Leben an der Trasse

Aus für Berger Ortsumgehung?

In Bergen und Hasselhorst gibt es Widerstand gegen die Pläne, eine Bahntrasse zwischen den beiden Orten zu bauen. Das sind die Betroffenen und das sind die Befürchtungen.

  • Von Christopher Menge
  • 20. Jan. 2023 | 11:00 Uhr
  • 25. Jan. 2023
Peter Meinecke vor seinem landwirtschaftlichen Gebäude in Hasselhorst. Die Bahntrasse soll genau dadurch verlaufen. Der Berger Ortsbürgermeister fürchtet zudem, dass die Ortsumgehung nicht gebaut wird, wenn die Trasse Wirklichkeit wird.
  • Von Christopher Menge
  • 20. Jan. 2023 | 11:00 Uhr
  • 25. Jan. 2023
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Hasselhorst.

Eigentlich möchte Peter Meinecke nicht groß über sein Einzelschicksal sprechen. "Ich bin absolut gegen die Zerstörung der Natur", betont der 59-Jährige. "Aber hier geht es um die Existenz folgender Generationen, sprich meinen Sohn." Ihm werde die Möglichkeit genommen, weiterhin landwirtschaftlich zu produzieren, Lebensmittel zu erzeugen. Die geplante Bahntrasse von Hamburg nach Hannover (Lilafarbene Variante) würde genau durch sein landwirtschaftliches Gebäude in Hasselhorst verlaufen. Auch sonst gibt es im Gemeindefreien Bezirk Lohheide und im Ort Bergen Widerstand gegen die Trasse. Meinecke, der auch Ortsbürgermeister von Bergen ist, befürchtet, dass die Berger Ortsumgehung nicht mehr gebaut werden kann, wenn die neue Bahntrasse zwischen Bergen und Hasselhorst realisiert wird.

Familie Meinecke zieht Kälber und Rinder in Hasselhorst auf

"Vor 50 Jahren haben wir unseren Betrieb aus Bergen teilweise ausgelagert, weil wir nicht mehr erweitern konnten", erzählt Meinecke. Ein unterkellerter Kartoffellagerraum wurde gebaut, dieser hat eine betonierte, befahrbare Oberdecke, darauf steht ein Gebäude für die Maschinentechnik. Zum anderen hat Familie Meinecke auf der anderen Seite von Hasselhorst noch einen landwirtschaftlichen Betriebszweig, wo die Mutterkühe, Kälber und Rinder aufgezogen werden. "Auch diese Flächen wären durch die neue Bahntrasse nicht mehr erreichbar", sagt Meinecke. Sein Sohn müsse sich neu aufstellen, wenn die Bahn-Pläne realisiert werden.

Muss geplante Berger Ortsumgehung für Bahntrasse weichen?

"Die Bahntrasse wäre eine weitere zusätzliche Belastung für Bergen und eine hohe Einschränkung der Lebensqualität", sagt der Berger Ortsbürgermeister. Die Militärgeräusche, die Emissionen, sei man gewohnt und akzeptiere sie. Dem Neubau der Strecke möchte man wegen der Umweltbelastungen entgegenwirken. "Ein weiterer Punkt ist, dass wir von Bleckmar bis Bollersen eine Umgehungsstraße westlich von Bergen geplant haben, die bereits im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde", sagt Meinecke. "Diese ist augenscheinlich dann nicht mehr möglich." Zudem sei fraglich, ob das geplante Berger Baugebiet "Bienenzaun II" noch realisiert werden könne.

Sven Marc Rosebrock kämpft gegen Bau von neuer Bahntrasse

Sven Marc Rosebrock, der Vorsitzende der Einwohnervertretung des Gemeindefreien Bezirks Lohheide, kämpft ebenfalls gegen die neue Bahntrasse. "Das Problem, das wir hier in Hasselhorst haben, ist, dass wir schon von zwei Seiten von der Bundeswehr eingerahmt sind", sagt Rosebrock. "Durch die neue Bahntrasse würden wir die letzten beiden Seiten verlieren." Das wäre eine Bewegungseinschränkung, die für die Einwohner von Hasselhorst nicht akzeptabel sei.

"Damit hätten wir eine Insellösung."

Sven Marc Rosebrock (Vorsitzender Einwohnervertretung)

"Die Bahntrasse würde die Verbindung zwischen Hasselhorst und Bergen zerschneiden", sagt der Vorsitzende der Einwohnervertretung. "Eine einfache Verbindung wäre dann nicht mehr gegeben. Wir könnten uns dann auch nicht mehr so einfach in die Bereiche Bleckmar oder Belsen bewegen. Damit hätten wir eine Insellösung."

Elf Meter hoher Bahndamm zwischen Bergen und Hasselhorst?

Rosebrock hat sich mit den Plänen intensiv beschäftigt. "Den Sonnenaufgang würden die Hasselhorster nicht mehr sehen, denn in Richtung Osten wird ein elf Meter hoher Wall entstehen." Das bedeute, die Bahn fahre auf einem Damm und darauf wäre dann die Lärmschutzwand. "Das ergibt in Teilen eine Höhe von elf Metern", sagt Rosebrock. Die Hasselhorster würden den Krach vom Truppenübungsplatz kennen, der Lärm der neuen Bahnstrecke sei aber nicht kalkulierbar. "Und das alles, um zehn Minuten schneller zu sein?", fragen sich die Hasselhorster, die einen Einbruch der Werte ihrer Immobilien befürchten.

Sven Marc Rosebrock CDU kämpft gegen den Bau der neuen Bahntrasse.

Es gibt aber zumindest auch einen Einwohner, der die Dinge etwas anders sieht, wie er sagt. "Die B3-Ortsumgehung würde auch die Landschaft zerschneiden", sagt Dirk Ahrens. "Aber davon spricht kein Mensch." Dabei würde auch die Straße Bergen und Lohheide trennen. Er habe den Eindruck, dass die Trassengegner passionierte Autofahrer seien.

"Das Argument Lärm ist aufgrund des Truppenübungsplatzes kein Argument."

Dirk Ahrens (Hasselhorster)

Truppenübungsplatz: Hasselhorster sind Lärm gewohnt

"Das Argument Lärm ist aufgrund des Truppenübungsplatzes kein Argument", so der 58-Jährige. Wenn die Leute schnell mit der Bahn fahren wollen, würden an der Strecke auch Menschen wohnen und Landschaften zerschnitten werden. "Der Deutschlandtakt hat 2015 noch keine Rolle gespielt, dafür brauchen wir neue Strecken." Er wolle sich aber nicht anmaßen, für die zukünftigen Generationen zu entscheiden.