Bessere Ausstattung gefordert

Gewerkschaft: Polizei ist Automatensprengern unterlegen

Wie in Nienhagen vor zwei Wochen werden immer wieder Geldautomaten gesprengt. Jetzt beraten die Innenminister darüber, was im Kampf gegen die Täter helfen soll.

  • Von Simon Ziegler
  • 28. Nov. 2022 | 19:05 Uhr
  • 28. Nov. 2022
Nach der Explosion in Nienhagen hatten die Täter einen vierstelligen Betrag erbeutet. Wie Geldautomaten sicherer werden, darüber beraten jetzt die Innenminister der Länder.
  • Von Simon Ziegler
  • 28. Nov. 2022 | 19:05 Uhr
  • 28. Nov. 2022
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Nienhagen.

Der gesprengte Sparkassen-Automat in Nienhagen ist längst kein Einzelfall. Immer wieder kommt es vor, dass Geldautomaten in die Luft gejagt werden. Weil das Problem immer größer wird, sind die Sprengungen in dieser Woche Thema bei der Innenministerkonferenz in München. Im Kampf gegen die Kriminellen hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine bessere Ausstattung gefordert.

Polizei kommt Tätern nicht hinterher

So hat der GdP-Vorsitzende Jochen Kopelke in einem Interview darüber geklagt, dass die Polizei den Geldautomatensprengern technisch unterlegen sei. „Bei der Flucht der Täter beispielsweise kommen wir oft schlicht nicht hinterher.“ Sie führen hoch motorisierte Sportwagen, mit denen sie jeden Streifenwagen abhängen könnten. „Selbst die teils veralteten Polizeihubschrauber haben es schwer.“

Polizisten sind Profi-Sprengern unterlegen

Auch in die Fortbildung der Beamten müsse investiert werden. „Viele Polizisten fühlen sich auf diese Einsätze schlecht vorbereitet. Wir haben es mit skrupellosen Gangstern zu tun: Profi-Fluchtfahrer, Profi-Sprenger und so weiter“, wird Kopelke zitiert. Es spricht von sehr gefährlichen Verbrechen, bei dem die Täter sowohl das Leben von Anwohnern als auch von Polizisten aufs Spiel setzten.

Vor zwei Wochen Kassenhalle in Nienhagen verwüstet

In Nienhagen war in der Nacht zu Samstag, 12. November, das neue Sparkassen-Gebäude an der Dorfstraße massiv beschädigt worden. Die gesamte Kassenhalle wurde bei der Explosion verwüstet. Nach Angaben der Polizei hatten die Täter einen vierstelligen Betrag erbeutet. Das Geld sei laut Sparkasse allerdings mittels Farbpatronen unbrauchbar gemacht worden.

Täter kommen häufig aus Niederlanden

Mit der Aufklärung ist die Zentrale Kriminalinspektion in Lüneburg beschäftigt. Deren Sprecher Stefan Budde wollte auf CZ-Anfrage mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nichts zur genauen Anzahl der Täter und dem Fluchtfahrzeug sagen. Bekannt ist bisher lediglich, dass es mindestens zwei Täter gewesen seien. „Die Täter kommen häufig aus den Niederlanden“, sagte Budde. Ob das auch für die Tat in Nienhagen gelte, werde derzeit abgeglichen. „Man kann davon ausgehen, dass es immer mehrere Täter sind, die hochmotorisierte Fahrzeuge haben“, so der Polizeisprecher weiter.

Pistorius macht Banken Druck

Unterdessen hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius Banken und Sparkassen aufgefordert, ihre Automaten nachzurüsten und zu sichern. Es ärgere ihn, dass die Geldhäuser nicht in der Lage seien, die gleichen Maßnahmen zu treffen wie Banken in den Niederlanden, sagte der SPD-Politiker. Versuche dort jemand, einen Automaten zu sprengen, werde das Geld zerstört oder verklebt – was in Deutschland keineswegs immer der Fall sei. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Banken und Sparkassen so lange brauchen.“ Pistorius schloss eine entsprechende Bundesratsinitiative nicht aus, um Banken zur Nachrüstung zu verpflichten.