Schlosstheater Landpartie

So hart arbeiten Techniker des Schlosstheaters

Viel Arbeit wartet auf die Techniker bei der Landpartie des Schlosstheaters. In Müden wurde "Der Vorname" aufgeführt.
  • Von Jürgen Poestges
  • 02. Juli 2022 | 14:00 Uhr
  • 02. Juli 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 02. Juli 2022 | 14:00 Uhr
  • 02. Juli 2022
Anzeige
Müden.

Als das letzte Bühnenteil im Lkw verstaut ist, geht die Uhr gegen 23.30 Uhr. „Das ist natürlich ein langer Tag“, sagt Roberto Langenhahn. „Aber es macht Spaß und ist eine schöne Abwechslung gegenüber der Arbeit im Theater.“ Der Bühnenmeister des Schlosstheaters ist mit drei Kollegen bei der „Landpartie“ im Einsatz. An diesem Freitag steht die Komödie „Der Vorname“ auf dem Winkelhof in Müden auf dem Programm. Eine Produktion, die einen aufwändigen Bühnenaufbau verlangt.

Zwei Vorstellungen auf dem Winkelhof

Dazu kommt, dass an diesem Tag auf dem Winkelhof eine zweite Veranstaltung stattgefunden hat: „Laura war hier“ wurde am Vormittag gezeigt, rund 100 Schul- und Kindergartenkinder waren dabei. „Da waren Kollegen vor Ort, die haben wir um 13 Uhr abgelöst und dann die Bühne umgebaut“, erzählt Langenhahn. Aus der dreigeteilten Bühne musste eine große gemacht werden, danach wurde dann die Kulisse für den „Vornamen“ – eine Dachterrasse auf einem Pariser Haus – aufgebaut. „Aber weil wir relativ früh hier waren, lief das ohne Stress ab.“

Die verschiedenen Spielorte werden im Vorfeld schon einmal abgefahren, um sich anzuschauen, wie und wo die Bühne aufgestellt werden kann, wie die Technik dazu aussehen kann. „Hier in Müden waren wir aber schon häufiger“, sagt Langenhahn, „da müssen wir nichts mehr abklären im Vorfeld.“

„Jetzt hängen wir im Baum“

Jetzt sind Beleuchter Kai Peter und die Bühnentechniker Markus Dräger rund Ortwin Maahs dabei, die Lampen zu positionieren und auszurichten. „Oh, jetzt hängen wir im Baum“, ruft Peter, als die Strahler beim Hochdrehen in den Ästen eines kleinen Baumes hängen bleiben. Also wieder runterdrehen und einen halben Meter verschieben. Dann klappt es.

Als es daran geht, die Stühle für die Besucher aufzustellen – immerhin ist der Abend mit rund 190 Zuschauern ausverkauft –, kommen auch die Betreiber des Winkelhofes, Karen Mahn und Hansjörg Oevermann, zum Einsatz. „Wir sind eigentlich schon dabei, seit es die Landpartie gibt“, erzählt Mahn. „Im ersten Jahr gab es den ,Zerbrochenen Krug‘. Da sind die Schauspieler durch die Örtze gelaufen“, erinnert sie sich. Und auch Thomas Wenzel, heute wie damals im Ensemble, erinnert sich noch gut. „Da musste ich wirklich ins Wasser steigen und unter der Brücke durchlaufen. Das war ein echtes Spektakel“, erzählt er lachend.

So nehmen die Stuhlreihen nach und nach Form an. Dabei helfen die Töchter des Hauses, Paula (18) und Hanna Rose (14) fleißig mit. „Ohne die beiden wären wir an solchen Tagen aufgeschmissen“, sagt die Mama. Und weist dann auf die andere Seite des großen Grundstücks. „Da drüben arbeitet gerade die wichtigste Frau des Abends“, sagt sie. Gemeint ist Manuela Dageförde. Sie ist für die Verpflegung der Zuschauer zuständig. „Das ist immer ein klein wenig ein Glücksspiel“, sagt sie. „Mal hab' ich zu wenig, mal hab' ich zu viel. Aber hungrig ist noch niemand geblieben bei uns“, sagt sie und schmunzelt, bevor sie sich wieder ihren Gerätschaften zuwendet.

Beim Regenschauer müssen Stühle weg

Und dann setzt ein Regenschauer ein. Was tun? Man entscheidet sich nach kurzer Diskussion, die Stühle zu stapeln, damit die Sitzflächen nicht nass werden. Bühnentechniker und Winkelhof-Familie sind wieder im Einsatz. Und als sie fertig sind – hört der Regen wieder auf. Also alles wieder zurück.

Es ist nach 18 Uhr, als die Schauspieler ankommen. Chauffiert von Lucas Rosenbaum, bringen sie auch die Kostüme und die letzten Requisiten mit. Schließlich gibt es ja während der Aufführung auf der Bühne einiges zu essen. Regieassistentin Aurélie Feucht macht sich daran, alles entsprechend zu verteilen auf der Bühne. Währenddessen ziehen sich die Schauspieler um, die ersten Zuschauer trudeln ein. Das Gelände füllt sich nach und nach.

Für Thomas Wenzel, der im „Vornamen“ den Pierre spielt, gehört der Winkelhof in Müden zu den schönsten Locations auf der Landpartie. „Hier macht es wirklich großen Spaß, dieses tolle Grundstück hier bietet sich für solche Veranstaltungen ja richtig an“, sagt er. Und er freut sich, dass wieder so viele Menschen zu den Vorstellungen kommen. „Es ist doch sehr wichtig, dass wir es schaffen, nach der langen Corona-Zeit wieder die Menschen aus den Häusern und zu den Veranstaltungen zu locken.“

Unter der Pandemie hat auch der Winkelhof noch zu leiden. Denn das Hofcafé ist aufgrund von Personalmangel geschlossen. „Die Angestellten haben sich durch die lange Pause in andere Richtungen orientiert“, erzählt Oevermann. „Es ist nicht so einfach, neues Personal zu bekommen. Aber wir hoffen, dass es bald wieder losgehen kann.“

Der Gong kommt vom Mischpult

Der Vorstellungsbeginn naht. Die Techniker ziehen sich hinter ihr Mischpult zurück, für sie ist die Zeit der Vorstellung eher eine ruhige Phase, lediglich Lichttechniker Peter muss ab und an ein paar Schalter bedienen. Außerdem ist er für den Gong zuständig, der zu Beginn und nach der Pause die Zuschauer auffordert, wieder auf ihre Plätze zurückzukehren.

Nachtisch von der Bühne schrubben

Nach knapp zwei Stunden ist das Stück vorbei, der Applaus verklungen, die Zuschauer verlassen nach und nach das Gelände. Jetzt müssen die vier Techniker wieder ran. Ortwin Maahs schrubbt die Reste des Nachtisches von der Bühne, eine grüne Pampe, die man aber, so erklärt Aurélie Feucht einigen interessierten Zuschauern, auch wirklich essen konnte. Der Winkelhof-Chef war mit dem Ablauf hochzufrieden. „Das ist ein tolles Stück, es hat allen Spaß gemacht“, sagt Oevermann. „Und wir haben jetzt erst einmal wieder ein Jahr Ruhe“, ergänzt er nicht ganz ernst gemeint.

Während die Kulisse abgebaut wird, kommen die Schauspieler nach und nach aus der Garderobe, die sich in den Privaträumen der Inhaber-Familie befindet. Noch ein wenig Smalltalk mit einigen Zuschauern, dann geht es zurück nach Celle. Allerdings wohl noch mit einer Pause in einem Schnellrestaurant. Denn Caroline Pischel hat Hunger, und am Winkelhof gibt es nichts mehr.

Am nächsten Tag geht es nach Eschede

Als dann die letzten Bühnenteile im Lkw verstaut sind, ist es schon dunkel. Und am nächsten Tag geht es nach Eschede, wo dann alles wieder aufgebaut wird. Allerdings machen die Techniker erst einmal Station zu Hause. „Wir dürfen zwischendurch schon auch mal etwas schlafen“, sagt Markus Dräger lachend. Dann schließt sich die Klappe am Lkw, und die Rückfahrt nach Celle beginnt. Auf dem Winkelhof in Müden ist von dem Besuch des Schlosstheaters nichts mehr zu sehen.