So berichteten wir damals

Freispruch im Celler Anhalterinnen-Mord

Der Mordfall Frederike von Möhlmann hat den ganzen Landkreis erschüttert. So berichteten wir am 16. März 1983 über den Freispruch von Ismet H..

  • Von Cellesche Zeitung
  • 16. März 1983 | 14:38 Uhr
  • 21. Juli 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 16. März 1983 | 14:38 Uhr
  • 21. Juli 2022
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Hambühren.

Mit einem Freispruch endete am Freitag abend die neue Hauptverhandlung um den Celler Anhalterinnen-Mord vom November 1981: Die 2. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stade hielt die Indizien für nicht ausreichend, um den Angeklagten Ismet H. (24) aus Celle zu verurteilen. Stattdessen sprach es dem Türken eine Entschädigung für mehr als 16 Monate Haft zu. Im Juli 1982 war der Kurde vom Landgericht Lüneburg zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte dieses Urteil jedoch aufgehoben.

Bundesgerichtshof hebt Urteil im Mordfall Frederike von Möhlmann auf

Nach dem Ergebnis der neuen Hauptverhandlung sei es nicht gelungen, den Mord an Frederike von Möhlmann (17) aufzuklären, sagte der Vorsitzende Richter Rudolf Eickhoff. Die Schülerin war vier Tage nach ihrem Verschwinden am 8. November 1981 grausam zugerichtet in einem Waldstück bei Hambühren, etwa vier Kilometer von der elterlichen Wohnung entfernt, erstochen aufgefunden worden. Die Indizien, die beim ersten Prozess in Lüneburg wie auch bei dem neuen Verfahren in Stade im Mittelpunkt standen, waren Reifen- und Textilfaserspuren, die am Leichenfundort entdeckt und mit dem Wagen des türkischen Arbeiters in Verbindung gebracht wurden. Die Frage, ob die Kleidung des Mordopfers tatsächlich Kontakt mit dem Inneren des Autos hatte, entwickelte sich zum Angelpunkt der Beweisführung.

Weitere Sachverständige hinzugezogen

Richter Eickhoff führte das abweichende Urteil nicht zuletzt auf die Hinzuziehung weiterer Sachverständiger zurück, was vom Verteidiger schon im ersten Prozess beantragt, aber vom Gericht nicht genehmigt worden war. Nach dem neuen Reifengutachten sei eine Verurteilung von H. nicht mehr in Frage gekommen, sagte der Richter. In der vergangenen Woche hatte dieses Gutachten bereits zur Aufhebung des Haftbefehls gegen den Mann geführt, der von Anfang an die Tat bestritten hatte. Auch die Anhäufung von sieben Faserspurkombinationen aus Autostoffen auf der Garderobe der toten Schülerin wurde als kein aus-reichendes Indiz angesehen. Auch fehle ein Gegenindiz: Textilfasern aus der Kleidung des Mordopfers habe man im Auto trotz intensiver Nachforschung nicht finden können.

„Tatort Celle“: Verbrechen vor unserer Haustür

Der Text ist am 16. März 1983 im Original in der Celleschen Zeitung erschienen. Wir haben lediglich die gefetteten Zwischenzeilen hinzugefügt. 

Von cz