Schreckliche Tat

Kindermord in Faßberg: Kein Wort des Bedauerns

In Faßberg wird ein kleines Mädchen erwürgt. Der Täter: Ein Gefreiter der Bundeswehr. So berichteten wir am 18. Mai 1965 über den jungen Mann vor Gericht.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. Aug. 2022 | 08:28 Uhr
  • 18. Aug. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. Aug. 2022 | 08:28 Uhr
  • 18. Aug. 2022
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Faßberg.

Eines der scheußlichsten und verabscheuungswürdigsten Verbrechen, das in den letzten Jahren im Landkreis begangen wurde, steht vor Gericht: der Faßberger Kinder-Mord vom 24. August 1964. Ein ruchloser Mord, begangen an einem kleinen, kaum vier Jahre alten Mädchen, das der Mörder weder gekannt noch jemals vorher gesehen hatte. Begangen im Zustand der Trunkenheit von einem 19 Jahre alten Mann, dem ehemaligen Gefreiten der Bundeswehr Detlef M.

Kind in Faßberg ermordet, Eltern schlafen im Nebenzimmer

Eine Woge von Abscheu und Entsetzen ging durch Celle-Stadt und -Land, als man am folgen-den Tage in den Zeitungen von der Faßberger Bluttat lesen mußte. Wie konnte so etwas überhaupt geschehen, während die Eltern der kleinen Birgitt im Nachbarzimmer schliefen? War hier ein „Killer“ am Werk, dessen ruchlose Hände auch das Leben anderer Kinder bedrohte? So fragten sich verängstigte Eltern, so fragte sich jeder in unserem Heimatkreis. Und alle atmeten erleichtert auf, als gleichzeitig mit der Schreckensnachricht bekanntgegeben wurde, daß der Täter noch am gleichen Morgen verhaftet worden sei und ein Geständnis abgelegt habe.

Ohne Anteilnahme berichtet Detlef M. von Tatnacht

Und wie geschah die grausige, unfaßbare Tat? Detlef M. schilderte sie gestern Vormittag
vor der Jugendstrafkammer. Sachlich und nüchtern, als erstatte der Gefreite und Flugzeugmechaniker eine „Einsatzmeldung“, ohne jede innere Anteilnahme, ohne ein Wort des Bedauerns für seine ruchlose Tat zu finden. Nach einer ausgedehnten Zecherei habe er „Drang“ verspürt, noch „irgend etwas zu unternehmen“! Er könne sich aber nur noch daran erinnern, daß er über Hecken und Zäune gesprungen sei, an Türen und Fenstern gerüttelt habe.

Gefreiter bricht in anderes Wohnhaus ein

Schließlich sei er in ein Wohnhaus eingedrungen und von einer Frau gestellt worden und habe nach kurzem Handgemenge das Haus fluchtartig verlassen; hierbei müsse er seine Schuhe verloren haben (die später zu seiner Identifizierung führten). Dann sei er durch den Keller in ein anderes Haus eingedrungen und die Treppe hinauf nach oben gegangen. Da die Wohnungsschlüssel außen in der Tür gesteckt hätten, habe er die Tür geöffnet und ein Kleidungsstück auf die Schwelle gelegt, um ein Zuschlagen zu verhindern. Dann sei er in das Wohnzimmer gelangt, habe zunächst die Balkontür geöffnet — um einen Fluchtweg zu haben — und habe Schränke und Schübe durchwühlt, eine Schachtel Zigaretten gefunden und sich eine Zigarette angezündet.

Mädchen hat jungen Mann gesehen

Schließlich sei er in das Kinderzimmer gelangt, in welchem zwei Bettchen standen; in einem von ihnen schlief die kleine Birgitt. Er habe auch hier zunächst wieder das Fenster geöffnet, einen Schrank durchwühlt und dann habe er den „Drang verspürt, das Mädchen umzubringen“! Mit auf gerissenen Augen habe ihn das Mädchen angestarrt und sich mit den Händen an seine Arme geklammert, als er es erwürgte. Nach dem Motiv gefragt, meinte M. achselzuckend, vielleicht seien in ihm unbestimmte
Haßgefühle gegen Kinder wachgeworden, als er das Mädchen in seinem Bett schlafend fand. Er wisse es jedenfalls nicht und könne weiter nichts dazu sagen. So grausig die Tat, so erschütternd war die nüchterne Sachlichkeit, mit der der schmalbrüstige junge Mann den Hergang schilderte.

Verlorener Schuh identifizierte ihn

Wenige Stunden nach der Tat wurde M. durch die Celler Kriminalpolizei verhaftet. Die Kasernen wache, der die unordentliche Kleidung des ehemaligen Gefreiten aufgefallen war, hatte ihn festgesetzt; ein Schuh, der in der Nähe des Tatorts gefunden wurde, identifizierte ihn. Ohne erst lange zu leugnen, gab M. die Tat zu.

Die Verhandlung dauert an. Auf die Vorgeschichte und den Lebenslauf M. die
beide bei der strafrechtlichen Beurteilung der Tat ggf. von entscheidender Bedeutung werden können, werden wir zurückkommen.

Von cz