Energiekrise

Will sich Südheide zwei Hallenbäder leisten?

Wie kann im Allwetterbad Unterlüß und im Waldbad Hermannsburg Energie gespart werden? Diese Frage beschäftigt die Politik. Sollen beide Bäder erhalten bleiben?
  • Von Christopher Menge
  • 04. Dez. 2022 | 11:01 Uhr
  • 04. Dez. 2022
Derzeit ist das Hermannsburger Waldbad genauso wie das Allwetterbad in Unterlüß geschlossen. Im Bauausschuss wurden nun auch grundsätzliche Fragen diskutiert. Braucht die Gemeinde zwei Hallenbäder?
  • Von Christopher Menge
  • 04. Dez. 2022 | 11:01 Uhr
  • 04. Dez. 2022
Anzeige
Hermannsburg.

Derzeit sind sowohl das Allwetterbad in Unterlüß als auch das Waldbad in Hermannsburg geschlossen. Und das nicht aus Kostengründen, sondern um Energie einzusparen, wie der Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Südheide, Rainer Kirchhoff, in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt und Bauen der Gemeinde Südheide betonte. Sobald sich die Lage an den Energiemärkten dauerhaft entspannt, sollen die Bäder kurzfristig wieder in Betrieb genommen werden. Einen möglichen Zeitpunkt der Wiedereröffnung wollte Kirchhoff in der Sitzung nicht nennen, zuletzt war davon ausgegangen worden, dass die Bäder allerfrühestens im Februar wieder genutzt werden können. Harten Voss (FDP) warf aber auch eine andere Frage auf: "Müssen wir zwei Hallenbäder haben?"

Fusion: Beide Bäder in Gemeinde Südheide sollen erhalten bleiben

Er wünsche sich, dass sich der Gemeinderat mal öffentlich mit dieser Frage beschäftige. "Vielleicht reicht ja auch ein Bad, ein energieeffizientes mit biologischer Reinigung", sagte Voss. Im Rahmen der Fusion zwischen Hermannsburg und Unterlüß zur Gemeinde Südheide war festgelegt worden, dass beide Bäder "möglichst langfristig" erhalten bleiben. "Aber sind das 8 oder 40 Jahre?", fragte der FDP-Ratsherr, der auch einen Deutschland-Vergleich anführte: "Wir haben für 11.000 Einwohner zwei Bäder." In Deutschland gibt es etwa 3000 Hallenbäder, bei 84 Millionen Einwohnern ergibt sich also eine Quote von einem Hallenbad pro 28.000 Einwohnern.

Energieeffizient: Grüne wollen Bäder in Südheide sanieren

Auslöser für die Gedankenspiele von Voss war ein Antrag der Grünen, die zunächst eines der beiden Bäder energieeffizient sanieren wollen, dabei soll auf fossile Brennstoffe verzichtet werden. Derzeit werden die beiden Bäder mit Gas beheizt. "Natürlich wollen wir beide Bäder energieeffizient sanieren, aber wir dachten uns, wir fangen erstmal mit einem an", sagte Henri Kienker (Grüne). Frank Huchler (WAS) stimmte zu. "Welches Bad wir zuerst anfassen, ist zweitrangig", sagte Huchler, der auch Vorsitzender des Fördervereins Waldbad Hermannsburg ist. "Wir machen erst ein Bad und dann in zwei, drei Jahren das zweite." Rüdiger Quast (CDU) betonte, dass aus Sicht seiner Fraktion beide Bäder erhalten bleiben sollen.

Einigkeit bestand im Ausschuss darüber, dass das Thema "Energieeinsparung" angegangen werden müsse. Doch öffentlich beraten wird darüber nicht, denn die beiden Schwimmbäder werden von den Wirtschaftsbetrieben Südheide betrieben, für die neben der Geschäftsführung die Gesellschafterversammlung verantwortlich ist. Diese besteht aus den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses (VA). Der Ausschuss beauftragte daher "nur" den VA, das Thema anzugehen.

Wirtschaftsbetriebe Südheide: Energieeinsparung wird geprüft

"Inhaltlich haben wir alle das gleiche Ziel", sagte Kirchhoff. In der Vergangenheit seien regelmäßig Sanierungsarbeiten durch die Wirtschaftsbetriebe durchgeführt worden. "Das wollen wir weiter fortsetzen", sagte der Geschäftsführer. Zudem würden auch Möglichkeiten der Energieeinsparung geprüft und, wenn möglich, umgesetzt. "In diesem Prozess ist es auch Ziel, benötigte Restenergie so weit wie möglich durch regenerative Energien zu ersetzen", so Kirchhoff.

Mit großer Mehrheit abgelehnt wurde der zweite Antrag der Grünen, dass kurzfristige Energiespar-Fragen, etwa ob die Bäder geschlossen werden sollen, künftig im Gemeinderat entschieden werden sollen. Nach Auffassung der Verwaltung hätte das zu deutlich mehr Aufwand geführt und zu deutlich mehr Sitzungen.

Deutscher Ethikrat: Kinder und Jugendliche in Energiekrise nicht benachteiligen

Kienker forderte nochmal, die beiden Bäder wieder zu öffnen. Er verwies auf den Deutschen Ethikrat, der Anfang der Woche davor gewarnt hat, Kinder und Jugendliche etwa durch die Schließung von Schwimmbädern in der Energiekrise zu benachteiligen. Er führte an, dass das niedersächsische Kultusministeriums eine ähnliche Meinung zur Schließung von Schwimmbädern hätte. "Zudem habe ich einen Bericht gelesen, dass laut Bundesnetzagentur die Gasreserve nach dem Winter bei 50 Prozent liegen soll", sagte der Grünen-Ratsherr. Allerdings hat die Bundesnetzagentur bei dieser Berechnung vorausgesetzt, dass 20 Prozent des Verbrauchs eingespart werden. Sowohl das Allwetterbad in Unterlüß als auch das Waldbad in Hermannsburg werden daher wohl noch mindestens ein paar Wochen geschlossen bleiben.