Zahlen offengelegt

Wathlinger 4G-Park: Minus in allen Sparten

Erstmals seit Gründung des 4G-Parks in Wathlingen gibt es eine Aufschlüsselung, welcher Bereich in welcher Höhe zum Defizit beiträgt. Die Zahlen sind alarmierend. 

  • Von Simon Ziegler
  • 03. Okt. 2022 | 08:45 Uhr
  • 07. Okt. 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 03. Okt. 2022 | 08:45 Uhr
  • 07. Okt. 2022
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Wathlingen.

Jahrelang wurde eine genaue Abrechnung für den Wathlinger 4G-Park gefordert, jetzt sind die Zahlen für die Jahre bis 2020 da. Ergebnis: Alle Sparten des Hauses machen Minus. Die Verwaltung führt die drei Bereiche Mensa, Restaurant und Gemeinde/Dritte auf. Unter der letzten Sparte werden alle Kosten des 4G-Parks zusammengefasst, die nicht auf die Konten von Mensa und Restaurant gehen: etwa Veranstaltungen der Gemeinde oder Kosten für Reinigung und Hausmeister.

Bürgermeister Torsten Harms und 4G-Chefin Kerstin Biedermann sagten gegenüber der CZ, dass man sich alle Ausgaben der vergangenen Jahre genau angeschaut habe. Bei der Zusammenstellung der Zahlen habe eine Steuerberaterin unterstützt. Die Zahlen zeigen im Detail, in welcher Höhe mit Steuergeldern sowohl die Mensa als auch das Restaurant subventioniert wurden. Vor allem die Tatsache, dass die öffentliche Hand seit Jahren Geld in ein gastronomisches Angebot pumpt, sorgt immer wieder für große Kritik. Deshalb hatte der Steuerzahlerbund Niedersachsen die Gemeinde Wathlingen zweimal in seinem Schwarzbuch aufgeführt, zuletzt im Jahr 2021. Im Schwarzbuch 2017 hieß es bereits: "Wathlingen verbrät Steuergelder."

Zahlen bis 2020 vorgelegt

Bei den jetzt von der Gemeinde vorgelegten Zahlen ist die Corona-Krise zu berücksichtigen. 2020 waren sowohl das Restaurant als auch die Mensa monatelang geschlossen. Das hat dazu geführt, dass sowohl die Ausgaben als auch die Einnahmen geringer als 2018 und 2019 waren. Für das Jahr 2021 werde demnächst die Abrechnung vorgelegt, kündigte Biedermann an.

„Ich glaube, dass das Gesamtkonzept des 4G-Parks ein Gewinn für die Gemeinde ist. Da gehört das Restaurant dazu.“

Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms

„Ich glaube, dass das Gesamtkonzept des 4G-Parks ein Gewinn für die Gemeinde ist. Da gehört das Restaurant dazu“, verteidigte Harms das Konstrukt. Biedermann glaubt, dass künftig mit dem Restaurant sogar Gewinn gemacht werden könne. Das dürfte eine gewagte These sein: Denn das Restaurant ist seit seiner Gründung in den roten Zahlen. Jetzt kommen die hohen Energiekosten dazu. Künftig muss zudem damit gerechnet werden, dass sich weniger Bürgerinnen und Bürger einen Restaurant-Besuch leisten können oder wollen.

SPD, Grüne und Bürgerliche Liste mit Kritik

Die Wathlinger Oppositionsparteien können den Optimismus von Harms und Biedermann ohnehin nicht nachvollziehen. „In jeder Teilsparte macht das gemeindegeführte Unternehmen Minus“, betonen SPD, Grüne und Bürgerliche Liste in einer gemeinsamen Erklärung. „Besonders heftig ist, dass jahrelang Kindergärten und Schulen außerhalb der Gemeinde mit Essen beliefert wurden und mit Wathlinger Steuergeldern das Defizit ausgeglichen wurde, während der Rat in dem Glauben gelassen wurde, die Preise seien kalkuliert“, kritisieren die drei Fraktionen. Die Küche des 4G-Parks beliefert die drei kommunalen Kitas in Wathlingen, die beiden Kitas in Adelheidsdorf, die drei Grundschulen der Samtgemeinde, die Oberschule Wathlingen sowie die Grund- und Oberschule in der Blumlage.

Zahlen Wathlinger für Essen von Celler Schülern?

Harms hält dagegen: „Ich bin bereit, für die Wathlinger Einrichtungen ein Minus zu akzeptieren.“ Denn es dürfe nicht sein, dass die Eltern ihre Kinder vom Mittagessen abmelden, weil sie Geld sparen wollen. Was das Minus der Mensa indes für die künftige Belieferung der Einrichtungen in Celle, Adelheidsdorf und Nienhagen bedeutet, bleibt abzuwarten. Es gibt gültige Verträge, für die Grundschule zum Beispiel bis Ende des Schuljahres.

Kritik an Präsentation der Zahlen

SPD, Grüne und Bürgerliche Liste monieren zudem, dass die Zahlen, die zunächst in einer nichtöffentlichen Sitzung des Finanzausschusses vorgestellt wurden, „amateurhaft“ präsentiert worden seien. So wären 150.000 Euro anteilige Personalkosten für das Restaurant gar nicht aufgeführt worden. Auch die Tatsache, dass es für das Jahr 2021 noch keine Abrechnung gebe, stieß auf Kritik. „Das Vertrauen in die Geschäftsführung ist bei uns nicht mehr vorhanden“, so die drei Fraktionen. Sie glauben zudem nicht, dass sich künftig etwas ändern wird. „Das Restaurant macht weiter Minus auf dem Polster der stetig weiterfließenden Steuergelder der Gemeinde Wathlingen, getragen von der knappen Ratsmehrheit aus CDU und FDP.“ Sie befürchten, dass das Minus für dieses Jahr noch deutlich höher ausfallen werde. Unterdessen kündigte Harms an, dass sich die Verantwortlichen des 4G-Parks Gedanken über eine Änderung der Rechtsform machen, um steuerliche Vorteile zu haben. So könnte das Restaurant zum Beispiel in einen „Betrieb gewerblicher Art“ oder in eine gemeinnützige GmbH überführt werden.