22 Tiere befreit

Hunde-Problem war bekannt - nichts passierte

Viele Anwohner und auch das Veterinäramt wussten von den Hunden, die in Spechtshorn nicht artgerecht gehalten wurden. Darum ist nicht eher etwas passiert.

  • Von Carsten Richter
  • 06. Aug. 2022 | 17:00 Uhr
  • 06. Aug. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 06. Aug. 2022 | 17:00 Uhr
  • 06. Aug. 2022
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Spechtshorn.

Viele bellende Hunde auf einem Gelände – so etwas kann in einem kleinen Dorf wie Spechtshorn nicht unbemerkt bleiben. Und das ist es auch nicht. Wie viele Tiere sich aber tatsächlich auf dem vermüllten Grundstück einer 29-Jährigen befanden, wussten wohl nur die wenigsten Menschen im Ort. "So genau erkennen konnte man das nicht", sagt ein Anwohner. Wie der Mann, der anonym bleiben möchte, haben auch andere Einwohner schon seit Längerem versucht, etwas gegen die Zustände auf dem Grundstück zu unternehmen. Das wurde nach dem CZ-Bericht über die 22 von Polizei und Kreisveterinäramt befreiten Hunde in vergangenen Woche deutlich. Nur: Passiert war bislang nichts.

Anwohner in Spechtshorn: "Massen an Hunden nicht gesehen"

Vor zwei Jahren sei die Frau, gegen die nun auch wegen Beleidigung und Bedrohung mehrere Verfahren eingeleitet wurden, in das Haus in Spechtshorn eingezogen, sagt der Anwohner. Dass sich mehrere Hunde auf dem Grundstück befinden, war kein Geheimnis. "Massen an Hunden aber hat man nie gesehen", meint er. "Man hat die Frau auch nie mit ihren Hunden spazieren gehen sehen." Viel wussten die Dorfbewohner offenbar nicht von der Frau. Sie habe sich "immer abgekapselt", sagt der Anwohner. Er vermutet, dass die Tiere nachts heimlich angeliefert worden seien. Tagsüber sei die 29-Jährige nicht da, und die Hunde seien allein gewesen. Die Zustände hätten ihm, der selbst einen Hund hat, "in der Seele wehgetan", sagt er, weshalb er schon vor mehr als einem Jahr das Veterinäramt in Celle verständigt habe, das letzte Mal vor etwa zwei bis drei Wochen. Ein Hund sei immer ausgesperrt gewesen und habe den ganzen Tag gebellt. "Das war wohl ausschlaggebend", vermutet er den Grund der nun geschehenen Befreiungsaktion.

Landkreis Celle braucht richterlichen Durchsuchungsbeschluss

Landkreis-Sprecher Lukas Kloth sagt auf CZ-Anfrage, dass alle beim Veterinäramt eingehenden tierschutzrechtlichen Hinweise geprüft und gegebenenfalls weitergehende Maßnahmen getroffen würden. Wie viele Hinweise es gegeben hat, dazu macht Kloth keine Angaben. Auch in diesem Fall sei die Tierhaltung überprüft worden. "Ein eigenmächtiges Betreten von Wohnungen ist für Amtstierärzte jedoch nicht ohne Weiteres möglich. Für einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss müssen konkrete Beweise hinsichtlich tierschutzrechtlicher Missstände vorliegen", so der Sprecher. Am Dienstag vergangener Woche seien die Tiere während eines Polizeieinsatzes "in tierschutzwidriger Haltung aufgefunden" worden. Das Gelände wurde durchsucht, weil die Frau diverse Gegenstände unterschlagen haben soll. Dabei wurden auch die Hunde entdeckt und der Frau weggenommen. Ob sie ihre Tiere zurückbekommt, kann Kloth mit Verweis auf das laufende Verfahren noch nicht sagen.

Hundehalterin im Tierschutzverein aktiv

Es klingt paradox und ist für viele Menschen nicht nachvollziehbar: Die 29-Jährige ist Mitglied im Celler Verein aktiver Tierfreunde. Erst im Mai sei sie in den Vorstand gewählt worden, wo sie das Amt der Schriftführerin innehatte, bestätigt die Vorsitzende Gabriele Schwarz gegenüber der CZ. Von diesem Amt sei sie von sich aus am vergangenen Sonntag zurückgetreten. Bekannt sei gewesen, dass die Spechtshornerin Tiere hält und auch welche aufnimmt. Über die Anzahl der bei ihr gefundenen Hunde aber sei der Verein überrascht gewesen. "Das hat niemand gewusst. Wir haben sie als engagierte Tierschützerin kennen gelernt", so Schwarz.