Vater stirbt kurz vor Prozess

Frederike von Möhlmanns Schwester kämpft weiter für Gerechtigkeit

Die Schwester der getöteten Frederike von Möhlmann will nach dem Tod des Vaters als Nebenklägerin auftreten. Bald endet für Ismet H. die Frist für U-Haft.

  • Von Simon Ziegler
  • 21. Juni 2022 | 15:43 Uhr
  • 22. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 21. Juni 2022 | 15:43 Uhr
  • 22. Juni 2022
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Hambühren.

Ein Jahrzehnt hat Hans von Möhlmann gekämpft, damit der mutmaßliche Mörder seiner Tochter Frederike aus Hambühren erneut der Prozess gemacht wird. Wenige Wochen vor einer möglichen Wiederaufnahme des Verfahrens am Landgericht Verden ist von Möhlmann im Alter von 79 Jahren in Hannover gestorben. "Das ist sehr schlimm, sehr traurig. Er kann den Kampf nicht zu Ende führen", sagte Opferanwalt Wolfram Schädler, der den Vater nach eigenen Angaben noch vor zwei Wochen besucht hatte. Der neue Prozess sei das große Ziel des Vaters gewesen. Die Inhaftierung von Ismet H., der seit Februar in der JVA Celle in Untersuchungshaft sitzt, habe Hans von Möhlmann "mit einer gewissen Befriedigung" zur Kenntnis genommen.

Hans von Möhlmann war schwer krank

Der 79-Jährige, der in Laatzen gelebt hatte, war schwer krank. Hans von Möhlmann litt an Diabetes. Im vergangenen Jahr musste ihm deswegen ein Bein abgenommen werden.

Schwester lebt im Ausland

Rechtsanwalt Schädler gab bekannt, dass Frederikes ein Jahr ältere Schwester, die im europäischen Ausland lebt, anstelle des Vaters als Nebenklägerin auftreten will. Sie halte sich aber aus der Öffentlichkeit heraus und stehe für Presseanfragen nicht zur Verfügung. Dass die Schwester den Kampf des Vaters fortsetzt, hat nicht nur symbolische, sondern auch prozessuale Gründe. "Mit dem Tod des Opfers erlischt die Nebenklage", erläuterte Schädler die Rechtslage. Dazu teilte Gerichtssprecherin Sara Teufel gestern Nachmittag mit, dass die "Schwurgerichtskammer anlässlich des Versterbens des Vaters prüft, ob die Schwester der Verstorbenen als Nebenklägerin zugelassen wird".

Prozess könnte am 9. August beginnen

Unterdessen wird darüber spekuliert, dass der Prozess in Verden am 9. August beginnen könnte. Das ist aber keineswegs sicher. Die zuständige Kammer am Landgericht hat noch nicht über die Begründetheit des Wiederaufnahmeantrags entschieden, sagte Teufel gegenüber der CZ. Wenn das Gericht den Antrag der Staatsanwaltschaft Verden als begründet erachtet, ordnet es die Wiederaufnahme des Verfahrens und die Erneuerung der Hauptverhandlung an. Das Oberlandesgericht Celle hält die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den früheren Angeklagten laut einem Beschluss vom 20. April für zulässig.

Frist für U-Haft endet im August

Klar ist, dass ein neuer Prozess spätestens am 24. August beginnen müsste, weil dann die Frist für die Haftprüfung endet. Ismet H. war am 25. Februar in Gifhorn verhaftet worden und sitzt seitdem in U-Haft. Ein neuer Prozess muss innerhalb eines halben Jahres beginnen.

Warten auf Karlsruhe

Außerdem haben die Verteidiger des Beschuldigten, darunter der Hamburger Anwalt Johann Schwenn, Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingelegt. Es geht um die Frage, ob die vergangenes Jahr in Berlin beschlossene Gesetzesänderung verfassungskonform ist oder nicht. Der heute 63-jährige Ismet H. war 1982 vom Landgericht Lüneburg zunächst verurteilt und in zweiter Instanz vom Landgericht Stade 1983 rechtskräftig freigesprochen worden. Weil 2012 mit neuen Untersuchungsmethoden DNA-Spuren von Ismet H. an altem Beweismaterial gesichert wurden, hatten Hans von Möhlmann und sein Anwalt Wolfram Schädler jahrelang für die Gesetzesänderung gekämpft. Dass ein rechtskräftig Freigesprochener sich in der gleichen Sache erneut vor Gericht verantworten muss, ist in Deutschland juristisch absolutes Neuland.

Großes Interesse in Verden erwartet

Während sich das Landgericht Verden auf einen der wohl größten Prozesse seiner Geschichte vorbereitet, der überregional für enormes Interesse sorgt, warten alle Beteiligten gebannt auf den Ausgang des Eilverfahrens in Karlsruhe. Wann das Bundesverfassungsgericht die Entscheidung verkünden wird, ist unklar. Auf Anfrage der CZ sagte ein Sprecher, dass "aktuell noch nicht absehbar ist, wann damit zu rechnen ist".