Privatbrauerei Weerhuus

Brauen zwischen Tradition und modernem Twist

Angefangen hat es aus einer Bierlaune beim Grillen unter Freunden: Ein Produkt selbst machen. Heute hat die Brauerei "Weerhuus" aus Wathlingen fünf Sorten im Programm und experimentiert weiter.

  • Von Benjamin Behrens
  • 05. Aug. 2022 | 10:44 Uhr
  • 05. Aug. 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 05. Aug. 2022 | 10:44 Uhr
  • 05. Aug. 2022
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Wathlingen.

Im Torbogen zum Garten hinter der Brauerei steht ein Spieltisch mit Murmeln und anderen Gesellschaftsspielen. Daneben steht ein Krökeltisch, hinten im Garten sind mehre Zelte aufgebaut.

Privatbrauerei Weerhuus – Brauhof in Wathlingen

Zur "Zeltwoche" kommen Verwandte und Freunde nach Wathlingen auf den Brauhof an der Dalmanns Twegte. Und das Trio hinter der Privatbrauerei Weerhuus gönnt sich Urlaub, bevor am Samstag, 6. August, mit der "Weerhuus Sommerparty" wieder mit Schankbier, Grillbude, Weinstand und Musik ab 18 Uhr gefeiert wird. "Campen äußerst erwünscht", steht auf den Ankündigungs-Flyern, der Eintritt ist frei.

Tag des Bieres wird mit Sommerparty gefeiert

Die Brüder Bart und Sebastian Proeve und ihr Freund und Nachbar Frederik Göing könnten also ganz im Sinne des Erfinders vom "Internationalen Tag des Bieres" am ersten Freitag im August hineinfeiern in den Tag, der Geselligkeit beim kühlen Bier zelebriert. Ins Leben gerufen wurde der Tag 2007 in Kalifornien von Jesse Avshalomov in einer Bar in Santa Cruz. Aus der launigen Idee mit Freunden entwickelte sich ein Trend, der heute in vielen Ländern begangen wird, um Bier, Brauer, Gastronomen und Geselligkeit zu zelebrieren.

Aus Bierlaune gegründet

"Bei uns ist immer Tag des Bieres", sagt Bart Proeve und grinst. Angefangen hatten die drei Brauerei-Gründer ganz klein und, wie könnte es anders sein, aus einer Bierlaune heraus. Ab 2010 grillten die drei Nachbarn jeden Freitag gemeinsam und läuteten entspannt das Wochenende ein. "Tatsächlich kam da irgendwann die Idee auf, was man mal zusammen als Produkt herstellen könnte. Destillation war die erste Idee", erinnert sich Proeve.

Mit Bier aus dem Glühweinkessel experimentiert

Die Auflagen und Lizenzen waren jedoch zu hoch, auch für einen kleinen Rahmen. "Bier war dann die nächste Idee. Das haben wir dann für uns selber ausprobiert." Nach den Heim-Brau-Kits aus dem Internet wurde auch mit Bier aus dem Glühweinkessel experimentiert. "Das ging relativ schnell recht gut." Der in Heimarbeit gebraute Trunk schmeckte, auch die Idee, mit relativ wenigen natürlichen Zutaten ein vielfältiges Produkt zu erschaffen, war reizvoll. Und so gärte und blubberte es bald nicht mehr nur in den Braukesseln, sondern auch in den Köpfen wuchsen die Ideen. 2018 gründete das Trio die Privatbrauerei Weerhuus.

Althergebrachte Sorten

"Wir machen ganz althergebrachte Sorten, ohne irgendwas hinzuzufügen oder rauszufiltern", verspricht der 46-Jährige. "Transparenz ist uns wichtig", betont er. Wer den Verkaufsraum betritt, blickt durch Glasscheiben direkt auf die drei Braukessel, den Maischebottich und weitere Gerätschaften und kann den Brauern auf die Finger schauen.

"Dorfbier" klassisches Pils, das "Fruchtige" als Pale Ale

Im kleinsten Tank mit 250 Litern entsteht das "Spezial", ein Sondersud, aus dem je nach Lust und Laune unterschiedliche Biersorten entstehen – "immer das, worauf wir Bock haben, es auszuprobieren". Im Sommer geht ein "Junges" als Schankbier direkt vom Tank auf die Zapfanlage für die Hoffeiern. "Helles" geht in die Richtung der klassischen Lagerbiere. Freunde der würzig-fruchtigen Pale Ales werden mit dem "Fruchtigen" bedient. Das "Dunkle" bietet Röstaromen und süß-malzige Noten. "Das Dorfbier ist unser klassisches Pils, das wir zum tausendjährigen Bestehen des Ortes aufgelegt haben", erläutert der Brauer.

Corona-Pandemie geht bei kleinen Brauern an die Substanz

Während Großbrauereien die Absatzeinbußen durch Corona deutlich spüren, ging die Pandemie bei kleinen Brauern schnell an die Substanz – vor allem, wenn diese zu schnell zu viel wachsen wollten, ist sich Proeve sicher. Auch kleine Brauereien spürten die Pandemie – allerdings anders als Großbrauereien, bei denen ohne Veranstaltungen und durch geschlossene Gastronomie der Absatzmarkt schrumpfte. "Das sieht man an Brauereien in der Umgebung, die schon zum Start von Corona nicht mehr dem hinterhergekommen sind, was sie aufgebaut hatten. Weil es nicht langsam ging und gesund, sondern gleich mit zehn verschiedenen Sorten, und die wurden auch gleich im Supermarkt platziert. Und leere Regale funktionieren dort halt nicht", sagt Proeve.

Bier nicht pasteurisiert und filtriert

Die Brauer bleiben realistischer. "Bei unserer Größe bedeutet das für pro Tank vier bis sechs Wochen Lagerung, die sind dann besetzt", erläutert Proeve. Das heißt auch, dass nicht immer alle Sorten Weerhuus-Bier verfügbar sind. "Wir pasteurisieren nicht, wir filtrieren nicht. Das heißt, man hat immer trübe Biere und Schwebhefe-Biere. Das bedeutet wiederum, dass das Bier im Kühlschrank stehen muss, weil sonst die Hefe weiterarbeitet und sich recht schnell der Geschmack verändert", so der Brauer. Im Kühlschrank hält sich das Bier auch drei Monate – ein Richtwert.

Hauseigener Wochenmarkt

Statt Supermarkt ist also der Verkauf vor Ort in der Brauerei das Hauptgeschäft, zusammen mit dem hauseigenen Wochenmarkt. "Der Markt läuft etwas schwer an, auch das ist leider ein Problem, das durch Preissteigerung und den Ukraine-Krieg ganz deutlich ist", bedauert Proeve. Dafür läuft der Bier-Absatz umso besser, wahlweise gibt es Bier im Fässchen samt Leih-Zapfanlage. Das schätzt auch Hajo Eichstedt. "Ab und zu gönnen wir uns das mal. Es ist ja auch lecker", sagt der 64-jährige Nienhäger.