Trassenneubau

Widerstand: No way für die Deutsche Bahn?

500 Bürger kamen zur Infoveranstaltung. Die Forderung ist klar: Alpha E umsetzen und keine neue Bahntrasse durch die Heide. Doch will das die Bahn?

  • Von Christopher Menge
  • 05. Juli 2022 | 18:11 Uhr
  • 05. Juli 2022
  • Von Christopher Menge
  • 05. Juli 2022 | 18:11 Uhr
  • 05. Juli 2022
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Offen.

Wie lautet der Auftrag der Deutschen Bahn an die Planer? Eigentlich sollte er lauten: Bitte setzt den Beschluss zu Alpha E aus dem Celler Dialogforum um – also plant den Ausbau der Bestandsstrecke! Christian Böker, Mitglied des Projektbeirates, hat daran aber längst den Glauben verloren. "Gesucht wird die schnellste und wirtschaftlichste Verbindung zwischen Hamburg und Hannover", sagte der Berger am Montagabend bei einer Informationsveranstaltung auf dem Hof Otte in Offen. Ortsbürgermeister Cord Otte hatte dazu in seine Scheune geladen, rund 500 Bürger kamen. Gemeinsam will man nun eine Neubaustrecke durch die Lüneburger Heide verhindern.

Neue Bahnstrecke würde durch Bergen, Celle und Hambühren führen

Für Böker steht eins fest: "Die Bahn will den Personen- und Güterverkehr trennen", so das Projektbeirat-Mitglied. "Die Bahn will die Neubaustrecke." Entschieden ist allerdings noch nichts. Die stellvertretende Landrätin Kirsten Lühmann (SPD), bis vor einer Woche Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn, geht davon aus, dass die Bahn die möglichen Varianten bis Ende des Jahres dem Bundesverkehrsministerium vorstellt. Wenn die Neubaustrecke durch die Lüneburger Heide den Zuschlag erhält, würden die Züge von Hamburg kommend westlich an Becklingen und Wardböhmen vorbeifahren, ehe sie die B3 vor Bleckmar kreuzen. Der weitere Streckenverlauf führt zwischen Lohheide und Bergen und dann direkt an der Erinnerungsstätte "Rampe" bei Belsen vorbei. Hinter Offen kreuzt die Strecke erneut die B3. Die Züge rauschen dann Richtung Hustedt, dann wieder über die Bundesstraße, zwischen Hambühren und Celle hindurch und fahren schließlich auf die Bestandsstrecke Richtung Hannover.

Abgeordnete wollen gemeinsam für Alpha E kämpfen

"Wenn der Projektbeirat ruft, dann müssen wir stehen", sagte Lühmann. "Wir beeindrucken nur mit Masse." Ziel müsse es sein, dass der Bundestag die Entscheidung an sich ziehe – und sich schließlich eine Mehrheit für Alpha E findet.

Der Becklinger Kreistagsabgeordnete Jan-Hendrik Hohls (CDU) rief dazu auf, dass sich die Bürger wieder im Aktionsbündnis gegen den Trassenneubau engagieren und sich vor Ort der Widerstand formiert. "Hier stehen wir alle zusammen", ergänzte der CDU-Landtagsabgeordnete Jörn Schepelmann. "Wir werden einen langen Atem brauchen."

Alpha E: Dettmar-Müller und Bode fahren ins Bundesverkehrsministerium

Bergens Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller gab sich kämpferisch. "Die DB hat die Rechnung ohne uns gemacht", so die Verwaltungschefin. Gemeinsam mit dem Celler FDP-Landtagsabgeordneten Jörg Bode reist Dettmar-Müller am Freitag nach Berlin zu einem Termin im Bundesverkehrsministerium. Bode setzt darauf, dass Staatsekretär Michael Theurer (FDP) sein Wort hält und "alles dafür tut, dass Alpha E umgesetzt wird".

Für Henning Otte ist Neubautrasse keine Alternative

Für den Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte gibt es "no way für die Deutsche Bahn". "Ob die Deutsche Bahn eine Variante entlang der A7 und B3 favorisiert oder einen Neubau zwischen Ashausen und Suderburg beziehungsweise Unterlüß – beides wäre kein Bestandsausbau, der vereinbart wurde", so Otte in einer Pressemitteilung. Auch seien ein „Schönrechnen“ einer Neubaustrecke und ein rechnerisches Überfrachten der Bestandsstrecke mit unnötigen Kosten nicht zielführend.

Otte nimmt Verkehrsminister Wissing in die Verantwortung

Die Entflechtung von schnellem Fernverkehr einerseits und Güter- sowie Personennahverkehr andererseits habe zur Folge, dass die Städte Celle, Uelzen und Lüneburg vom Fernverkehr abgehängt würden. „Der Bundesverkehrsminister Wissing ist aufgefordert, das Votum aus der ganzen Region umzusetzen“, fordert Otte die Umsetzung von Alpha E.

Widerstand gegen Pläne der Deutschen Bahn angekündigt

„Ich sehe das als Betrug am Bürgerwillen, wie er im Abschlussdokument zum Alpha-E zum Ausdruck kam. Unsere Heimat steht geschlossen hinter einem Ausbau im Bestand und gegen einen Neubau. Wenn es darauf ankommt, wird die Deutsche Bahn diesen Bürgerwillen spüren. Die Baupläne der Deutschen Bahn sind abzulehnen“, so Henning Otte.