Folgen der Energiekrise

Celler Unternehmen steigt von Gas auf Öl um

Ein Betrieb wie Drewsen Spezialpapiere, der rund um die Uhr produziert, braucht viel Energie. Das Gas ist knapp. Die Lachendorfer sind aber einfallsreich.
  • Von Carsten Richter
  • 05. Aug. 2022 | 17:00 Uhr
  • 10. Aug. 2022
  • Von Carsten Richter
  • 05. Aug. 2022 | 17:00 Uhr
  • 10. Aug. 2022
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Lachendorf.

Die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine reichen bis nach Deutschland, Niedersachsen, bis in den Kreis Celle. Die Reduzierung von Liefermengen führt dazu, dass Gas zunehmend knapp und teuer wird. Energie sparen ist das Gebot der Stunde. Und wer kann, steigt auf andere Energieträger um. Darüber machen sich nicht nur Privathaushalte Gedanken, sondern auch Unternehmen sind auf der Suche nach Alternativen. Drewsen Spezialpapiere, mit 450 Mitarbeitern größter Arbeitgeber in und um Lachendorf, will seinen Energiebedarf Schritt für Schritt aus regenerativen Quellen decken. Dazu passt es auf den ersten Blick nicht, dass das Traditionsunternehmen, das rund um die Uhr produziert, nun vorübergehend auf Öl, also ebenfalls einen fossilen Energieträger, setzt.

Papierfabrik Drewsen setzt auf Öl statt Gas

Die Papierfabrik habe aber derzeit keine andere Wahl, verdeutlicht Geschäftsführer Matthias Rauhut im CZ-Gespräch – zumal es im Betrieb die Möglichkeit, Öl zu nutzen, seit 20 Jahren gibt. "Unsere Ingenieure haben damals klug gehandelt", sagt der Firmenchef. Sie haben einen Kessel mit einem Gas- und einem Ölstrang gebaut. Nur ist Letzterer nie in Betrieb gegangen. Sukzessive will Drewsen nun im Anbetracht des knapper werdenden Gasvorkommens die Nutzung auf Öl umstellen. Im Juli dieses Jahres machte Öl einen Anteil von knapp zehn Prozent, bezogen auf den gesamten Energiebedarf des Papierherstellers, aus. Ziel ist es, diesen Anteil in den kommenden Monaten auf mehr als 40 Prozent auszuweiten.

So viel Energie braucht Drewsen in Lachendorf

Der Betrieb, der nie ruht, verbraucht viel Energie: 500.000 Megawattstunden im Jahr, davon und 400.000 an thermischer Energie und 100.000 an Strom, wobei Drewsen 90 Prozent des Strombedarfs per Kraft-Wärme-Kopplung selbst herstellt. "Wir müssen das Unternehmen am Laufen halten", sagt Rauhut. Geschäftsführung und Beschäftigte hätten Angst, dass von der Bundesregierung eines Tages die Notfallstufe ausgerufen werde, also eine laut Notfallplan des Bundes „außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas, eine erhebliche Störung der Gasversorgung oder eine andere erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage“ vorliege. "Zudem bitten uns unsere Kunden händeringend, dass wir weiterproduzieren", sagt Rauhut und meint vor allem die Pharmaindustrie, für die Drewsen Papier für Medikamenten-Beipackzettel herstellt. Aber auch Regierungsdruckereien sind für die Herstellung von Hochsicherheitspapieren auf Lieferungen aus Lachendorf angewiesen. Schon nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar hat sich bei Drewsen eine Arbeitsgruppe Gedanken über eine schnelle Lösung gemacht.

Öl statt Gas: Teilweise hakt es noch

Noch funktioniert der Einsatz von Öl nicht bei allen Produktionsprozessen. "Unsere Kraftwerk-Ingenieure aber sind ausgesprochen pfiffig", meint Rauhut. Ein positiver Effekt sei bereits bei den Emissionen zu beobachten – die Menge an ausgestoßenen Stickoxiden und Kohlenstoffmonoxiden liege weit unter den Grenzwerten und etwa auf dem Niveau der Gasverbrennung.

Lachendorfer Fabrik investiert in Öltanks

Von drei Händlern wird Drewsen mit Öl versorgt, manchmal zweimal oder sogar mehrmals am Tage. "Wir hoffen, im Herbst genug Vorrat zu haben", sagt der Geschäftsführer. Im Juli seien die Preise für Öl günstiger als die für Gas gewesen. Die Preise für das Öl könnten aber schwanken. Investiert hat das Unternehmen dafür in die Anschaffung von Öltanks. Positiver Nebeneffekt: Durch die schrittweise Umstellung trägt die Papierfabrik auch dazu bei, dass die Gasspeicher weiter gefüllt bleiben.

Drewsen setzt künftig auf Wind- und Solarenergie

Langfristig aber soll die Zukunft erneuerbaren Energien gehören. Die drei neuen zum Betrieb gehörenden Windkraftanlagen machen derzeit nur ein Prozent des gesamten Energiebedarfs von Drewsen aus. Das soll sich ändern. Wie berichtet, wird das Unternehmen von einem geplanten rund 41 Hektar großen Solarpark bei Ahnsbeck profitieren. Um eine Fläche für einen weiteren Windpark mit 15 Anlagen, durch den Drewsen ebenfalls mit Energie versorgt werden soll, genehmigt zu bekommen, ist ein runder Tisch einberufen worden. In der übernächsten Woche wird dazu Umweltminister Olaf Lies mit Rauhut sowie mit Landrat Axel Flader, Samtgemeindebürgermeisterin Britta Suderburg und Ahnsbecks Bürgermeister Ulrich Kaiser zusammenkommen.