Testbohrung in Eschede

So entsteht erstes Kaltes Nahwärmenetz im Kreis Celle

Es ist eine Premiere im Celler Land: In Eschede soll das erste Kalte Nahwärmenetz entstehen. Dafür wurde nun eine Probebohrung vorgenommen. Wie das weitere Verfahren abläuft und wo die Vorteile dieser Energieversorgung liegen.

  • Von Carsten Richter
  • 16. Jan. 2023 | 16:59 Uhr
  • 19. Jan. 2023
SVO-Geschäftsführer Ulrich Finke, Eschedes Bürgermeister Heinrich Lange und Geothermie-Experte Kim Schwettmann (von links) freuen sich auf den Bau des Kalten Nahwärmenetzes.
  • Von Carsten Richter
  • 16. Jan. 2023 | 16:59 Uhr
  • 19. Jan. 2023
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Eine Erdwärmesonde wird im Rahmen der Pilotbohrung in den Boden gelassen. 
Eschede.

Es ist ein bislang einmaliges Verfahren im Landkreis Celle. Das neue Baugebiet im Scheuer Felde in Eschede soll über ein so genanntes Kaltes Nahwärmenetz mit Energie versorgt werden. Das Besondere daran: Die Energie wird über ein zentrales Sondenfeld im Erdreich erzeugt und über ein Verteilsystem an die einzelnen Haushalte abgegeben. Für den Betrieb werden lediglich Temperaturen zwischen 10 und 25 Grad benötigt. Die Wärmeverluste sind außerdem gering. "Der Häuslebauer bekommt ein Rundum-sorglos-Paket", verspricht Kim Schwettmann, Geothermie-Experte beim Celler Ingenieurbüro "Heidt und Peters" und stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei GeoEnergy Celle.

Celler Brunnenbau nimmt Bohrung in Eschede vor

Wenn "Heidt und Peters" wie geplant im März mit der Erschließung beginnt, soll ein halbes Jahr später auch der Bau des Erdsondenfeldes starten. Dafür wurden Ende der vergangenen Woche die Voraussetzungen geschaffen. Mitarbeiter des Unternehmens Celler Brunnenbau haben auf der Fläche des künftigen Baugebiets am Ortseingang aus Richtung Celle an der Bundesstraße 191 eine Pilotbohrung bis in 150 Meter Tiefe vorgenommen und die Erdwärmesonde eingebaut. Die Testbohrung wiederum ist die Bedingung dafür, herauszufinden, wie viel Wärme aus der Erde gezogen werden kann.

Testbohrung für kaltes Nahwärmenetz dauert einen Tag

Ein monotones Brummen ist am Freitagvormittag im Bereich der Stettiner Straße zu hören. Unaufhörlich kämpft sich das Bohrgerät ins Erdreich und transportiert Bohrgut an die Oberfläche. Die Firmenmitarbeiter befördern das hochgespülte Bohrgut in einen Container – und die Spülung geht weiter. Das Prozedere erstreckt sich über den ganzen Tag.

 

"Heidt und Peters" will Wärmeleitfähigkeit ermitteln

Dabei ist die Pilotbohrung nur der erste Schritt, um wie vorgesehen im September mit dem Bau des Erdsondenfeldes beginnen zu können. Die Sonde ist im Bohrloch versenkt und mit Zement verfüllt worden. "Durch den Zement wird verhindert, dass Wasser einsickern kann", erläutert Schwettmann. Nach dem Einbau der Sonde ruht alles für einige Tage. In der übernächsten Woche werde dann Wärme in die Erde geleitet, also umgekehrt als später beim endgültigen Betrieb. Diese nächste Testphase werde sich über 72 Stunden erstrecken, so Schwettmann. "Darüber können wir dann Rückschlüsse zur Wärmeleitfähigkeit ziehen." Die Geologie am Standort sei bekannt, die Wärmeleitfähigkeit mit rund 90-prozentiger Sicherheit abzuschätzen. Für eine 100-prozentige Einordnung aber sei der Test erforderlich.

Durch die Spülung wird das Bohrgut an die Oberfläche transportiert. In einem Container kann es sich absetzen. 

Das sind die Vorteile eines Kalten Nahwärmenetzes

Schwettmann verdeutlicht noch einmal die Vorteile eines Kalten Nahwärmenetzes. "Durch ein Feld für alle Häuser wird nicht jedes Haus einzeln mit Wärme versorgt." Das sei wirtschaftlicher. Zudem sei ein zentrales Netz effektiver, leiser und günstiger. Davon, dass sich das Vorhaben am Ende rentiert, ist Schwettmann überzeugt. "Es sind durchaus Interessenten da", sagt der Geothermie-Experte, ergänzt allerdings: "Je mehr dabei sind, desto wirtschaftlicher."

Neues Baugebiet in Eschede mit Platz für 70 Grundstücke

Die Gemeinde Eschede und "Heidt und Peters" als Erschließungsträger haben gemeinsam entschieden, bei der Versorgung des neuen Baugebiets, in dem Platz sein wird für 70 Grundstücke, auf fossile Energieträger zu verzichten. Mit im Boot ist die SVO als regionaler Energieversorger. "Wir suchen nach Alternativen zur Gasversorgung", sagt Geschäftsführer Ulrich Finke. Das Unternehmen wolle "Konzepte aufbauen, die uns zukunftsfähig bis 2050 machen". Bis dahin soll die Europäische Union klimaneutral werden.

"Wir suchen nach Alternativen zur Gasversorgung."

Ulrich Finke, SVO-Geschäftsführer

Neues Baugebiet in Eschede mit Platz für 70 Grundstücke

Die Gemeinde Eschede und "Heidt und Peters" als Erschließungsträger haben gemeinsam entschieden, bei der Versorgung des neuen Baugebiets, in dem Platz sein wird für 70 Grundstücke, auf fossile Energieträger zu verzichten. Mit im Boot ist die SVO als regionaler Energieversorger. "Wir suchen nach Alternativen zur Gasversorgung", sagt Geschäftsführer Ulrich Finke. Das Unternehmen wolle "Konzepte aufbauen, die uns zukunftsfähig bis 2050 machen". Bis dahin soll die Europäische Union klimaneutral werden.

Das Bohrgerät steht – die Vorarbeiten laufen: Eine Erdwärmesonde wird im Rahmen der Pilotbohrung in den Boden gelassen. 

Eschede ist bei Kaltem Nahwärmenetz Vorreiter im Kreis Celle

Schwettmann betont, dass die bei dem Verfahren angewandte Technik nicht völlig neu sei. In der näheren Umgebung hatte 2019 der Stadtrat in Neustadt am Rübenberge für ein dortiges Neubauquartiers die Realisierung eines Kalten Nahwärmenetzes beschlossen. Im Celler Land ist Eschede Vorreiter. "Wir wollen Mut machen, weiterzudenken", sagt Schwettmann. Auch die erst neu gegründete Genossenschaft Bürgerenergie Aller-Fuhse-Aue für die Samtgemeinden Flotwedel und Wathlingen hält den Betrieb von Kalten Nahwärmenetzen für möglich.