Opfer kämpfte mit dem Tod

Nach blutigem Streit in Wathlingen: Bundeswehrsoldat gesteht Messerangriff

Ein Streit in Wathlingen vor fast einem Jahr eskalierte und endete im 4G-Park mit einem blutigen Messerangriff auf einen 20-Jährigen. Dafür müssen sich seit Freitag zwei junge Männer vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Einer der Angeklagten gestand zum Prozessauftakt die Tat.

  • Von Benjamin Reimers
  • 13. Jan. 2023 | 18:52 Uhr
  • 13. Jan. 2023
Nizar T. versetzte dem Opfer einen Stich in die Schulter. Die Folgen waren dramatisch: mehrere Rippen verletzt, die Klinge ging bis zur Brusthöhle.
  • Von Benjamin Reimers
  • 13. Jan. 2023 | 18:52 Uhr
  • 13. Jan. 2023
Anzeige
Wathlingen.

Zwei 21 Jahre alte Männer müssen sich seit Freitag wegen eines blutigen Streits in Wathlingen vor dem Lüneburger Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Bundeswehrsoldat Nizar T. versuchten heimtückischen Mord und Emer Ö. gefährliche Körperverletzung vor.

Streit in Döner-Imbiss in Wathlingen eskaliert später im 4G-Park

Vor der 4. Großen Jugendkammer geht es um eine Tat, die fast genau ein Jahr zurückliegt. Am Mittwoch, 26. Januar 2022, kochten im Bereich des 4G-Parks an der Kantallee gegen 18.30 Uhr die Emotionen hoch. Laut Anklageschrift soll Emer Ö. zunächst versucht haben, „aus Rache für eine vorangegangene Verletzung“ den 20 Jahre alten Solaranlagenbauer Mohammed S. zu verprügeln. Wenige Stunden zuvor hatte Ö. bei einer Auseinandersetzung in einem Döner-Imbiss in Wathlingen leichte Blessuren erlitten. Er wollte das nicht auf sich sitzen lassen.

„Das sollte eins zu eins geklärt werden. Ich zog mein Dienstmesser und wollte nur seinen Arm treffen. Irgendwie drehte er sich und ich traf die Schulter."

Nizar T., Bundeswehrsoldat

Bundeswehr-Soldat attackiert Opfer von hinten

Rund zehn Personen versammelten sich im Park, die per Telefon dorthin gerufen wurden. Emer Ö. stürmte mit einem Schlagstock auf Mohammed S. zu. Ein Mann namens Daniel griff ein und entwaffnete ihn. Die Situation schien beruhigt. Jetzt trat Nizar T. in Erscheinung, schlich sich von hinten an Mohammed S. heran und versetzte ihm einen Stich in die Schulter. Die Folgen waren dramatisch: mehrere Rippen verletzt, die Klinge ging bis zur Brusthöhle. Ärzte retteten dem 20-Jährigen durch mehrere Operationen das Leben.

Die Szenen waren chaotisch am 4G-Park: Rund zehn Menschen waren in den blutigen Streit verwickelt.

Tatwaffe bis heute verschwunden

„Es tut mir leid, was ich angerichtet habe. Es war so nicht gewollt“, sagte Nizar T.. Der Bundeswehrsoldat legte dar, er sei in Uniform „direkt vom Dienst“ nach Wathlingen gefahren, um Kumpel Emer Ö. zu helfen. „Das sollte eins zu eins geklärt werden. Ich zog mein Dienstmesser und wollte nur seinen Arm treffen. Irgendwie drehte er sich und ich traf die Schulter.“ Jeder habe versucht, aufeinander loszugehen. T. verschwand vom Tatort und entsorgte das Messer. Es ist bis heute verschwunden.

Streit mit dramatischen Folgen

„Um was ging es eigentlich?“, fragte der Vorsitzende Richter Michael Herrmann. „Da hatten Leute Streit, das weiß ich. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen“, antwortete der 21 Jahre alte Soldat. Herrmann wirkte zerknirscht. „Das Ganze war irgendwie ein Rückspiel mit dramatischen Folgen“, kommentierte der Vorsitzende Richter. Nachdem Mohammed S. den Schwurgerichtssaal betreten hatte, gab er zu, Emer Ö. im Lokal attackiert zu haben. „Das ging von mir aus.“ Danach erhielt der junge Mann einen Anruf von dem Bruder des Angeklagten, der ihn in den 4G-Park bestellte. Schnell entwickelte sich ein Durcheinander. „Nachdem Daniel eingriff und Emer den Stock wegnahm, merkte ich einen Schlag“, gab S. zu Protokoll.

Beschuldigten drohen mehrere Jahre Gefängnis

T. entschuldigte sich im Gerichtssaal persönlich bei seinem Opfer. „Ja, ich nehme das an“, sagte Mohammed S. Dann verabschiedete sich der 20-Jährige von den Richtern. Der Prozess wird am Mittwoch, 18. Januar, fortgesetzt. Dann will Emer Ö. aussagen. Ende Februar will die Kammer ein Urteil sprechen. Den Beschuldigten drohen mehrere Jahre Gefängnis.