Kataster vorgestellt

Das ist der Zustand von Lachendorfs Straßen

Zeugnisvergabe in der Grundschule Lachendorf - aber nicht für Schüler, sondern für die Straßen im Ort: So fällt die Bewertung des Zustandes aus.
  • Von Carsten Richter
  • 24. Nov. 2022 | 14:07 Uhr
  • 24. Nov. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 24. Nov. 2022 | 14:07 Uhr
  • 24. Nov. 2022
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Lachendorf.

Der Ort passte zum Thema. Für die Vorstellung des Straßenkatasters hatte sich der Ausschuss für Umwelt, Bauwesen, Dorfentwicklung und Klimaschutz der Gemeinde in einem Klassenraum der Grundschule Lachendorf versammelt. Und ein wenig erinnerte die Präsentation des Straßenkatasters tatsächlich an die Rückgabe von Klassenarbeiten. Wenn man so will, fungierte Thomas Wittor als Lehrer. Die Noten wurden in diesem Fall an die der Gemeinde gehörenden Straßen verteilt. Der Chef des Ingenieurbüros Wittor aus Winsen hat sich deren Zustand im Auftrag der Verwaltung genau angesehen. Ergebnis: Es gibt viel aufzuarbeiten.

Hälfte der Straßen in Lachendorf in schlechtem Zustand

Einen Mittelwert von 3,46 hat der Diplom-Ingenieur für die Qualität der Gemeinde-Straßen errechnet. Dessen Aussagekraft ist tatsächlich ein wenig mit Schulnoten vergleichbar. Wittors Untersuchungen führen zu der Feststellung: Rund die Hälfte der Straßen ist in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand.

Welche Straßen in Lachendorf werden saniert?

Ein Straßennetz über 20 Kilometer ist der Experte abgegangen, hat sich die Schäden genau angesehen, dokumentiert und anhand wissenschaftlicher Methoden ausgewertet. Daraus wiederum hat er Handlungsempfehlungen abgeleitet, die er den Politikerinnen und Politikern am Mittwochnachmittag im Ausschuss präsentiert hat. Und er hat ihnen, um im Bild zu bleiben, Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben: Sie müssen sich nun Gedanken machen, welche Straßen in den kommenden Jahren repariert oder ausgebaut werden sollen.

Kataster zeigt: Warnwert ist erreicht

Ein Schnitt von rund 3,5 wie in Lachendorf ist ein Warnwert. Heißt: „Wir müssen an der Schadenbeseitigung arbeiten“, erläutert Wittor. Um es positiv auszudrücken: Der Wert ist nach Wittors Worten „ein optimaler Zeitpunkt, um Reparaturen zu planen“. Ein durchschnittlicher Wert von 4,5 hingegen sollte möglichst nicht erst erreicht werden. „Diesen Bereich müssen wir vermeiden. Danach wird es richtig teuer“, so der Ingenieur.

Nicht alle Straßen sind miteinander vergleichbar

Der Experte betont, dass bei der Bewertung und den daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen nicht einfach eine Straße mit einer anderen verglichen werden könne. Berücksichtigt werden müsse etwa, ob dort Busse fahren und viele Radfahrer unterwegs sind und ob es in dem Bereich öffentliche Einrichtungen gibt.

Welche Straßen höchste Priorität haben

Bloße Instandhaltung (erste Stufe) reicht längst nicht bei allen untersuchten Straßen. Dort muss entweder die Fahrbahndecke ersetzt werden (zweite Stufe) oder es ist ein kompletter Neubau erforderlich (dritte Stufe). Oberste Priorität für einen Neubau haben Wittor zufolge zum Beispiel Rehrkampsweg und Neue Straße, während Heidkamp und Mühlenkamp beim Thema Deckenerneuerung oben auf seiner Liste stehen.

Ergebnis überrascht die Gemeinde nur wenig

Alle empfohlenen Arbeiten umfassen ein Volumen von sechs Millionen Euro. Was davon früher oder später umgesetzt wird, muss der Rat entscheiden. „Wir haben die Bereiche untersuchen lassen, wo wir von einem Handlungsbedarf ausgegangen sind“, sagt Gemeindedirektorin Britta Suderburg. Das Ergebnis überrascht sie deshalb wenig. „Wir dürfen nicht mehr abwarten“, gab sie den Ausschussmitgliedern mit auf den Weg. Und fügte hinzu: „Jetzt haben wir gutes Arbeitsmaterial.“