Nach Mediation

Es bleibt heiß am Kaliberg in Wathlingen

Die Mediation ist nach knapp einem Jahr vorbei, die Meinungen zur die Zukunft des Kalibergs in Wathlingen bleiben geteilt. Die zentrale Frage geht unter Tage.

  • Von Marius Klingemann
  • 27. Sept. 2022 | 09:58 Uhr
  • 30. Sept. 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 27. Sept. 2022 | 09:58 Uhr
  • 30. Sept. 2022
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Wathlingen.

Mehr als fünf Jahre ist es her, dass das Bergbauunternehmen K+S bei Niedersachsens Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) beantragt hat, den Wathlinger Kaliberg abzudecken und zu begrünen. Was vor Ort genau passieren kann, ist allerdings nach wie vor nicht geklärt – zu unterschiedlich waren und sind die Positionen der am Verfahren beteiligten Parteien.

Um hier Bewegung reinzubringen, ist im vergangenen Oktober ein Mediationsverfahren unter Leitung des Kölner Konfliktmanagers Jan Nicolai Hennemann gestartet. Am gestrigen Montag, rund 200 Sitzungsstunden später, wurden nun die Ergebnisse vorgestellt – was schnell klar war: Umfassende Einigkeit ist weiter nicht in Sicht.

Landesamt: Material kann nicht zurück in Kalistollen

Mit dabei waren beim Pressetermin im 4G-Park unter anderem Samtgemeinde-Bürgermeisterin Claudia Sommer, Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms sowie seine Amtskollegen Armin Pollehn (Burgdorf) und Florian Gahre (Uetze). LBEG-Sprecher Stefan Wittke räumte zu Beginn, so zumindest die aktuell noch nicht bindende Ansicht seiner Behörde, die Variante "Abtragung" vom Tisch.

Im nahen Kalischacht Riedel bei Hänigsen sei wegen der 2007 gestarteten Flutung nämlich nicht mehr genug Platz, um die Halde Niedersachsen – das ist der offizielle Name des Kalibergs – wieder komplett dort herunter zu verfrachten. "Das Gestein hat seit der Zutageförderung auch sein Volumen verändert", ergänzte Wittke, außerdem seien Teile des Stollens nicht mehr gefahrlos betretbar.

Grundwasser-Versalzung reduzieren – auf welchem Weg?

Für den Celler Kreisverband der Umweltorganisation BUND bekräftigte Christian Sauer, dass man zumindest eine teilweise Rückführung des zuvor abzufräsenden Materials – Größenordnung "30 bis 40 Prozent" – für machbar halte. "Damit würde weniger Abdeckmaterial für die Halde benötigt und die Versalzung des Grundwassers reduziert."

Letzteren Punkt sieht das LBEG auch bei der von ihm favorisierten Lösung erfüllt, und zwar der Beinahe-Komplettabdeckung des Berges. Sein "Wurmfortsatz" im südwestlichen Bereich soll demnach über etwas mehr als eineinhalb Jahre abgefräst werden, der Rest dann mit Ton, sogenannten Z2-Material ("unbelastetem Bauschutt") und schließlich einer Kulturschicht zum Begrünen bedeckt – angesetzte Dauer bei einer Höchstmenge von jährlich 600.000 Tonnen: knapp 22 Jahre.

Stefan Wittke: "So reduzieren wir letztlich die ins Grundwasser übertretenden Salzmengen gravierend." Ein "optimaler" Chlorid-Gehalt sei unter einer Kalihalde schwerlich erreichbar, "wir verbessern die Werte im Vergleich zu heute aber wesentlich".

Kaliberg: Wathlingen und Nienhagen blicken auf Lkw-Verkehr

Entschieden ist nichts, das LBEG gibt die Mediations-Ergebnisse nun nochmal in die Fachprüfung und hofft, "in absehbarer Zeit" mit dem Planfeststellungsverfahren starten zu können. Bis das soweit ist, wird es auch darum gehen, wie und wann die konkreten Arbeiten am Kaliberg vonstatten gehen können. Die Gemeinden Wathlingen und Nienhagen fordern eingeschränkte Betriebszeiten (7 bis 15.30 Uhr) sowie ein neuerliches Verkehrs- und Lärmschutzgutachten für das zu erwartende Lkw-Aufkommen. Und: "In Zeiten steigender Knappheit ist die Verwendung von Fuhsewasser zum Lösen von abgefrästem Haldenmaterial nicht tolerierbar."