Landtagswahl

Gerlach: "Ich bin keine grüne Ideologin"

Johanne Gerlach will den Wahlkreis 44 Bergen gewinnen. Das hat die Grünen-Politikerin thematisch im Fokus.

  • Von Benjamin Behrens
  • 23. Sept. 2022 | 13:30 Uhr
  • 23. Sept. 2022
Johanne Gerlach ist die Grüne Landtagskandidatin im Wahlkreis 44 und Ratsfrau in der Gemeinde Südheide.Das Häuslingshaus Hermannsburg hat für sie eine besondere Bedeutung: Dort hat sie geheiratet.
  • Von Benjamin Behrens
  • 23. Sept. 2022 | 13:30 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Hermannsburg.

Es regnet, Johanne Gerlach hat die Kapuze ihrer Regenjacke ins Gesicht gezogen. „Wollen wir uns erstmal reinsetzen?“, fragt die Grünen-Politikerin. Im Restaurant gegenüber ist es trocken, sie bestellt Cappuccino und stilles Wasser.

Nach Referendariat in Hermannsburg geblieben

1987 wurde sie in Nordhausen in Thüringen geboren. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik und Geschichte auf Lehramt. Nach dem zweiten Staatsexamen blieb sie an ihrer Ausbildungsschule, dem Christian-Gymnasium in Hermannsburg. Der Ort wurde auch privat zum Lebensmittelpunkt, sie wohnt mit ihrem Mann und den zwei kleinen Töchtern hier.

Sitz im Gemeinde-Rat Startschuss für politisches Engagement

2021 wurde sie in den Rat der Gemeinde Südheide gewählt. Mit der Landtagskandidatur trat sie auch ihr Amt als Beisitzende des Kreisvorstands der Grünen an. „Ich bin von Haus aus Lehrerin, daher ist Bildung ein absolutes Herzensthema“, sagt die 35-Jährige. „Von Kleinkindern bis hin zur Aus- und Weiterbildung läuft einfach so viel verquer. Wir spüren ja überall die Konsequenzen. Wir haben keine Fachkräfte mehr, dadurch ist es für das Handwerk unheimlich schwierig. Die Landwirtschaft fühlt sich nicht gewürdigt, weil sie sagen, dass wir in den Schulen zu wenig dafür tun“, so Gerlach. „Da gebe ich ihnen in bestimmten Bereichen Recht. Man braucht nur mal in die Mensen zu gucken, die Kartoffel aus Ägypten ist gang und gäbe, dabei haben wir den Bauern nebenan“, erläutert die Landtagskandidatin.

Digitalisierung konsequent zu Ende führen

Ansätze müssten konsequent zu Ende geführt werden. Wie die Digitalisierung, von flächendeckender Glasfaser im Landkreis bis hin zu Schulen. Praxisbeispiel gefällig? „Den Stundenplan bekommen wir aufs Handy, um ihn abrufen zu können, muss ich es aus dem Fenster halten“, berichtet die Lehrerin.

Bildung als ein zentrales Thema

„Ich bin keine grüne Ideologin. Ich habe in der Coronazeit gesehen, dass für die Kinder und für die Familien ganz wenig gemacht wird“, kritisiert Gerlach. Während die Lehrerin die Notbetreuung digital übernahm, hatten ihre eigenen Kinder keine. „Wir konnten es irgendwie organisieren, aber ganz viele sind hinten runtergefallen, in allen Bereichen.“ Kita-Betreuungsplätze, Erziehermangel, Lehrkräftemangel, viele Baustellen, die es anzugehen gilt. Das war der Initiator, sich politisch zu engagieren. „Erst mit der Wahl in den Rat ging es so richtig los“, sagt sie.

Offenes Ohr für Belange der Landwirte

So richtig loslegen im Wahlkampf. Ein offenes Ohr für alle am Wahlkampfstand, na klar. Aber auch hingehen zu den Wählern. Zum Beispiel zu den Celler Landwirten, die sich nicht gehört fühlen. „Ich bin über die Äcker gekrochen.“

Schwere Zeit gemeistert und noch mehr Wertschätzung für Pflege

Auch Inklusion und Pflege sind ihr wichtig. „Ich saß mal gelähmt im Rollstuhl und musste das Laufen wieder lernen“, sagt Gerlach. 2014 erkrankte sie an Guillain-Barré-Syndrom (GBS), einer Nervenkrankheit. Hände und Beine waren gelähmt. Im AKH Celle wurde sie behandelt. „Ich war Gott sei dank ganz früh da, weil ich mal über die Krankheit gelesen habe. Sie haben mich ganz, ganz toll betreut.“ Die Therapie sei hart, aber erfolgreich gewesen und schärfte den Blick für die Arbeit der Pflege. „Ich ziehe so meinen Hut davor.“

Fünf Fragen an ...

... Johanne Gerlach.

 

Soll angesichts der Energiekrise Fracking oder der Bau von Windenergieanlagen stärker verfolgt werden?

Geothermie statt Erdgasfracking! Wir haben mit dem GeoEnergy Celle und der Celler Brunnenbau kompetente Partner vor Ort. Bestandswindkraftanlagen gilt es zu repowern und neue Anlagen zu forcieren. Photovoltaik darf nicht vernachlässigt werden.

Wie wollen Sie dem Problem begegnen, dass es zu wenige Lehrer, Erzieher und zu wenige Pflegekräfte im Land gibt?

Studienplatz- und Ausbildungsreform, Teilzeitkräfte zurückgewinnen, Quereinsteiger fördern und gut betreuen, Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Bezahlung und des Personalschlüssels, Zuwanderung gezielt vereinfachen und Sprachbarrieren abbauen, Digitalisierung in allen Bereichen ausbauen.

Was ist wichtiger: Bau von Ortsumgehungsstraßen oder Ausbau des Radnetzes?

Radwege sind als Teil einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung wichtiger denn je. Da, wo Ortsumgehungen die Bürger nachweislich direkt entlasten und Gewerbetreibende, landwirtschaftliche Flächen und Natur nicht wesentlich belasten, können sie ein probates Mittel sein.

Wie wollen Sie das Busfahren attraktiver machen?

Ausbau der Zeiten von 6 Uhr bis 20 Uhr, bessere Taktung, WLAN und Ladekapazitäten an Bord, verbundübergreifendes Anschlussticket nach dem 9-Euro-Ticket, eine App für alle öffentlichen Verkehrsmittel, Förderung von E-Bussen, Anruf-Sammel-Taxi für abendliche Fahrten besser bewerben, gute Bezahlung der Busfahrer.

Mit welcher Partei oder welcher Gruppierung würden Sie am liebsten regieren?

Hauptsache demokratisch, zukunftsorientiert und mit einem hohen Maß an Fachlichkeit und Durchhaltevermögen

Videos zu den Kandidaten
online unter www.cz.de