Ackerfrucht der Zukunft

Kichererbsen mit Heimatgefühlen in Höfer

Lange Transportwege aus Fernost oder dem Mittelmeerraum fallen weg, mit weniger Wasser kommen sie auch aus: Im Celler Land werden jetzt Kichererbsen angebaut.

  • Von Maren Schulze
  • 16. Aug. 2022 | 12:00 Uhr
  • 19. Aug. 2022
  • Von Maren Schulze
  • 16. Aug. 2022 | 12:00 Uhr
  • 19. Aug. 2022
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Höfer.

Die Sonne knallt vom wolkenlosen Himmel, das Thermometer zeigt 30 Grad im Schatten – und die Kichererbse auf dem Feld nahe Höfer beginnt, sich so richtig heimisch zu fühlen im Celler Land. Denn normalerweise gedeiht die eiweißreiche Hülsenfrucht in Fernost, beispielsweise in Indien oder Pakistan, sowie auch im Mittelmeerraum in Ländern wie der Türkei, Syrien, Spanien oder Nordafrika. Die Kichererbse mag es also warm. Und da kommt das derzeitige Sommerwetter dem Experiment der vier „Allerkörner“ – bestehend aus den beiden Landwirten Karsten Koll aus Höfer und Kai Wietfeldt aus Ahnsbeck und ihren Partnerinnen Frauke Bunkenburg sowie Priska Wietfeldt – entgegen. Die Vier haben vor ein paar Jahren mal rumgesponnen, als es um die häufig eher unbefriedigenden Erzeugerpreise in der Landwirtschaft ging. „Wir haben uns gesagt, man müsste mal was ausprobieren“, sagt Karsten Koll, der neben der Landwirtschaft auch als Landberater arbeitet.

2020 mit Testanbau gestartet

Gesagt, getan: 2020 gedieh der erste „Teststreifen“ mit Kichererbsen, im vergangenen Jahr kamen Linsen dazu und in diesem Jahr auch Grüne Erbsen und Schwarze Kidneybohnen. Die Truppe gründete eine GbR und meldete ein Kleingewerbe an. In diesem Jahr hoffen sie auf eine gute Ernte. Während die Grünen Erbsen bereits gedroschen wurden und auch die Linsen auf die Reinigung warten, stehen die Kichererbsen noch auf dem Feld. In jeder Schote sind, anders als bei der Grünen Erbse, nur eine, maximal zwei Kichererbsen zu finden. Auch sie werden mit dem Mähdrescher geerntet. Bald schon dürfte es soweit sein, denn als Karsten Koll einen Zweig der exotischen Frucht abbricht, klackert es bereits verheißungsvoll im Inneren der Schoten. Eine Stichprobe zeigt eher etwas kleinere, dafür aber ausgesprochen gleichmäßige Kichererbsen. Das ist gut, weil das später die Sortierung erleichtert. Auch die Wärme ist gut: „Die Kichererbse wächst und wächst sonst, da kann es schwierig sein, den passenden Erntezeitpunkt zu bestimmen“, sagt Kai Wietfeldt. Dieses Jahr aber ist all das eindeutiger.

Rezeptideen für Linsen und Co.

Nach Feierabend und am Wochenende sind die „Allerkörner“ im Einsatz, um ihrer Geschäftsidee Leben einzuhauchen. Da wird dann Unkraut von Hand beseitigt, es wird nach der Ernte sortiert, verpackt und vermarktet. „So gesehen ist es einfacher, Getreide anzubauen und dann an einen Händler zu verkaufen, dann ist man mit der Ernte durch“, so Karsten Koll. In diesem Fall kommt nach der Ernte noch jede Menge Arbeit. In 500-Gramm-Tüten werden die Kichererbsen, Linsen in den Sorten Tellerlinsen, Rote und Schwarze Linsen, der Klassiker Grüne Erbse und die Schwarze Kidneybohne überwiegend regional vermarktet. In Hofläden und auf Märkten gibt es sie zu kaufen, im Raum Celle sind die gesunden Eiweißspender zum Beispiel an der Hoftheke Knoop in Altenhagen oder auch in der Loserei in Celle zu haben. In drei bis vier Wochen soll die neue Ernte ausgeliefert sein. Und wieso hauptsächlich Hülsenfrüchte, die gerade bei Vegetariern und Veganer ein wichtiger Ernährungsbaustein sind? „Wir sind keine Veganer“, sagt Frauke Bunkenburg, die im Hauptberuf als Ingenieurin arbeitet. „Aber es gibt jetzt schon mehr Hülsenfrüchte bei uns, ich probiere auch sehr gerne neue Rezepte aus.“ Und so finden sich auf der Facebookseite und der Instagramseite der „Allerkörner“ immer wieder neue Rezeptideen – neben dem Klassiker Hummus, den ein Unternehmen in verschiedenen Sorten zwischenzeitlich auch aus den Kichererbsen aus dem Celler Land hergestellt hat, auch ausgefallenere Rezepte wie Apfel-Crumble mit Kichererbsenmehl, „Falsches Thunfischbrötchen“ oder Linsen-Pfannkuchen.

Früchte mögen hohe Temperaturen

Auch die Linsen, die in früheren Zeiten durchaus auch in Deutschland angebaut wurden, kommen heute meist aus fernen Gefilden. Wer es nachhaltig mag und gerne weiß, wo seine Lebensmittel herkommen, dürfte also durchaus Gefallen an den Produkten finden. Preislich liegen die Hülsenfrüchte der Allerkörner schon über dem, was man für die günstigsten Supermarktprodukte beispielsweise aus der Türkei bezahlen muss. Während 500 Gramm da bei ungefähr 2 Euro liegen, empfehlen die Allerkörner ihren Händlern, die Ware nicht unter 3,90 Euro zu verkaufen. „Hier ist das Wetter bei uns noch ein Unsicherheitsfaktor“, sagt Kai Wietfeldt. Ist es zu kalt oder zu nass, ist die Ernte in Gefahr. Die Tendenz zu wärmerem Wetter könnte also auch für Kichererbse und Linse bedeuten, eine Ackerfrucht der Zukunft zu werden, die dem Klimawandel besser trotzt. Beregnet werden musste die Kultur der Erbsen und Kichererbsen in diesem Jahr zwar auch, aber es ist weniger Wasser als bei anderen Kulturen notwendig gewesen. „Die Kichererbse hält bei Trockenheit länger durch.“

In diesem Jahr rechnet Karsten Koll mit rund 1000 Kilogramm Grünen Erbsen, 2000 bis 2500 Kilo Kichererbsen und 2500 Kilo Linsen. Dabei ist noch „ein guter Schwung Handarbeit“, sagt Kai Wietfeldt, denn auf Pflanzenschutzmittel wird verzichtet, auch wenn die Produkte nicht biozertifiziert sind. Es mit ihrer Ware auch in bis in die Supermarktregale zu schaffen, „das wäre schon ein Ziel“, sagt Frauke Bunkenburg. Daran arbeiten sie. Mit viel Handarbeit.

Wraps mit Linsen und grünem Spargel

Zutaten:

150 g Reis

80 g Linsenmix

Handvoll grüner Spargel

Handvoll Tomaten

100 g Erbsen

4 EL Tomatenmark

4 Tortillas

Petersilie, Chili, Salz & Pfeffer

Zubereitung:

Den Reis und die Linsen getrennt kochen. Den grünen Spargel klein schneiden und anbraten. Die gewürfelten Tomaten dazugeben und andünsten. Die Erbsen, das Tomatenmark, die gekochten Linsen und den gekochten Reis dazugeben und alles gut verrühren. Mit frischer Petersilie, Chili, Salz und Pfeffer abschmecken. Im Anschluss auf die Wraps geben und den Wrap einrollen.