Ausbildung bei den Heeresfliegern

So trainieren Marinepiloten im Faßberger Hubschraubersimulator

Marineflieger aus Nordholz sind im Flugsimulator NH90 der Heeresflieger in Faßberg ausgebildet worden. So lief das Training ab und das sind die Ziele.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 31. März 2023 | 16:11 Uhr
  • 31. März 2023
Im eigenen NH90-Simulator unterstützen die Heeresflieger aus Faßberg Piloten der Marineflieger bei der Ausbildung.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 31. März 2023 | 16:11 Uhr
  • 31. März 2023
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Faßberg.

Im Januar sind für mehrere Wochen Marineflieger aus Nordholz im Flugsimulator NH90 des Transporthubschrauberregimentes 10 in Faßberg ausgebildet worden. Sie waren bereits erfahrene Piloten und wurden auf den neuen Hubschrauber NH90 „Sea Lion“ umgeschult. Im Simulator der „Lüneburger Heide“ saßen die Marineflieger das erste Mal im Cockpit eines NH90.

Marinepiloten in Faßberg auf Simulator der Heeresflieger geschult

Die Ausbildung der Marinepiloten in einem Simulator des Heeres war kein Zufall. Da sich der eigene Flugsimulator für den NH90 „Sea Lion“ der Marine noch im Bau befindet, war Unterstützung bei der Ausbildung erforderlich. Hier kamen die Heeresflieger ins Spiel – der NH90 „Sea Lion“ ist eine an die Bedürfnisse der Marine angepasste Version des NH90, sodass die Grundlagenausbildung im Faßberger Simulator stattfinden konnte.

Transporthubschrauberregiment 10 fliegt den NH90 bereits seit 2011

Die Ausbildung beim Heer hatte viele Vorteile für die Marineflieger, denn der genutzte Simulator ist der modernste der Bundeswehr und die praktischen Erfahrungen der Heideflieger sind weitreichend. Der Simulator ist seit 14 Jahren im Betrieb und das Transporthubschrauberregiment 10 fliegt den NH90 bereits seit 2011. Dadurch konnten die Marineflieger während ihrer Ausbildung auf umfangreiche Erfahrungswerte während ihres Trainings zurückzugreifen.

Von Erfahrungen profitieren

Die Gelegenheit voneinander zu lernen war keineswegs einseitig. Aufgrund der unterschiedlichen Teilstreitkraftzugehörigkeit bot die Kooperation Chancen für alle Beteiligten. „Im Sinne möglicher gemeinsamer Einsätze von Marine und Heer ist es nur ein sinnvoller Schritt gewesen, in der Basis den gleichen Hubschrauber zu fliegen. So können wir alle gemeinsam von den Erfahrungen der Anderen profitieren“, erläutert der Leiter des Ausbildungssimulators in Faßberg, Hauptmann Bernd.

Firma HFTS leitet Ausbildung der Marineflieger

Die Ausbildung der Marineflieger wurde durch die Firma HFTS (Helicopter Flight Training Services) geleitet, die alle vier NH90-Simulatoren der Bundeswehr an den Standorten Faßberg, Bückeburg und Holzdorf betreibt. Die angehenden NH90-Piloten wurden während ihrer fliegerischen Simulatorausbildung von Fluglehrern dieser Firma begleitet, die selbst ehemalige Piloten mit langjähriger Flugerfahrung sind. Die Ausbildung zeichnete sich nicht nur durch die Kompetenz der Lehrenden aus, sondern auch durch die individuelle Betreuung: Für zwei angehende NH90-Piloten standen drei Fluglehrer zur Verfügung.

Anforderungen eines echten Fluges widerspiegeln

Das Ziel der Ausbildung war eine möglichst realitätsnahe Trainingserfahrung, um die Anforderungen und Situationen eines echten Fluges widerzuspiegeln. Dazu wurden im Trainingsprogramm grundlegende Fähigkeiten vermittelt, die für den militärischen Flugbetrieb erforderlich sind. Darunter verschiedenste Szenarien, um die unterschiedlichsten Aspekte des Flugbetriebs abdecken. Bei Instrumentenflügen lernten die Piloten, in und über den Wolken oder bei schlechter Sicht zu fliegen, wobei sie auf ihre Fluginstrumente, wie Höhenmesser, Geschwindigkeitsmesser, Funknavigationssysteme und künstlichem Horizont angewiesen waren.

Mit dem Hubschrauber sehr nahe am Boden fliegen

Bei Tiefflügen hingegen trainierten die Piloten, sich mit dem Hubschrauber sehr nahe an dem Boden zu bewegen. Hier mussten die Piloten in der Lage sein, schnell auf Veränderungen in der Umgebung zu reagieren und den Hubschrauber sicher zu manövrieren. Diese Art des Fluges dient beispielsweise dazu, bodennahe Ziele anzusteuern oder um sich unentdeckt von feindlichem Radar zu bewegen.

Training mit Außenlasthaken am Helikopter

Anschließend wurden die angehenden NH90 „Sea Lion“ Piloten im Außenlasttransport geschult. Dabei kam ein spezieller Außenlasthaken am Hubschrauber zum Einsatz, der es ermöglicht, sperrige Fracht oder Ausrüstung sicher aufzunehmen. Die Piloten mussten den Hubschrauber hierbei sehr genau steuern. Mit diesem Teil der Ausbildung wurden die Piloten befähigt, unter anderem in unzugänglichen Gebieten oder bei Rettungsmissionen und Waldbrandbekämpfungen einen Lufttransport zu ermöglichen.

Piloten müssen Gleichgewicht des Hubschraubers im Auge behalten

Schließlich wurden das Aufwinchen und Abwinchen von aufgesetzten Kräften geübt. Eine Technik, die es ermöglicht, Personen mithilfe eines Seils und einer Rettungsschleife aufzunehmen oder abzusetzen, ohne dass der Hubschrauber landen muss. Dabei mussten die Piloten sehr präzise arbeiten und das Gleichgewicht des Hubschraubers im Auge behalten. Diese Technik wird vorrangig für schnelle und flexible Aufnahmen von Personen oder bei Rettungsmissionen eingesetzt.

Simulatorausbildung in Faßberg dauert für erfahrene Piloten nur etwa 1,5 Monate

Obwohl die ausgebildeten Marineflieger bereits erfahrene Piloten waren, stellte die Umschulung eine Herausforderung dar. Denn bereits Ende Februar stand für die Marineflieger die Prüfung in Form eines Übungsfluges an. Somit dauerte die Simulatorausbildung in Faßberg für Sie nur ungefähr 1,5 Monate. Dies erforderte von den Piloten eine gute Vorbereitung und einiges an Können. Sie konnten dabei auf die Erfahrung ihrer vorherigen Hubschrauber aufbauen – den Sea King Mk41 und die EC 135.

Der Schulungshubschrauber EC 135 ist deutlich kleiner als der NH90

Für den Piloten der EC 135 stellte die Umschulung einen Wechsel auf einen viel größeren Hubschrauber dar. Sein vorheriger Hubschrauber hatte bereits digitale Instrumente und wird in der Marine für Ausbildungs- und Schulungsflüge genutzt. Der Wechsel auf den Sea Lion hielt für ihn keine allzu großen technischen Überraschungen bereit. Er konnte sich vollständig darauf konzentrieren, sich mit dem neuen Hubschrauber vertraut zu machen.

Schulungshubschrauber EC 135 ist deutlich kleiner als der NH90

Für den Sea-King-Mk41-Piloten war es allerdings eine komplett neue Erfahrung. Die analogen Instrumente des Sea King gibt es im NH90 nicht mehr. Die neuartigen digitalen Anzeigen vermeiden redundante und unnötige Informationen und ermöglichen dem Piloten, den Fokus auf das Wesentliche zu setzen: den Hubschrauber sicher zu fliegen.

Der Sea King MK41.

Sein Spaß am Lernen erleichterte ihm die Umschulung enorm und er begrüßte die Vorzüge des mehr als 50 Jahre moderneren NH90. Im Gegensatz zu seinem Kameraden war es für ihn nicht nur ein Wechsel auf einen anderen Hubschrauber, sondern eine komplett neue Möglichkeit. Er strebt es an, ein Erprobungsluftfahrzeugführer zu werden, womit er ein Testpilot für zukünftige Neuerungen am NH90 „Sea Lion“ ist.

Testpilot für zukünftige Neuerungen am NH90 „Sea Lion“

Die beiden Marineflieger zeigten, dass die Ansprüche der Ausbildung für jeden sehr individuell sind, vor allem, wenn es sich um Piloten unterschiedlicher Hubschrauber handelt. Es lässt sich festhalten, dass die moderne Technologie und Unterstützung des Transporthubschrauberregimentes 10 eine schnelle und erfolgreiche Umschulung ermöglicht hat, bei der sowohl erfahrene als auch weniger erfahrene Piloten von den Erfahrungswerten der Heideflieger profitieren konnten.

Von Andy Schmidt und Jonas-Marvin Lühr