Von Hermannsburg bis Gibraltar

Gegen Vorurteile: Thorsten Gramer radelt 7500 Kilometer durch Europa

7500 Rad-Kilometer hat Thorsten Gramer aus Hermannsburg hinter sich gebracht – einmal bis nach Gibraltar und zurück. Ihm ging es dabei vor allem um "Begegnungen mit den Menschen".

  • Von Marius Klingemann
  • 03. Okt. 2022 | 13:00 Uhr
  • 03. Okt. 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 03. Okt. 2022 | 13:00 Uhr
  • 03. Okt. 2022
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Hermannsburg.

Aus dem beschaulichen Hermannsburg einmal quer durch Westeuropa nach Gibraltar – was schon auf vier Rädern ziemlich anspruchsvoll klingt, hat Thorsten Gramer auf zwei hinter sich gebracht. „Das Radfahren ist mir quasi in die Wiege gelegt“, erzählt der 36-Jährige beim CZ-Gespräch. Mit seinen Großeltern war er schon als Kind und Jugendlicher regelmäßig unterwegs, „Touren bis zu 60 Kilometern waren da ganz normal“ und wurden später auch länger. So reifte schließlich der Gedanke, den Drahtesel für die ganz große Reise Richtung Spaniens Südzipfel zu satteln.

Über den sportlichen Aspekt hat sich Gramer dabei weniger Gedanken gemacht – „ich wusste ja, dass ich mit dem Rad auch weitere Strecken schaffe“. Vielmehr ging es dem Betreiber eines Pizza-Bistros an der Celler Straße darum, „die Menschen in anderen Ländern kennenzulernen“, wie er lebendig schildert.

Mit dem Rad aus Hermannsburg über Bremen nach Gibraltar

Beim Rekapitulieren des Husarenritts ist er dann kaum zu bremsen: Der erste Tagestrip führte zum Bruder nach Bremen, von dort ging es weiter nach Meppen und schließlich zu den „Radfahr-Großeltern“ nach Nierswalde in Nordrhein-Westfalen. Am Ende sollten, nach knapp drei Monaten Fahrt zwischen April und Juli, rund 7500 Kilometer (im Schnitt 130 pro Tag) stehen – und viele Begegnungen verschiedenster Art.

„Richtig interessant wurde es, als ich aus Deutschland raus war“, sagt Gramer. Die Niederlande durchquerte er an einem Tag, um dann im belgischen Mol zu verschnaufen. Das Besondere am Konzept des Hermannsburgers: „Ich habe Leute auf der Straße angesprochen oder auch an Haustüren geklingelt, um nach Übernachtungsmöglichkeiten zu fragen.“ Schlafsack und Isomatte waren (neben Klamotten und Verpflegung) als Gepäck am Fahrrad – ein „bequemes City-Bike“ ohne beim Auf- und Absteigen zu überwindende Stange – dabei: „Mir haben Garagen oder Schuppen gereicht, Hauptsache ein Dach über dem Kopf.“

 

"Mir haben Garagen oder Schuppen zum Übernachten gereicht, oft kam es aber viel besser."

Thorsten Gramer, Europa-Radreisender

Oft kam es aber ganz anders, und zwar im positivsten Sinne – „ich durfte häufiger auf der Couch schlafen“. Fast unangenehm war Gramer, wie er berichtet, wenn so mancher ihm morgens dann auch noch ein „superleckeres Frühstück“ hingestellt hat.

Rad-Reisender Thorsten Gramer: "Konnte Vorurteile ablegen"

Aus Belgien ging es für ihn nach Frankreich, dann durch Spanien nach Gibraltar. Aus seinen Präferenzen macht der Weitgereiste im Nachgang keinen Hehl: „In Frankreich waren die meisten Leute total nett, in Spanien war das schon schwieriger.“ Das, gibt er zu, habe er vorher genau andersherum erwartet – „ich konnte einige Vorurteile ablegen“. Die Rückfahrt ging, erneut inklusive einiger Höhenmeter, über Italien und Österreich ins bayerische Mindelheim, von wo Gramers Vater ihn im Auto mit nach Celle genommen hat. „Den letzten Abschnitt zurück nach Hermannsburg bin ich aber wieder geradelt.“

„Für den ein oder anderen backe ich sicher auch eine schöne Pizza.“

Thorsten Gramer will sich bei seinen Gastgebern bedanken

Die Menschen, die ihm auf seiner grenzübergreifenden Tour besonders ans Herz gewachsen sind, will Thorsten Gramer nun noch einmal besuchen, um ihnen für ihre Gastfreundschaft zu danken. „Zeitnah“ soll es dafür losgehen – dieses Mal aber mit dem Auto. „Für den ein oder anderen backe ich sicher auch eine schöne Pizza.“

Wer Thorsten Gramers Europa-Radtrip nochmal in Bildern nach vollziehen will, kann das auf seiner Instagram-Seite tun.