Elefantenfußkrankheit

Darum engagiert sich Podo e.V. in Äthiopien

Seit zehn Jahren engagiert sich Podo e.V. in Äthiopien. Das hat der Verein erreicht und darum ist es der letzte Spendenaufruf.

  • Von Christopher Menge
  • 21. Nov. 2022 | 12:05 Uhr
  • 21. Nov. 2022
Die Müdenerin Christel Ahrens hat dafür gesorgt, dass in Äthiopien Podo-Selbsthilfegruppen entstehen.
  • Von Christopher Menge
  • 21. Nov. 2022 | 12:05 Uhr
  • 21. Nov. 2022
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Hermannsburg.

Seit zehn Jahren engagiert sich der Hermannsburger „Verein Podo“ in Äthiopien. 1,6 Millionen Menschen haben dort, im Land der Langstreckenläufer, eine Bewegungseinschränkung – Podokoniose heißt die Krankheit der armen Landbevölkerung, die barfuß unterwegs ist. Sie ist auch als endemische Elefantenfußkrankheit bekannt. Staub, der in die Füße dringt, verstopft die Lymphgefäße. Die Beine schwellen an und entwickeln einen starken Geruch. Schmerzhafte Entzündungen, Immobilität, Stigmatisierung, Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt und allen sozialen Kontakten sind die Folge.

Bundesverdienstkreuz für Christel Ahrens

„Ein lebenslanges Leiden beginnt im Alter von 15 bis 30 Jahren“, sagt Projektmanagerin Christel Ahrens. „Der ästhetische Aspekt ist für die Erkrankten das geringere Problem. Schlimmer ist die mit der Geruchsbildung einhergehende gesellschaftliche Ausgrenzung.“ In diesem Jahr wurde die Müdenerin für ihre Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bevor sich der Verein Ende des Jahres auflöst, startet Podo einen letzten Spendenaufruf.

Christel Ahrens wurde das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Faßberger Rathaus durch Axel Flader verliehen.

„Schuhe sind besonders für von Podo schwer betroffene Menschen extrem wichtig und leider in der Herstellung inzwischen für die Betroffenen viel zu teuer.“

Christel Ahrens, Projektmanagerin

„Das Ziel des Vereins, modellhaft vorzuführen, wie man effektiv und zu geringen Kosten diese Krankheit behandeln kann, ist erreicht worden“, sagt Ahrens. „Die äthiopische Regierung hat inzwischen das Problem erkannt.“ Aber es fehlt am Geld. „Schuhe sind besonders für von Podo schwer betroffene Menschen extrem wichtig und leider in der Herstellung inzwischen für die Betroffenen viel zu teuer“, sagt die Projektmanagerin. „Der Verein würde gerne diesen Menschen noch den Ankauf von subventionierten Schuhen ermöglichen, was nur geht, wenn wir dafür noch Geld einwerben können.“

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Dicke Füße: Selbsthilfegruppen in Äthiopien

Ahrens erklärt, dass die Mitarbeiter des Vereins in Äthiopien dafür sorgen, dass Podo-Selbsthilfegruppen stattfinden. „Sie haben in 42 Landkreisen mehr als 20.000 Menschen mit Podokoniose auf diese Weise erreicht“, sagt die Müdenerin. „Außerdem sind sechs Männer und Frauen in der Schuhproduktion beschäftigt, weitere sechs Frauen produzieren medizinische Seife und Öle. Viele der 20 Mitarbeiter in Äthiopien waren vorher ohne ein geregeltes Einkommen.“

„Schuhe sind Therapie und Prävention zugleich.“

Christel Ahrens, Projektmanagerin

Vor dem ersten Treffen der Podo-Selbsthilfegruppe werden alle Menschen mit „dicken Füßen“ aufgefordert, sich bei ihrer Kommune zu registrieren. Die Mitarbeiter von Podo hören aufmerksam zu, um dann ihrerseits darüber zu informieren, was über die Ursachen und die Behandlung erforscht wurde. Anschließend können alle Teilnehmer Schüsseln, Seife, Salben und Socken zum halben handelsüblichen Preis erwerben. Danach wird gründliches Füßewaschen eingeübt, so wie es jeder von nun an täglich tun sollte. Saubere Socken und geschlossene Schuhe schützen die Füße vor dem erneuten Kontakt mit Silikaten. „Schuhe sind Therapie und Prävention zugleich“, so Ahrens.

Die Mitarbeiter in Äthiopien sorgen dafür, dass es läuft. Sie laden zu Podo-Selbsthilfegruppen ein.

„Beim letzten Treffen kaufen viele Teilnehmer ihr erstes Paar Lederschuhe. Einige erzählen dann rückblickend von ihrem Leiden an der Krankheit. Nicht selten wird geweint – Tränen der Trauer und Tränen der Dankbarkeit.“

Christel Ahrens, Projektmanagerin

Die Schuhgröße würde erst nach mehreren Monaten ermittelt, denn die Schwellungen gehen langsam zurück. „Beim letzten Treffen kaufen viele Teilnehmer ihr erstes Paar Lederschuhe“, sagt Ahrens. „Einige erzählen dann rückblickend von ihrem Leiden an der Krankheit. Nicht selten wird geweint – Tränen der Trauer und Tränen der Dankbarkeit.“

Das Engagement von Podo habe in diese Perspektivlosigkeit Hoffnung gebracht. Menschen am Rande der Gesellschaft hätten wieder einen Platz in ihr gefunden. „Sie können sich versorgen und sind seltener auf Unterstützung angewiesen“, sagt Ahrens. Darüber hinaus gehe es auch um neue Wege in der Gesundheitsversorgung.

Podo e.V. bittet um Spenden

„Auch wenn es gut angelaufen ist, werden weiterhin dringend Spenden benötigt“, sagt die Projektmanagerin. Orthopädische Schuhe, wie sie in den Podo-Schuhwerkstätten produziert werden, halten die Füße von Menschen mit Podokoniose dauerhaft gesund. Die Kosten der Eigenherstellung betragen derzeit zehn Euro pro Paar.

Das Spendenkonto von Podo hat die IBAN DE40 5206 0410 0006 4417 34. Spendenbescheide für Beträge ab 25 Euro werden im Januar verschickt, die Anschrift soll auf der Überweisung angegeben werden.