Ehedrama im Rathaus

Mann tötet Ehefrau und begeht Selbstmord

Mann ermordet seine Frau an ihrem Arbeitsplatz im Nienhäger Rathaus und begeht Selbstmord. So berichtete die Cellesche Zeitung am 14. Januar 2003.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 23. Sept. 2022 | 13:25 Uhr
  • 29. Sept. 2022
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  • 29. Sept. 2022
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Nienhagen.

Tragisches Ende eines Ehestreits: Nach einer tätlichen Auseinandersetzung im Rathaus Nienhagen starben ein Mann aus Wathlingen und seine Ehefrau. Der Mann hatte die 54-Jährige in ihrem Büro aufgesucht. Während des Streits wurde die Frau von ihrem Ehegatten mit einem Messer in die Brust gestochen. Danach richtete er die Waffe gegen sich selbst. Während der 54-Jährige vor Ort starb, erlag seine Frau im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Mann verstarb vor Ort/ Frau später in der Notaufnahme

Bürger, die gestern Vormittag in das Nienhäger Rathaus wollten, wurden von Beamten der Bereitschaftspolizei abgefangen und freundlich, aber bestimmt abgewiesen. Der Grund: Mitarbeiter der Spurensicherung suchten im Gebäude nach Hinweisen auf den genauen Tathergang und das Motiv. Beides blieb jedoch zunächst unklar. Der Mann hat um 10.10 Uhr das Rathaus betreten, kurz zuvor soll er noch bei einem Bekannten in Adelheidsdorf gesehen worden sein. Nach einem lautstarken Streit muss es zu dem Tötungsdelikt gekommen sein. Eine Praktikantin des Pflegedienstes fand die beiden Personen im Büro der Sozialstation. Während der Mann noch vor Ort verstarb, wurde die Frau nach Celle in ein Krankenhaus gebracht, wo sie nach einer Notoperation gegen 16.30 Uhr ihren Stichverletzungen im Brustbereich erlag. Nach ersten Erkenntnissen hat der Mann sich seine Verletzungen selbst beigebracht. Fest steht, dass die Frau sich von dem 54-Jährigen getrennt hatte und von Wathlingen nach Celle gezogen war. Der Mann soll Alkoholiker gewesen sein und eine Entziehungskur in den Wahrendorffschen Anstalten hinter sich haben. Die zierliche Frau habe im Kollegenkreis Befürchtungen geäußert, dass ihr Mann die Nerven verlieren und sich bei der Arbeit in der Sozialstation aufsuchen könnte. „Hoffentlich passiert nichts“, soll sie Bekannten anvertraut haben.

Ablauf der Tat ist unklar

Auf einen genauen Ablauf konnte die Polizei sich gestern noch nicht festlegen. Was die Beamten irritiert, ist die Tatsache, dass neben der Tatwaffe ein zweites Messer am Tatort im ersten Stock des öffentlichen Gebäudes gefunden wurde – ohne Blutspuren an der Klinge. Neben dem Notarzt waren Einsatzkräfte des Polizeikommissariats Wathlingen zuerst vor Ort. Beamte des Zentralen Kriminaldienstes und des Erkennungsdienstes aus Celle sowie vom Polizeikommissariat Celle folgten. Auch der sofort verständigte Landrat Klaus Wiswe sowie Nienhagens Bürgermeister Klaus Gärtner (beide CDU) fanden sich am Tatort ein. Gärtner: „Ich war über die Straße beim Einkaufen, kam kurz nach der Tat ins Rathaus. Man kann gar nicht mehr normal denken.“ Geregelte Arbeit sei an diesem Tag nicht möglich gewesen. „Die Behördentätigkeit wurde auf das Nötigste beschränkt, der Publikumsverkehr ganz eingestellt“, so Gärtner. Auch Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Grube (SPD) war tief betroffen: „Eine solche Tat in einem öffentlichen Raum wie dem Rathaus hat schon einen seltsamen Beigeschmack. Sie zeigt aber auch, dass man sich gegen Familiendramen nicht schützen kann.“

Bereits zweiter Mordfall in den vergangenen neun Monaten

Der Vorgesetzte der Toten, Samtgemeinde-Ordnungsamtsleiter und Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes, Stefan Hausknecht, räumte ein: „Ich hätte mir so eine schlimme Situation niemals vorstellen können.“ Dies war bereits das zweite Ehedrama in der Samtgemeinde Wathlingen in den vergangenen neun Monaten. Im April 2002 wurde eine 54-jährige Kauffrau von ihrem Ehemann in der gemeinsamen Wathlinger Wohnung erwürgt.

Von cz