Kontaktbeamter im Einsatz

Otto Wichmann ist ein Polizist zum Anfassen

Locker, offen und sympathisch: Als Kontaktbeamter im Landkreis Celle hat Otto Wichmann seinen Traumberuf gefunden. Die CZ hat ihn bei einem Rundgang begleitet.

  • Von Carsten Richter
  • 05. Dez. 2022 | 10:00 Uhr
  • 05. Dez. 2022
Otto Wichmann ist als Kontaktbeamter auf dem Wochenmarkt in Lachendorf unterwegs.
  • Von Carsten Richter
  • 05. Dez. 2022 | 10:00 Uhr
  • 05. Dez. 2022
Anzeige
Lachendorf.

Ein nasskalter Donnerstagvormittag im November. Die Temperatur hat sich im unteren einstelligen Bereich eingependelt; der Regen prasselt unaufhörlich nieder. Es ist Wochenmarkt an der Ackerstraße in Lachendorf. Viel ist nicht los bei dem Schmuddelwetter. Die Menschen, die hier einkaufen, eilen zwischen den Marktständen hin und her. Schnell alle Besorgungen erledigen und dann zurück ins Warme. Otto Wichmann ist an diesem Vormittag ebenfalls an der Lachendorfer Einkaufsmeile unterwegs. Aber nicht zum Einkaufen. Mit seiner knallgelben Jacke mit den reflektierenden hellen Streifen und der weißen Mütze fällt er sofort auf – und genau das möchte er auch. „Die Polizei als Freund und Helfer – das will ich umsetzen. Jeder soll uns anrufen können“, sagt Wichmann.

Otto Wichmann sucht das Gespräch mit Menschen auf der Straße

Anrufen – oder eben ansprechen. Wie hier auf dem Wochenmarkt. Das ist auch der Grund, weshalb der 58-Jährige an diesem verregneten Tag seinen Gang durchs Ortszentrum macht. Otto Wichmann ist seit dem 15. Juli dieses Jahres als einer von vier Kontaktbeamten der Polizeiinspektion Celle im Einsatz. Kontaktbeamter – oder eben: ein Polizist zum Anfassen. „Ich brauche frische Luft und das Gespräch mit Leuten“, sagt er.

Ein kurzer Plausch gehört dazu: Auf dem Wochenmarkt in Lachendorf sind Petra Kuske (links) und Nicole Meidel froh über die Präsenz von Otto Wichmann.

Kontaktbeamter ist immer offen für einen Schnack

Otto Wichmann ist ein sympathischer Typ. Locker, offen, freundlich. Das kommt gut an bei den Leuten. Ein fröhliches „Guten Morgen“ hat er für jeden Passanten an diesem Vormittag übrig. Und es dauert nicht lange, bis er in das erste Gespräch verwickelt wird. „Ist das heute Ihre Regenmütze?“, fragt Dorothea Schulz und lacht. Beide kennen sich schon länger. Die Lachendorferin hat gerade beim Schlachter eingekauft. Bevor es für sie zum nächsten Stand weitergeht, gibt es einen kurzen Schnack. „Wir sind immer da“, erwidert Otto Wichmann – und lacht ebenfalls. „Das weiß ich. Gott sei Dank habe ich Sie noch nicht gebraucht“, meint sie.

„Ich bin ein ganz normaler Mensch in Uniform, der sich Sorgen und Nöte anhört."

Otto Wichmann, Kontaktbeamter

Unterwegs auf dem Lachendorfer Wochenmarkt

Ein Polizeibeamter auf dem Wochenmarkt: Ist etwas passiert? „Die Polizei zu sehen, beunruhigt mich nicht“, sagt Dorothea Schulz entspannt. Das gefällt Otto Wichmann. „Ich bin ein ganz normaler Mensch in Uniform, der sich Sorgen und Nöte anhört“, meint er. Dass er dennoch eine Sicherheitsweste trägt und seine Dienstwaffe mit sich führt, sieht niemand. Es gehört eben dazu. „Wir sind halt die Polizei“, sagt Wichmann. Erleichtert fügt er an: „Ich musste noch nie eine Waffe auf einen Menschen richten.“

Der freundliche Ordnungshüter: Otto Wichmann im Gespräch mit Wochenmarktkundin Dorothea Schulz.

Ansprechpartner bei großen und kleinen Problemen

Es sind Alltagsdinge, mit denen die Menschen Wichmann konfrontieren. „Vorwiegend ältere Leute sprechen mich an und erzählen mir ihre Probleme“, berichtet er. Manchmal ist er auch einfach nur zum Zuhören da. Oder, wenn er nicht selbst helfen kann, nimmt er die Hinweise auf und gibt sie an die zuständige Stelle, zum Beispiel die Gemeindeverwaltung, weiter. Ein Thema, von dem ihm immer wieder erzählt wird, sind Schockanrufe. Stichwort Enkeltrick. „Es ist immens, was für Informationen die Täter aus ihren Opfern herausholen“, meint er.

Für diesen Bereich im Kreis Celle ist er zuständig

Otto Wichmann ist für einen großen Bereich des Landkreises zuständig. Die Stationen Lachendorf und Wathlingen arbeiten im Verbund. Mehr Polizeipräsenz in der Fläche ist das Ziel. Für Wichmann als einzigem Kontaktbeamten für den Bereich bedeutet das: Er muss das Gebiet von Adelheidsdorf im Süden bis Weyhausen im Norden abdecken. Die großen Entfernungen sind nicht einfach. Gleichzeitig überall sein, das geht nicht. Wie er sich seine Zeit einteilt, bleibt ihm überlassen.

Der freundliche Ordnungshüter: Otto Wichmann bei einer Kontrolle auf dem Parkplatz eines Discounters an der Ackerstraße in Lachendorf. 

Polizeibeamter ist echtes Landei aus dem Kreis Celle

Wichmann ist ein echtes Landei. In Nienhof, das auch zu seinem Einsatzbereich gehört, ist er aufgewachsen. Dort wohnt er nach wie vor und engagiert sich ehrenamtlich als Ortsbrandmeister. Auf dem Land schätzt er nicht nur das Leben an sich, sondern auch die Arbeit. „Die Leute ticken hier anders, die Vernetzung ist stärker – man kennt sich. In der Stadt ist alles anonymer“, sagt Wichmann, der nach seiner Ausbildung von 1991 an zunächst zwölf Jahre in Celle gearbeitet hat.

„Ich bin kein Freund von Elterntaxis. Kinder sollen doch Selbstständigkeit lernen."

Otto Wichmann, Polizist

Wechselnde Arbeitszeiten gehören für Kontaktbeamten dazu

Die Arbeit auf der Straße ist sein Ding. Ob als Kontaktbeamter oder im Streifendienst. Neben den Ortszentren sucht er häufig das Umfeld um Schulen und Kindertagesstätten auf, um sich die Verkehrssituation anzuschauen. „Ich bin kein Freund von Elterntaxis. Kinder sollen doch Selbstständigkeit lernen“, meint Wichmann. An solchen Tagen beginnt der 58-Jährige seinen Dienst schon früh. Wechselnde Arbeitszeiten gehören dazu, je nach Bedarf. Am nächsten Tag fängt er vielleicht erst am Nachmittag an, um gerade in der dunklen Jahreszeit die Wohngebiete im Blick zu haben – zwecks Einbruchschutz. „Wenn ich offenstehende Terrassentüren sehe, gebe ich schon mal Sicherheitstipps.“

Die Polizeistation am Südfeld in Lachendorf. Hier erledigt Otto Wichmann seine Büroarbeiten.

"Den Bürgern durch unsere Präsenz ein gutes Gefühl geben"

Zurück zur Ackerstraße nach Lachendorf. Auch die Parkplätze der umliegenden Discounter sucht Wichmann auf. Vor dem Aldi-Eingang lässt er seinen Blick schweifen. „Ich schaue mir die Klientel an“, erklärt er. Führt jemand, der schnell den Markt verlässt und die benachbarte Bank ansteuert, womöglich Böses im Schilde? „Manchmal tut man den Leuten auch Unrecht“, gesteht Wichmann. „Aber wir wollen den Bürgern durch unsere Präsenz ein gutes Gefühl geben.“

Nicht alle Menschen sind freundlich zu dem Mann in Uniform

Die Parküberwachung gehört eigentlich nicht zu seinen Aufgaben. Als aber ein silbergrauer VW eine Stellfläche ansteuert, die als Behindertenparkplatz gekennzeichnet ist, schaut er doch mal hin. Eine Frau steigt aus, holt einen zusammengeklappten Rollstuhl aus dem Kofferraum. Wichmann sieht auf die Windschutzscheibe. Der Behindertenausweis ist ausgelegt – alles in Ordnung also. „Bei Kontrollen reagieren manche Menschen auch ungehalten“, weiß er. „Da heißt es dann: ruhig bleiben.“

Otto Wichmann bei der Arbeit am Schreibtisch in der Polizeistation am Südfeld. 

Otto Wichmann sorgt für mehr Sicherheit auf dem Wochenmarkt

Wieder auf dem Wochenmarkt, wird Wichmann am Fischstand von den Verkäuferinnen angesprochen. „Durch die Polizei hier fühlen wir uns sicherer“, sagt Nicole Meidel. Es sei schon mal passiert, dass sich Täter an einem Stand Zugang zum Fahrerhaus eines Verkaufswagens verschafft hätten, erzählt ihre Kollegin Petra Kuske.

Ein Fischbrötchen gibt's gratis auf die Hand

„Jetzt gibt es aber erst mal ein Fischbrötchen“, sagt die Marktbeschickerin bestimmend zu Wichmann. Der zögert eine Weile, dann nimmt er zusammen mit dem CZ-Reporter das Angebot an. Als Beamter darf er eigentlich keine Geschenke annehmen. „Das hier passt schon“, meint er lächelnd und beißt in das Bismarckbrötchen.

Als Kontaktbeamter in Lachendorf "Erfüllung gefunden"

Vor 35 Jahren hat Otto Wichmann seine Ausbildung bei der Polizei begonnen. Vom Eierdiebstahl bis zu großen Einsätzen hat er so ziemlich alles erlebt. Seit 2003 arbeitet er in Lachendorf. Zufrieden sagt er: „Hier habe ich meine Erfüllung gefunden.“

Otto Wichmann ist in der Polizeistation Lachendorf unter Telefon (05145) 2842111 zu erreichen.