürgersaal in Wietze

Gut gefüllt war der Bürgersaal in Wietze am Samstagabend beim Besuch von Alice Weidel. Sie warb für Celles AfD-Landtagskandidaten – und teilte gegen die Bundesregierung aus.

  • Von Marius Klingemann
  • 02. Okt. 2022 | 15:07 Uhr
  • 02. Okt. 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 02. Okt. 2022 | 15:07 Uhr
  • 02. Okt. 2022
Anzeige
Wietze.

Auch vom zwischendurch einsetzenden Platzregen ließen sich die Schaulustigen, die sich am Samstagabend an der Fensterfront des Wietzer Bürgersaals tummelten, nicht irritieren. Im Zentrum des Interesses stand, drinnen wie draußen, Alice Weidel. Die AfD-Bundestagsabgeordnete und Co-Parteivorsitzende war in Celles Westkreis gereist, um dort die Landtagskandidaten Daniel Biermann und Jens-Christoph Brockmann zu unterstützen.

Dass Weidel im voll besetzten Saal – die Sicherheitsleute konnten recht bald niemanden mehr hereinlassen – ein Heimspiel haben würde, war schnell klar. Bei ihrem politischen Rundumschlag konnte sich die 43-Jährige somit des Applauses aus dem Publikum, häufiger auch in stehender Form, sicher sein. Den Hinweis, dass bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag doch bitte das Kreuz für Biermann oder Brockmann (je nach Wahlkreis) zu setzen sei, brachte sie mehrfach unter – fokussierte sich ansonsten aber weniger auf die Niedersachsen- als auf die Bundesebene, und das in zugespitzter Form.

"Habt die Wahl": Weidel ledert in Wietze gegen Bundesregierung

So bekam etwa "Wirtschaftszerstörungsminister" Robert Habeck sein Fett weg, auch dessen kürzlichen "Insolvenz-Fauxpas" in einer ARD-Talkshow ließ Weidel wie zu erwarten nicht unerwähnt. Außenministerin "Annalenchen" Baerbock, deren reelle Berufserfahrung sich auf "ein Praktikum bei der Kreiszeitung" beschränke, schmierte die AfD-Frontfrau nochmal die auf internationalem Parkett getätigte Aussage aufs Brot, dass sie die Ukraine – auch mit Waffenlieferungen – unterstützen werde, "egal, was meine deutschen Wähler denken".

"Die 16 Jahre unter Angela Merkel waren von grüner Politik geprägt."

Alice Weidel, AfD-Spitzenpolitikerin

Die Wähler, die am Samstag in Wietze dabei waren, adressierte Weidel immer wieder direkt: "Die Entscheidung, wie es weitergeht, liegt am Sonntag bei euch." Manch Anwesender hatte seine Entscheidung offenbar schon gefällt: "Keine Sorge", hieß es da.

Bürgersaal: Alice Weidel kritisiert "grüne Politik" und "Flatterstrom"

Die 16 Jahre unter Kanzlerin Angela Merkel, ging es weiter, seien von "grüner Politik" geprägt gewesen. Hier spielte Weidel auf das Abschalten der deutschen Atommeiler an, wovon zum Ende des Jahres auch das niedersächsische AKW Emsland in Lingen betroffen ist. "In einer Industrienation, die gleichzeitig die Atom- und Kohletechnik vom Netz nehmen will, kann doch etwas nicht stimmen."

Auf "Flatterstrom" aus Windkraft könne man sich nicht verlassen, zudem wende sich nun die "selbstgemachte Gas-Abhängigkeit von Russland" ins Negative. Leidtragende seien da die Bürger, denen hohe Energierechnungen ins Haus stünden: "Und die Rettungspakete werden aus Steuern, also mit eurem Geld, bezahlt."

 

60 Demonstranten protestieren bei AfD-Termin in Wietze

Landtagskandidat Daniel Biermann betonte indes, Niedersachsens Schulsystem müsse "für klare Bildungs- und Berufswege" wieder mehr nach dem Raster "Hauptschule – Realschule – Gymnasium" ausgerichtet werden. In Sachen Verkehr müsse die Celler Ostumgehung schnellstmöglich fertigbaut werden, um die Automassen aus der Stadt fernzuhalten.

Vor dem Ratssaal hatten sich rund 60 Demonstranten postiert, die mit Sprechchören und Transparenten wie "Die AfD ist keine Alternative" auf sich aufmerksam machten. Laut Polizei blieb ansonsten alles ruhig.